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Neue Vinothek : Digitale Weinwelt im Rheingau

  • -Aktualisiert am

Marco Nicolay, Geschäftsleiter „Direct to Consumer“ bei Rotkäppchen-Mumm, im Ludwig von Kapff-Weinlager in Eltville Bild: Frank Röth

Im Rheingau gibt es Weingüter an fast jeder Straßenecke: Ausgerechnet in Hessens bedeutsamster Weinregion eröffnet Rotkäppchen-Mumm eine der modernsten Vinotheken Deutschlands.

          2 Min.

          Die italienfreundlichen Hamburger trinken gerne Barolo, die frankophilen Bremer stehen mehr auf einen Sancerre. Und die Rheingauer und Wiesbadener? Deren Vorlieben muss Marco Nikolay erst noch herausfinden. Manager Nikolay ist unter anderem für die jüngste Filiale des Bremer Weinhandelshauses Ludwig von Kapff verantwortlich, und die steht in Eltville.

          Oliver Bock
          (obo.), Rhein-Main-Zeitung

          Eine auf den ersten Blick ungewöhnliche Standortentscheidung, die allerdings viel mit der 2018 erfolgten Übernahme des schon 1804 gegründeten Weinimporteurs und Weinhändlers Eggers & Franke durch Rotkäppchen-Mumm zu tun hat. Deutschlands Sektmarktführer mit Sitz in Freyburg und Eltville hat sich mit dem Zukauf ein neues Geschäftsfeld erschlossen.

          Zu Eggers & Franke gehört auch Ludwig von Kapff. Ein von dem gleichnamigen Bremer Kaufmann gegründetes Weinhandelshaus, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1692 zurückreichen. Zehn „Weinlager“ genannte Verkaufsstätten gibt es bislang. Drei davon in Bremen und Bremerhaven, drei in Hamburg, die übrigen in Stade, Hannover, Zeven und Buxtehude. Und vermutlich wären die Manager von Ludwig von Kapff kaum auf die Idee gekommen, es mit einer hochmodernen Filiale auch in einer deutschen Weinregion zu versuchen.

          Schickes Interieur: Ludwig von Kapff-Weinlager in Eltville.
          Schickes Interieur: Ludwig von Kapff-Weinlager in Eltville. : Bild: Frank Röth

          Doch einerseits will Ludwig von Kapff expandieren, und andererseits fehlt Rotkäppchen-Mumm am wichtigen Betriebsstandort Eltville schon seit Jahren eine Anlaufstelle für den Endverbraucher. An seinem Stammsitz im sächsischen Freyburg hat Rotkäppchen-Mumm längst eine gut frequentierte Vinothek, in der das Sortiment verkostet und gekauft werden kann. Der Wiesbadener Konkurrent Henkell Freixenet hat sein Direktverkaufsangebot in der Landeshauptstadt zuletzt deutlich ausgebaut und gestärkt.

          In Eltville dagegen beschränkte sich der direkte Kundenkontakt von Rotkäppchen-Mumm auf Besuchergruppen und den jährlichen „Tag des Sektes“ im Mai, bei dem das Betriebsgelände für Verkostungen und Führungen geöffnet wird. Der Andrang war jedes Jahr aufs Neue ein Beleg für Rotkäppchen, sich vermehrt dem Endverbraucher zu öffnen.

          350 Weine aus aller Welt

          Doch Rotkäppchen-Mumm zögerte lange mit einer Entscheidung. Dann gab die Übernahme von Eggers & Franke in Verbindung mit dem notwendigen, drei Millionen Euro teuren Neubau eines Bürogebäudes am Matheus-Müller-Platz in Eltville offenbar den Ausschlag. Im Erdgeschoss unter den Büros breitet sich auf einer Fläche von 160 Quadratmetern nun das neue Ludwig-von-Kapff-Weinlager aus. „Es ist einer der modernsten Weinläden Europas“, sagt Nikolay.

          Von den norddeutschen Schwesterläden unterscheidet sich Eltville deutlich. Im Rheingau wurde mehr Geld für eine geschmackvolle Ausstattung in die Hand genommen. Natürlich gibt es auch das Rotkäppchen-Mumm-Sortiment, das eigentlich nur über den Lebensmitteleinzelhandel vertrieben wird. Und als „Zugeständnis an den Standort“, sagt Nikolay, sind in der von Filipe Costa geführten Vinothek auch 20 renommierte Rheingauer Weingüter mit ausgewählten Tropfen vertreten, die allesamt zum Weingutspreis verkauft werden.

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          Insgesamt sind 350 Weine aus aller Welt im Angebot, und fast alle werden – außerhalb von Zeiten der Corona-Pandemie – auf Wunsch auch zur Verkostung geöffnet. Die Philosophie von Ludwig von Kapff richtet sich vor allem an sogenannte Mainstreamer unter den Weinfreunden, weniger an die Freaks. Die Werbung verspricht dem Kunden Weingüter „vom Geheimtipp bis zum hochprämierten Spitzenbetrieb“.

          Auf seine Kosten kommt auch, wer in der digitalen Welt verwurzelt ist, denn Ludwig von Kapff testet hier die innovative Vernetzung des stationären Handels mit dem Online-Geschäft. Eine Flasche auf ein dunkles Brett gestellt, und schon startet das Video mit der fachkundigen Sommelière, die verkostet und die Besonderheiten dieses Weins erklärt. Die Preisschilder sind digital, alle Weine haben einen QR-Code, über den nähere Infos abgerufen und Bestellungen aufgegeben werden können. Zudem gibt es Barcode-Scanner, über die an Tablets Produktinfos abgerufen werden können. Und das sind nur einige der digitalen Präsentationstechniken der schönen neuen Weinwelt. Was in Eltville gut funktioniert, könnte bald in allen Weinlagern Schule machen.

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