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Sanofi in Frankfurt : Antikörper statt Diabetesmittel

Hightech: Die Zellkulturanlage für Antikörper von Sanofi in Frankfurt wird noch wichtiger Bild: Foto Sanofi

Der neue Sanofi-Chef Paul Hudson macht Druck. Diabetesmittel aus Frankfurt werden unwichtiger für den Pharmakonzern. Punkten kann der größte Sanofi-Standort aber mit etwas anderem.

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          Paul Hudson sitzt zwar erst seit September auf dem Sessel des Sanofi-Chefs, doch macht er schon Druck und nennt Eckpunkte für das Geschäft der Zukunft. Fortan legt das französische Unternehmen viel mehr Gewicht auf die Forschung an Wirkstoffen gegen Krebs, Seltene Erkrankungen, Hautkrankheiten und Multiple Sklerose. Medikamente für Zuckerkranke und Herz-Kreislauf-Mittel, mit denen der Konzern lange Zeit viel Geld verdient hat, werden unwichtiger. Die Diabetesforschung stellt Hudson sogar ganz ein. Er geht über Ankündigungen vom Frühsommer hinaus. Das trifft auch und gerade Frankfurt, denn dort entwickelt und produziert das Unternehmen seine Diabetesarzneien.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Ein Ausstieg aus der Diabetesforschung wird sicher nachhaltige Folgen für den Standort in Frankfurt-Höchst haben“, sagt Volker Weber, Landesbezirksleiter der Industriegewerkschaft Bergbau-Chemie-Energie in Hessen und Thüringen, voraus. Denn Unternehmen produzieren gerne dort, wo sie auch forschen und entwickeln. Details zu Hudsons Eckpunkten stehen aber aus.

          Historischer Einschnitt

          Für das neue Geschäftsmodell ist der Standort Frankfurt als größter seiner Art im Konzern aber durchaus vorbereitet. Denn vor zehn Jahren hat der Konzern eine Zellkulturanlage auf den Weg gebracht und auch längst errichtet. Dort entwickelt er Antikörper und stellt diese biotechnisch erzeugten Wirkstoffe auch her. Dazu zählt auch ein sogenannter Nanobody, ein besonders kleiner Antikörper und laut Unternehmen der erste seiner Art auf der Welt.

          Für Sanofi im Industriepark Höchst bedeutet die Abkehr von der Diabetes-Forschung dennoch einen historischen Einschnitt. Wobei die Überraschung nicht so groß ist. Der Frankfurter Betriebsratsvorsitzende Michael Klippel sagte schon im Juni angesichts der seinerzeit bekannten Pläne: „Damit dampft die Firma im Grunde die Diabetes-Forschung ein.“ Wie viele Forscherstellen insgesamt am Geschäft mit Arzneien für Zuckerkranke hängen, vermag das Unternehmen nicht genau zu beziffern. Einschließlich Produktion, Fertigung und Marketing sind es aber rund 3000 der 7300 Arbeitsplätze am Standort, der über sämtliche Therapiegebiete hinweg etwa 1300 Forscher zählt.

          Stellenabbau und Arbeitsplatzaufbau

          An diesen Zahlen dürfte sich grundsätzlich so bald auch nichts ändern, denn Produktion und Fertigung laufen weiter. Wobei die Mengen sogar anhaltend steigen. Schließlich gibt es auf der Welt immer mehr Zuckerkranke. Auf der anderen Seite sinken die Erlöse aus dem Diabetes-Geschäft.

          Dessen ungeachtet bedingen neue Vorgaben der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA einen Aufbau von 200 Kräften, um erhöhten Anforderungen an Qualitätssicherung und Hygiene gerecht zu werden. Derweil müssen sich Management und Betriebsrat noch über den im Sommer verkündeten Plan verständigen,  40 Forscherstellen und 100 unterstützende Arbeitsplätze abzubauen.

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