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Neuer Fraport-Chef : Schulte will Expansion von Fraport fortsetzen

Will in St. Petersburg expandieren: der neue Fraport-Chef Stefan Schulte Bild: F.A.Z. - Foto Wolfgang Eilmes

In der Krise muss Fraport Investitionen strecken. Sonst aber setzt der neue Vorstands-Chef Stefan Schulte den alten Kurs fort: Wachstum durch mehr Flüge, mehr Einzelhandel, mehr internationales Geschäft. An Gatwick und Stansted ist Schulte aber nicht interessiert.

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          Die Fraport AG wird ihre Investitionen in Frankfurt angesichts des gegenwärtig rückläufigen Passagier- und Frachtaufkommens strecken. Bei einem Besuch in der Redaktion dieser Zeitung berichtete Stefan Schulte, von heute an Vorstandsvorsitzender des Konzerns, unter anderem werde der erste Bauabschnitt des Terminals 3 im Süden des Flughafengelände voraussichtlich zwei Jahre später fertig als ursprünglich geplant. Bisher war von einer Eröffnung im Jahr 2013 die Rede gewesen. Generell gehe es um eine Überprüfung, inwiefern Bauvorhaben noch zur Passagierentwicklung passten, erläuterte Schulte.

          Manfred Köhler
          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Bei der neuen Nordwestlandebahn wünscht sich Schulte allerdings ebensowenig eine Verzögerung wie beim neuen Flugsteig A-Plus im Westen des Terminals 1. Die Landebahn soll 2011 in Betrieb gehen. Für den Flugsteig, an dem der neue Airbus A 380 abgefertigt werden soll, ist die Grundsteinlegung für den heutigen Dienstag angesetzt. Die mit der neuen Landebahn einhergehende Ausweitung der Kapazitäten solle weniger für neue Flüge innerhalb Deutschlands als vielmehr wenigstens zu 50 Prozent für zusätzliche Interkontinentalverbindungen genutzt werden.

          Asiatische Flieger klopfen an

          Schulte gab sich zuversichtlich, dass die Fluggesellschaften die zusätzlichen Kapazitäten rasch nutzen werden. So zeigten sich die Lufthansa, Easyjet und verschiedene Unternehmen aus Fernost interessiert, etwa Kingfisher. Vor allem das Wirtschaftswachstum in Asien stimme ihn optimistisch, dass neue Flughäfen wie die in Dubai dem Standort Frankfurt nicht schadeten. Das Wirtschaftswachstum in Fernost sei dermaßen hoch, dass die zu erwartende Nachfrage nach Flügen dorthin ohne solche neuen Flughäfen gar nicht zu befriedigen sei.

          Auch der „Dreamliner“ B 787 von Boeing werde Frankfurts Stellung nicht gefährden. Der „Dreamliner“ ermöglicht zwar Mittel- und Langstreckenflüge mit einer geringeren Zahl von Passagieren als etwa der A 380 von Airbus – während dieser mehr als 800 Fluggäste fasst, sind es bei dem Boeing-Produkt 200 bis 300. Somit könnte der „Dreamliner“ dazu dienen, von kleineren Flughäfen aus internationale Direktverbindungen anzubieten, womit ein Knotenpunkt wie Frankfurt umgangen würde. Schulte argumentierte aber, ein Flugzeug wie die B 787 könne umgekehrt jedoch auch dazu dienen, von Frankfurt aus neue Ziele in mittlerer Entfernung anzufliegen.

          „Nachtflugverbot tut Cargo sehr weh“

          Das Urteil des Verwaltungsgerichtshofs wertete Schulte als Bekenntnis zum Ausbau des Flughafens. Allerdings: „Das Nachtflugverbot tut Cargo sehr weh.“ Die Einschätzung des Vorstandschefs von Lufthansa Cargo, Carsten Spohr, bei einem Verbot von Nachtflügen sei der Logistik-Standort als solcher gefährdet, teile er nicht, sagte Schulte. Allerdings seien von der Lufthansa-Tochter große Anstrengungen gefordert, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Wie Spohr argumentierte Schulte, Hahn scheide als Option für den Frachttransport aus.

          Schulte bekräftigte das Fraport-Ziel, eigene Einnahmen deutlich zu steigern. Er verwies auf die hohe Belastung durch die verschiedenen Investitionen in Höhe von gegenwärtig einer Milliarde Euro im Jahr. Erreicht werden sollten höhere Einnahmen generell durch das Wachstum, wie es durch die neue Landebahn möglich werde, durch den Ausbau des Einzelhandels und eine Ausweitung des internationalen Geschäfts, also die Beteiligung an anderen Flughäfen oder deren Management. Beim Flughafen in St. Petersburg sei Fraport bereits in Verhandlungen über das detaillierte Vertragswerk. An den Londoner Flughäfen Gatwick und auch Stansted sei Fraport hingegen nicht interessiert. Während der Bilanzpressekonferenz im März hatte Schultes Vorgänger Wilhelm Bender noch berichtet, ein Erwerb der Flughäfen, die der Londoner Konkurrent BAA abgeben müsse, werde geprüft.

          Fraport bittet Fluglinien zur Kasse

          Angesichts einer Eigenkapitalrendite in Höhe von 18 Prozent nach Steuern zum Beispiel bei der Lufthansa und von acht Prozent bei Fraport im Durchschnitt der vergangenen zwei Jahre sei zudem die Forderung nach höheren Start- und Landeentgelten gerechtfertigt, sagte Schulte weiter. Auf der anderen Seite führe auch an einer Neuregelung bei den Bodenverkehrsdiensten kein Weg vorbei. Bei den ungefähr 5000 Beschäftigten dieses Geschäftsgebiets will Fraport durch das Aussetzen von Lohnerhöhungen Einsparungen erzielen.

          Mit den Betriebsräten sei er sich weitgehend einig, sagte Schulte, nun sei dies Angelegenheit der Tarifvertragsparteien. Schulte bestritt in diesem Zusammenhang, dass niedrigere Bezüge zu einer geringeren Motivation der Beschäftigten führen. In Tests schnitten zum Beispiel die niedriger entlohnten Beschäftigten der Fraport-Tochtergesellschaft Frasec, die einen Teil der Sicherheitskontrollen übernommen haben, genauso gut ab wie die Mitarbeiter der Stammbelegschaft, die den gleichen Tätigkeiten nachgingen.

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