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Neue Landebahn : Sechs Flüge mehr im ersten Schritt

Bald wird hier gelandet: Die neue Bahn des Frankfurt Flughafens. Bild: dapd

Die neue Landebahn erhöht die Kapazität des Frankfurter Flughafens in Stufen, die bekannten Werte sind nun offiziell.

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          Von Ende Oktober an, wenn die neue Landebahn in Betrieb ist, werden am Frankfurter Flughafen rund sieben Prozent mehr Maschinen starten und landen. Das Bundesverkehrsministerium hat für den Winterflugplan den sogenannten Koordinierungseckwert, das heißt die Zahl der durchschnittlich möglichen Flugbewegungen je Stunde, von derzeit maximal 84 auf 90 erhöht.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Tritt die dem Ausbau des Flughafens zugrunde liegende Prognose zur Entwicklung des Luftverkehrs ein und steigt die Zahl der Starts und Landungen bis 2020 von derzeit 500.000 auf 700.000 im Jahr an, müsste der Eckwert für Frankfurt auf 126 angehoben werden, um den Betrieb bewältigen zu können. Entsprechende Werte hatte der Flughafenbetreiber Fraport AG schon mehrfach genannt. Gestern bestätigte das hessische Verkehrs- und Wirtschaftsministerium, das der Stufenplan nun gilt.

          Limitiert wird die Kapazität in Frankfurt auf absehbare Zeit vor allem am Boden

          Demnach sind in der Zeit zwischen 6 und 22 Uhr 90 Flugbewegungen je Stunde sowie maximal 150 Flugbewegungen im Jahresschnitt in der Zeit von 22 bis 6 Uhr. Dabei sollen in der sogenannten Mediationsnacht in der Zeit von 23 bis 5 Uhr früh nicht mehr als 17 Flugbewegungen stattfinden, wie es der betreffende Planfeststellungsbeschluss vorsieht. Der erste Schritt hin zu der erwarteten langfristigen Kapazitätserweiterung ist ein Kompromiss nach schwierigen Verhandlungen zwischen Luftverkehrsbranche und Behörden. Die Nachfrage der Fluggesellschaften nach Zeitfenstern für Starts und Landungen, den Slots, wird damit aber nicht befriedigt sein. Sie liegt nach Informationen dieser Zeitung nach der Anhebung noch fast zwanzig Prozent höher. Das rührt vor allem daher, dass Fluggesellschaften nicht irgendwann am Tag oder in der Nacht in Frankfurt starten oder landen wollen, sondern viele in etwa zur selben Zeit.

          Limitiert wird die Kapazität in Frankfurt auf absehbare Zeit vor allem am Boden. Der Flughafenbetreiber, die Fraport AG, weist darauf hin, dass noch die entsprechende Zahl an Abstellplätzen für Flugzeuge fehlten und daher die Ausweitung des Flugverkehrs sehr ambitioniert sei. Der erste Abschnitt des dritten Passagier-Terminals soll 2016 oder 2017 fertiggestellt sein.

          Wahrscheinlich Klagen gegen die neuen Routen

          Gegen einen vorsichtigeren ersten Schritt zur Erweiterung des Betriebs hatten jedoch die Ministerien in Berlin und Wiesbaden vor allem Bedenken wegen möglicher Verstöße gegen das rigide Wettbewerbsrecht der EU geltend gemacht. Brüssel könnte an dem auf mittlere Sicht größten europäischen Flughafen eine Bevorzugung der deutschen Fluggesellschaften, vor allem der Lufthansa, argwöhnen, falls das Angebot der Slots weiter deutlich gegenüber der Nachfrage vor allem ausländischer Airlines zurück bleibe, lautet die Sorge. Noch nicht festgelegt ist, wie sich die An- und Abflugrouten nach Inbetriebnahme der Landebahn Nordwest ändern werden.

          Voraussichtlich im Sommer wird das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung entscheiden. Vieles deutet darauf hin, dass es dem Kompromiss folgt, den Deutsche Flugsicherung und Fluglärmkommission hinsichtlich der „Südumfliegung“ gefunden hatten. Um Kollisionen für den Fall zu verhindern, dass Maschinen auf der neuen Landebahn durchstarten müssen, werden Flüge Richtung Norden künftig in einer weiträumigen Schleife zunächst bis über Rheinhessen geführt.

          Mit großer Wahrscheinlichkeit werden Anwohner und Kommunen gegen die geplanten neuen Routen klagen. Dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof liegen schon jetzt die Einsprüche von sieben Kommunen gegen Änderungen der Routen vor, die zum Paket des sogenannten aktiven Schallschutzes gehören und das eigentlich in der Region die Belastung durch Fluglärm reduzieren soll. Wie die Erfahrung zeigt, sind solche Gerichtsverfahren sehr langwierig. Bis zum letztinstanzlichen Urteil, das frühestens in zwei Jahren zu erwarten wäre, bleiben die Regelungen jedoch in Kraft.

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