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E-Commerce : Großer Aufwand für kleine Bestellungen

Handarbeit: Orkic Biljana an der neuen Sortieranlage im Internationalen Postzentrum am Frankfurt Flughafen Bild: Marina Pepaj

Kein Brief, kein Paket – Lieferungen der Internetversender passen oft in keine Kategorie. Das erforderte eine Großinvestition in das Internationale Postzentrum am Flughafen.

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          Was Internethändler der Kundschaft gern als Bekenntnis zur Abfallvermeidung verkaufen, ist für die Logistiker der Deutschen Post DHL Group eine teure Aufgabe: Unförmige Sendungen, die nur noch in leichten Plastiktüten verpackt werden und auf denen die Adresse irgendwo klebt, sind für die maschinellen Sortieranlagen ebenso wie für die Mitarbeiterinnen an den Fließbändern am schwersten zuzuordnen. Und selbst der neue sogenannte Sorter, der gerade im Internationalen Postzentrum am Flughafen offiziell in Betrieb ging, muss von jeder Sendung sechs Fotos aufnehmen. Erst dann kann die Software sicher feststellen, in welcher Region Deutschlands der Empfänger wohnt. Dabei vergehen allerdings gerade einmal zwei Sekunden, und Fehler macht die neue Technik viel seltener als alle ihre Vorgänger.

          Inga Janović

          Wirtschaftsredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Elf Millionen Euro hat der Konzern in die Sortieranlage investiert, um die immer vielfältigere Menge von Warensendungen, die auf dem Postweg ins Land kommen, innerhalb eines Tages weiterverteilen zu können. Denn auch wenn seit einiger Zeit nicht mehr jede Postkarte aus dem und ins Ausland eine Runde durch Frankfurt drehen muss: Pakete, Päckchen und Briefe werden nach wie vor zentral über die beiden Postzentren am Flughafen und in Rodgau verschickt. Die Rede ist von 1,4 Millionen Briefen und mehr als einer halbe Million Warensendungen täglich. Wobei immer mehr Lieferungen nicht mehr in die alten Kategorien passen: Ihr Format oder ihr Gewicht sprengt die Standardmaße der Briefe, liegt aber auch unter denen von Paketen.

          Einmalig in Europa

          Speziell für diese im Online-Handel weitverbreiteten „mittleren Größen“ habe die Post die neue Anlage gebaut, berichtete Tobias Meyer, der seit diesem Jahr im Konzern-Vorstand für den Post- und Paketversand in Deutschland zuständig ist. Die neue Maschine, die sich durch zwei Etagen des Gebäudes zieht und auf deren Förderbändern die Sendungen eine kilometerlange Reise machen könnten, sei in der Niederlassung selbst entwickelt worden und europaweit einmalig. 320.000 Bestellungen, die für deutsche Empfänger aus dem Ausland ankommen, könnten darüber jeden Tag sortiert werden. Am Ende der Strecke landeten sie entsprechend ihrer Postleitzahlen in knapp einen Kubikmeter großen Kartons, die dann in die Verteilzentren in den Bundesländern gefahren würden.

          Anders als bei der Anlage, die zuvor in der großen Halle neben dem Terminal 1 stand, macht die neue Maschine die meiste Arbeit allein. Nicht einmal ein Dutzend Mitarbeiter werden je Schicht gebraucht. Sie kommen zum Einsatz, wenn eine der Riesenkisten voll ist und weggefahren werden muss, wenn der Superscanner doch einmal nichts lesen kann. Und auch an der Eingabe, also dort, wo die Post auf die Anlage gekippt wird, arbeiten Menschen. Weil es ihren Händen deutlich besser gelingt, die eng aufeinander liegenden, teilweise geknickten Umschläge und Packungen einzeln auf die Sortierbahn zu schicken.

          „Es gibt dafür technische Lösungen, aber sie macht viel mehr Fehler als unsere Frauen“, lobt Martin Wolf, Leiter der beiden Internationalen Postzentren. Trotzdem sei nicht auszuschließen, dass auch diese Arbeit dereinst von Robotern übernommen werde. Es bliebe der Post gar nichts anderes übrig, als sich stetig zu modernisieren, auch wenn dabei Stellen wegfielen. „Das wissen alle hier, ich sage es auch deutlich“, sagt Martin. Er könne sich die offenen Worte leisten, denn betriebsbedingte Kündigungen habe er auch im Zuge dieses großen Umbaus nicht aussprechen müssen. Die Deutschen bestellten so fleißig aus aller Welt, dass die Arbeit eher mehr als weniger werde.

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