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Neue Filialen in Rhein-Main : Drogeriemarktkette dm wächst trotz Krise kräftig

Glänzt regelmäßig mit zweistelligen Zuwachsraten: dm Drogerie, hier die Filiale Kaiserstraße 75 in Frankfurt Bild: Florian Sonntag

Die Drogeriemarktkette dm hat das gerade abgelaufene Geschäftsjahr mit einem zweistelligem Umsatzplus abgeschlossen. Die Karlsruher wollen das Filialnetz weiter ausbauen – auch in Rhein-Main.

          Für mindestens 50 Filialen der Drogeriemarktkette dm besteht in Hessen noch Bedarf, wie Marco Mescoli meint. Der Mann sollte es wissen, denn er ist in dem Karlsruher Konzern nicht nur für die Finanzen verantwortlich, sondern auch für die Geschäfte in Hessen. Die Karlsruher haben allerdings sehr genaue Vorstellungen über den Standort und die Größe der Ladenlokale. Deshalb gibt es auch keinen genauen Zeitplan für die Expansion. „Oft entscheiden nur wenige Meter über Erfolg oder Misserfolg eines Standorts“, sagt Mescoli. Deshalb wähle dm besonders behutsam aus.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Hundert Dependancen gibt es in Hessen schon heute, 17 davon alleine in Frankfurt. Im gerade abgelaufenen Geschäftsjahr haben die Filialen in der Mainmetropole mit ihren 252 Mitarbeitern 51 Millionen Euro zum Konzernumsatz von 5,21 Milliarden beigesteuert, der im Vorjahresvergleich um 11,6 Prozent zugelegt hat. Die Frankfurter Filialen lagen mit einer Steigerungsrate von 15,63 Prozent sogar noch deutlich über dem schon stattlichen Konzernschnitt. In ganz Hessen setzte dm 314 Millionen Euro um – 15,86 Prozent mehr als im Geschäftsjahr 2007/2008. Der Umsatz in Deutschland betrug den Angaben zufolge zuletzt 3,74 Milliarden Euro, was ein Wachstum im Vorjahresvergleich von 11,5 Prozent bedeutet. Die Zahl der Mitarbeiter wuchs 2008/2009 um mehr als 2000 auf 21.417.

          Erfolg kein Ruhekissen

          Das Auslandsgeschäft, das von einer Tochter in Österreich aus gesteuert wird, schlug mit einem Umsatz von 1,46 Milliarden Euro zu Buche und lag damit um 11,7 Prozent über dem Vorjahresniveau. Finanzgeschäftsführer Mescoli kann demnach über den Verlauf des gerade beendeten Geschäftsjahres nicht klagen. Zumal diese Steigerungen in Zeiten der Wirtschaftskrise, der Kaufzurückhaltung und zudem von hohem Niveau aus gelungen ist. Denn auch in den vorherigen Geschäftsjahren standen am Ende zweistellige Zuwachsraten beim Konzernumsatz, zuletzt zweimal hintereinander in Höhe von 12,4 Prozent. Dass sich ein solches Umsatzwachstum gerade in der Drogeriemarktbranche auch für den Marktführer nicht von selbst einstellt, musste dm-Konkurrent Schlecker 2008 erleben. Die Nummer eins der Branche erzielte mit seinen mehr als 10 000 Märkten in Deutschland lediglich 5,12 Milliarden Euro Umsatz, was nach Schätzungen der Frankfurter Marktforscher von Trade Dimensions ein Minus von gut fünf Prozent bedeutete.

          Die Nummer drei der Drogeriemarktketten, Rossmann, konnte 2008 dagegen den Umsatz der 1500 Märkte um 6,2 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro steigern. Das ist zwar auch noch ein deutlicher Abstand zu dm, gleichwohl wäre ein Ausruhen auf dem Erreichten auch für das wachstumsstärkste Unternehmen des Spitzentrios verhängnisvoll in diesem so hart umkämpften Markt.

          Neue Filialen in Frankfurt geplant

          Und so kreisen die Überlegungen, trotz aller Behutsamkeit, auch bei dm schon stetig um die Frage, wo die nächste Filiale entstehen soll. Das ist für die neuen Märkte in Frankfurt inzwischen schon entschieden: Ende November wird ein weiterer Markt an der Leipziger Straße eröffnet, Mitte 2010 soll dm zudem mit einer Filiale an der Königssteiner Straße in Höchst vertreten sein. In der Frankfurter Innenstadt kam zuletzt der Markt im Einkaufszentrum „Myzeil“ hinzu. Im neuen Center „Loop 5“ in Weiterstadt wollten die Karlsruher ebenfalls von Beginn an dabei sein.

          Mescoli legt im Gespräch großen Wert darauf, zu erläutern, dass sein Haus die Erfolge nicht etwa auf dem Rücken, sondern mit Hilfe seiner pfleglich behandelten Beschäftigten erwirtschafte. Er weiß wohl, dass gerade dieser Punkt einer der Gründe ist, weshalb Umfragen zufolge sein Haus bei Kunden einen so guten und Schlecker einen so schlechten Ruf hat. Beispielsweise komme für dm nicht in Frage, das Lohngefüge mit Hilfe von Leiharbeitern zu senken. Von Schlecker ist bekannt, dass das Haus auch auf Zeitarbeiter zurück greift, deren Löhne deutlich unter denen des Einzelhandels-Tarifvertrages liegen.

          Einkaufsgutscheine als Boni

          Dass auch dm genau auf die Kosten schaut, bestreitet Mescoli nicht. Aber die Karlsruher haben schon früh erkannt, dass es sich auszahlt, wenn sich Kunden wohlfühlen beim Einkaufen. Und das, da ist sich Mescoli sicher, erreicht man nicht alleine mit günstigen Preisen, sondern es sind auch zufriedene Mitarbeiter nötig, die freundlich auf Kunden eingehen.

          Und so ist, was die Bezahlung betrifft, bei dm der Einzelhandelstariflohn die Untergrenze. Darüber hinaus legt das Unternehmen im Verlauf und am Ende des Jahres jeweils noch etwas drauf. Die Höhe der Sonderzahlungen richten sich nach dem Geschäftserfolg. Unterschiede nach Hierarchie gibt es dabei nicht, jeder bekommt den gleichen Betrag. Lediglich zwischen Voll- und Teilzeitkräften wird unterschieden. Am Ende des abgelaufenen Geschäftsjahres schütteten die Karlsruher 3,5 Millionen Euro extra an die Mitarbeiter von dm Deutschland aus – in Form von Einkaufsgutscheinen.

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