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Karstadt und Kaufhof : Neuer Slogan, sonst vieles beim Alten

Aus zwei wird eins: Werbung beim Kaufhof an der Zeil in Frankfurt Bild: Cornelia Sick

Seit einem halben Jahr sind Kaufhof und Karstadt ein fusioniertes Unternehmen. Sie werben aber bisher nur gemeinsam. Verdi wendet sich derweil gegen „Tarifflucht“ - und Betriebsräte fordern Klarheit in einer bestimmten Sache.

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          Seit einem halben Jahr sind Kaufhof und Karstadt ein fusioniertes Unternehmen. Es heißt Galeria Karstadt Kaufhof – ein Name, der, wie man hört, bei Karstadt-Mitarbeitern nicht so gut ankommt. Schließlich suggeriert die Reihenfolge der Namen mit Galeria am Anfang, Kaufhof, das kränkelndere Unternehmen von beiden, habe Karstadt übernommen – und nicht umgekehrt. Jedenfalls werben beide Häuser neuerdings gemeinsam in Prospekten und auch in den Schaufenstern der Häuser auf der Zeil unter einem neuen, blau-grünen Logo mit dem Slogan „Wir sind zusammen Deins“.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Doch davon ist für Kunden bisher noch nicht so viel zu spüren. Ihre Payback-Karte zum Punkte-Sammeln können sie nach wie vor nur bei Kaufhof nutzen, umgekehrt gibt es keine Punkte mit der Karstadt-Kundenkarte in Kaufhof-Filialen. Auch der Umtausch und andere Services wie das Einlösen von Gutscheinen laufen noch separat. Das spricht noch nicht für das große Ganze. „Wir sind eins und doch wieder nicht“, sagt der Frankfurter Kaufhof-Betriebsratsvorsitzende Jürgen Schäfer. „Das muss sich erst einspielen.“

          Wieder in die Verlustzone gerutscht

          In der Zwischenzeit hat sich herausgestellt, dass Karstadt offenbar nicht so gesund ist wie bisher angenommen. Kürzlich gestand Stephan Fanderl, Chef des vereinigten Warenhauskonzerns, ein, dass auch Karstadt im vergangenen Jahr wieder in die Verlustzone gerutscht ist. Kaufhof schreibt schon länger rote Zahlen. Auch wenn Branchenvertreter davon ausgehen, dass die beiden Flaggschiffe an der Frankfurter Zeil funktionieren, heißt es bei Karstadt: „Wir hätten uns das Geschäft etwas besser vorgestellt.“

          Ausgebaut werden soll das Angebot an Sportartikeln. Wie berichtet, könnte in die Filiale der Outlet-Kette Saks Off 5th an der Zeil, die wie alle anderen Outlets in Deutschland Ende Juni geschlossen wird, Karstadt Sport einziehen. Fläche dafür gibt es aber auch im neuen Geschäftshaus Upper Zeil neben Kaufhof. Günstige Modartikel werden künftig unter dem gemeinsamen Label Dress-for-Less verkauft. Ebenso soll es eine bestimmte Anzahl an Eigenmarken in beiden Häusern geben.

          Was ist Sache?

          Nächste Woche tagen die Betriebsräte drei Tage lang in Willingen. Der Frankfurter Karstadt-Betriebsratschef Norbert Sachs hofft, dort „endlich zu erfahren, was Sache ist“. Bekannt ist, dass rund 1600 Stellen in den Filialen gestrichen werden sollen, Verdi spricht inzwischen sogar von 1800. Da viele Verkäufer in Teilzeit arbeiten, geht es um eine deutlich höhere Personenzahl.

          Eine zentrale Frage ist die künftige Entlohnung. Für die Karstadt-Mitarbeiter gilt ein Sanierungstarifvertrag, sie verdienen in der Spitze 300 Euro weniger als die Kollegen bei Kaufhof. Nach den bisherigen Plänen sollte Karstadt 2021 zurück in den Flächentarif. Wie angekündigt, hat sich inzwischen aber auch Kaufhof aus dem Tarifvertrag des Einzelhandels verabschiedet und ist in eine Mitgliedschaft ohne Tarifbindung im Arbeitgeberverband gewechselt. Damit müssen in der anstehenden Tarifrunde ausgehandelte Erhöhungen bei Lohn und Gehalt nicht anerkannt werden, wie Bernhard Schiederig, Leiter des Fachbereiches Handel bei Verdi in Hessen, erklärt. Verdi lehne das entschieden ab, Proteste seien in Vorbereitung.

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