https://www.faz.net/-gzg-9bmyn

Kleine Firmen und Datenschutz : Lieber offline als abgemahnt

Musterbeispiel: Nach Rücksprache mit der IHK Offenbach ergänzte Einzelunternehmer Elsner seine Homepage um diesen Hinweis - und stellt sie wieder live Bild: Screenshot

Die neuen Datenschutzregeln bereiten vor allem kleinen Unternehmen Sorgen. Aber es gibt Auswege aus der DSGVO-Falle. Ein Einzelunternehmer erzählt.

          Seit gut zwei Jahren verdient Andreas Elsner sein Geld als Einzelunternehmer. Da muss er sich vor allem um seine Kunden und um neue Aufträge kümmern. Aus diesem Grund hat der junge Offenbacher die neue Datenschutzgrundverordnung anfangs „nicht auf dem Schirm“ gehabt. Er, der Neubauvorhaben für Architekten und Bauträger per 3D-Visualisierung ins rechte Bild setzt, hat die Angelegenheit auch nicht ganz so ernst genommen, wie er sagt. Nach dem Motto: Vorher ging es doch auch ohne. Zumal naturgemäß für ihn eben sein Geschäft im Vordergrund steht. „In meinem Handwerk bin ich Experte“ – aber beim Drumherum wie dem Datenschutz geht es Elsner wie anderen Unternehmern: Da kennt er sich längst nicht so gut aus. Und er gibt zu bedenken: „Große Firmen haben dafür ihre Fachleute, ich muss alles allein machen.“

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          So blieb die neue Verordnung für ihn im Hintergrund, bis er Berichte las über eine regelrechte Abmahnwelle andernorts in Deutschland. Gewerbetreibende, deren Internetseite nicht den neuen Vorschriften entsprach, wurden von Rechtsanwälten mit Mahngebühren in Höhe von einigen tausend Euro wegen wettbewerbswidrigen Verhaltens bedroht, wie er sich erinnert. Plötzlich wurden ihm die möglichen Konsequenzen bewusst. Und: „Da ging die Panik los.“

          „Wir bauen um“

          Als Folge schaltete er seine Internetseite www.pixogon.de zwischenzeitlich ab und ließ die Besucher wissen: „Wir bauen um.“ Sein Kalkül: Solange die Seite nicht den Vorgaben gerecht werde, sei er lieber offline. Die unangenehmen Nebenwirkungen, dass nämlich Kunden ihn nicht finden könnten oder die Frage aufkomme, ob er nicht mehr am Markt sei, die seien ihm bewusst gewesen, hebt er hervor. Aber: „Wenn man das zwei Wochen lang macht, ist das auch nicht so gut.“

          Der Unternehmer wandte sich deshalb an die Industrie- und Handelskammer in Offenbach und fand Hilfe. Gemeinsam mit einem IHK-Vertreter sei er am Telefon die Datenschutzgrundverordnung schrittweise durchgegangen. Er habe sich mit einem sogenannten Generator-Tool im Internet, das Gewerbetreibenden zur Verfügung stehe, dann die notwendigen Informationen für seine Internetseite zusammengestellt. Nachdem die IHK den neuen Auftritt geprüft hatte, ging die Seite wieder online, wie Elsner sagt.

          Hat ihm die Abwesenheit im Internet geschadet? Weniger Anrufe habe er deshalb nicht erhalten, meint er. „Allerdings läuft bei mir geschäftlich sowieso sehr viel über Empfehlungen.“

          Elsner ist längst nicht der einzige Gewerbetreibende in der Region, dem die neue Rechtslage einige Sorgen bereitet hat. Schon im Laufe des Jahres haben sich reihenweise hilfesuchende Betriebe an die IHK Frankfurt gewandt, wie die dortige Datenschutzbeauftragte Simone Bettelmann berichtet. Mitte Mai, rund um das Inkrafttreten der Verordnung, sei die Nachfrageflut richtig angeschwollen. „Wir hatten 20 bis 40 Gesuche und Gespräche am Tag.“

          Verunsicherung groß

          Auch die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände hat zuletzt viele Mittelständler geschult. Franz-Josef Rose, bei dem Verband für Rechtsfragen zuständig, hat eigens einen 50 Seiten umfassenden Vortrag an vielen Orten in Hessen gehalten. Sein Rat an Firmen: Sie müssten einen klaren Datenschutzhinweis auf der Internetseite zeigen und einen Datenschutzbeauftragten nennen.

          Markus Weinbrenner, Hauptgeschäftsführer der IHK Offenbach, weiß: „Trotz vieler Schulungsangebote, auch von den Kammern, ist die Verunsicherung durch die Datenschutzgrundverordnung in den Unternehmen groß.“ Die Angst vor Abmahnungen verdeutliche: Der Gesetzgeber müsse endlich tätig werden, um dem seit Jahren beobachteten „Abmahnmissbrauch“ zu begegnen. „Dabei wäre etwa ein erster kostenfreier Hinweis an das betroffene Unternehmen denkbar, der vor einer kostenpflichtigen Abmahnung erfolgen muss. Zudem könnte man die Kosten der Abmahnung im Bereich Datenschutz deckeln“, meint der Hauptgeschäftsführer.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Müssen sie bald zum Hautarzt? Bauarbeiter in einer S-Bahn Baustelle in Frankfurt

          Arbeitnehmerschutz : Baustopp droht wegen zu viel Sonne

          Bis zu 2,4 Millionen Beschäftigte, die im Freien arbeiten, müssen womöglich kurzfristig zur Vorsorge zum Hautarzt. Das hätte ernste Folgen fürs Handwerk und den Baubetrieb.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.