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Neue Lesegeräte : E-Books besser später lesen

Auf der Buchmesse präsentiert: der Reader Touch Edition von Sony Bild: dpa

Sie sind leicht, handlich und haben Platz für Hunderte von elektronischen Büchern. Der Markt für Geräte, mit denen E-Books gelesen werden, steht aber erst am Anfang. Verbraucher sollten daher noch warten.

          Eine Revolution sieht anders aus. Gerade einmal ein Sony-Lesegerät hat Saturn im neuen Einkaufszentrum an der Zeil im Angebot. Ausprobieren kann es der Kunde nicht, denn der Akku ist leer. Enttäuschend auch der Besuch der Buchhandlung Hugendubel in Frankfurt, die im Internet das Thema E-Book offensiv bewirbt. Auch hier gibt es nur ein Gerät, das gängige Sony-Modell PRS 505 mit Platz für rund 160 Bücher. Immerhin hat es Strom.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Eigentlich sollte zur Buchmesse das Sony-Nachfolgemodell, die Touch-Edition PRS 600, im Laden stehen so wie die Lesegeräte einiger anderer Hersteller. Doch der Ständer, der dafür im Untergeschoss vorgesehen ist, ist am Mittwoch, dem ersten Tag der Frankfurter Buchmesse, noch leer - und man hat nicht gerade den Eindruck, dass die Buchhändler bei Hugendubel diese Panne groß bedauern. Einer bringt es so auf den Punkt: „Wir sind Buchhändler. Jetzt sollen wir uns mit Technik befassen.“

          Sie werden es wohl oder übel tun müssen. Hugendubel hat schon 30.000 Titel elektronisch eingestellt. Die Buchhandlung Thalia ebenfalls „einige tausend“, und kein Problem ist es, aktuelle Bücher in der elektronischen Version zu kaufen. So ist etwa auch der jüngste Roman der diesjährigen Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller für 16,90 Euro „sofort als Download lieferbar“, wie es bei Thalia heißt. Das sind zwei Euro weniger, als das gedruckte Buch kostet. Im Durchschnitt liegen die Preise rund 20 Prozent unterhalb der Preise gedruckter Bücher.

          F.A.Z. auf Kindle zu lesen

          Für Unruhe sorgt Google seit längerem im Büchermarkt. Der Suchmaschinen-Betreiber will das gedruckte Wort weltweit digitalisieren und hat angekündigt, Bücher von Universitäten und Bibliotheken Lesern demnächst online ohne Gebühr zugänglich zu machen. Und jetzt kommt auch Amazon mit einem Lesegerät auf den deutschen Markt, wenngleich über den etwas abenteuerlichen Bestell-Umweg Amerika. Knapp 300.000 E-Books bietet der Internet-Händler an, bisher allerdings nur in englischer Sprache.

          Zu den deutschsprachigen Inhalten, die Leser bei Amazon für den Kindle kaufen können, gehören die elektronischen Ausgaben einiger Zeitungen. Auch die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ können Leser mit dem Kindle an entlegenen Urlaubsorten lesen.

          Kindle ist im Unterschied zu den Geräten von Sony und anderen Herstellern ein geschlossenes System. Das heißt, E-Books, die Kunden bei Amazon kaufen, können sie nur mit dem Kindle lesen, weil nur auf diese das Amazon-eigene AZW-Format funktioniert. Der Buchhandel favorisiert dagegen das E-Pub-Format, das mit verschiedenen Lesegeräten kompatibel ist. Mit spezieller Software und persönlichen Zugangsdaten können E-Books mit Kopierschutz und E-Pub-Einheitsformat auf mehreren Computern gelesen werden - insgesamt sind sechs Kopien möglich.

          Versandgebühren und Zoll

          Der Kindle ist in den Vereinigten Staaten bereits seit zwei Jahren auf dem Markt. Kunden in Deutschland können den Reader für 279 Dollar (rund 190 Euro) nur über die amerikanische Internetseite des Unternehmens bestellen. Hinzu kommen noch Versandgebühren und Zoll, womit sich der Endpreis nach Testkäufen anderer Medien auf rund 250 Euro beläuft. Die Preise für die meisten neueren Geräte liegen zwischen 240 und 300 Euro. Vom 19. Oktober an sollen Kindles aus Amerika verschickt werden.

          Sony und Amazon sind die Hauptkonkurrenten auf dem E-Book-Markt. Der japanische Elektronikkonzern bringt in Kürze den zweiten Reader, den Sony PRS 600, in Deutschland heraus. In Internetshops der Buchbranche kann man das Lesegerät, das über einen berührungsempfindlichen Bildschirm zu bedienen ist und auch Markierungen und Notizen auf dem Bildschirm möglich macht, online vorbestellen. Der Preis: 299 Euro. So viel hat anfangs das Sony-Vorgängermodell gekostet. Bei Saturn kostet dieses inzwischen noch 249 Euro, im Mediamarkt nur noch 199 Euro. Das ist auch der Preis, den Hugendubel und Thalia dafür im Internet verlangen. Zuwarten lohnt sich also auch in finanzieller Hinsicht. Hinzu kommt, dass auf der Buchmesse andere interessante E-Book-Geräte vorgestellt werden.

          Computer zum Herunterladen nötig

          Hoch gehandelt wird in der Branche etwa das Lesegerät Txtr-Reader des Berliner Startup-Unternehmens Wizpac. Dieser kann mit Wireless Lan oder per Mobilfunk (UMTS) mit neuem Lesestoff versorgt werden. Über Mobilfunk funktioniert - ohne zusätzliche Kosten - auch der E-Book-Kauf bei Amazon. Der Sony-Reader braucht zum Herunterladen einen Computer.

          Die Stiftung Warentest hat bisher keinen umfassenden Test von E-Book-Readern vorgelegt, allenfalls einzelne Lesegeräte einem Schnelltest unterzogen. So etwa vor einem Jahr das Lesegerät iLiad von iRex (649 Euro). Das Lesegerät biete gestochen scharfe Schwarzweißbilder mit gut lesbaren Texten, sei aber teuer und in der Handhabung nicht perfekt. Fazit der Tester: Verbraucher sollten besser noch warten, bis die Technik reifer und günstiger geworden ist.

          Über Akkulaufzeiten müssen sich E-Book-Reader im Übrigen keine Gedanken machen. Strom kostet nur das „Umblättern“, und dieser reicht beim Sony-Akku PRS 505 für knapp 7000 Seitenumschläge oder zwölf Romane mit durchschnittlicher Länge. Das dürfte für einen Faulenzer-Urlaub am Pool genügen.

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