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Neue Billig-Airline geplant : Lufthansa versucht es mit Low Cost und Luxus

Low Cost lautet die Losung bei Lufthansa: Die Billigtochter Germanwings (Jet in der Mitte) bekommt wohl eine Billigschwester für den Interkontinentalverkehr. Bild: dpa

Lufthansa-Chef Spohr kündigt eine Billigfluglinie für den Interkontinentalverkehr an. Gleichzeitig soll die Lufthansa weiter sparen. Das geplante Fracht-Zentrum am Frankfurter Flughafen steht aber nicht zur Disposition.

          Die gute Nachricht für die Lufthanseaten an der Frankfurter Heimatbasis des Konzerns: Die Zukunftsstrategie, die Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Mittwoch in Seeheim vorgestellt hat, geht, was den Spardruck betrifft, nicht über das schon laufende Kostensenkungsprogramm Score hinaus. Es bleibt bei rund 3500 Stellen, die in der Verwaltung wegfallen sollen oder schon weggefallen sind. Und es gibt keine Abstriche an dem geplanten Frachtumschlagzentrum am Frankfurter Flughafen. Unruhe dürfte aber bei manchem Lufthanseaten die von Spohr präsentierte strategische Neuausrichtung erzeugen. Denn die setzt unter dem Arbeitstitel „Wings-Konzept“ auf mehr Low Cost, künftig in ganz Europa und wohl auch auf der interkontinentalen Langstrecke. Unter der Marke Lufthansa soll das Nobel-Image gepflegt werden.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Schon 2015 sollen Flugzeuge der Tochtergesellschaft Eurowings von Basel aus Ziele in Europa ansteuern. Die Tochter Germanwings übernimmt schon seit gut einem Jahr sukzessive die Verbindungen in Deutschland und Europa abseits der Drehkreuze Frankfurt und München. Ihre Kosten liegen rund ein Fünftel unter denen der Lufthansa-Passage.

          Neue Billig-Airline für Interkontinentalflüge

          Für den Billig-Interkontinentalverkehr ist an eine Airline gedacht, die ihren Sitz nicht in Deutschland haben soll. Low-Cost-Fluglinien brauchen auch beim Personal eine Low-Cost-Struktur. Die lässt sich abseits der deutschen Tarifverträge leichter durchsetzen. Einen Namen gibt es für die interkontinentale Billigfluggesellschaft noch nicht. Ob man sie allein oder etwa mit Turkish Airlines betreiben werde, sei noch offen, sagte Spohr. Er könne sich aber eine weitere Zusammenarbeit mit der teilstaatlichen Fluggesellschaft aus der Türkei gut vorstellen. Bei der gemeinsamen Tochter Sun-Express, deren deutsche Dependance ihren Sitz in Frankfurt hat, funktioniere die Kooperation sehr gut. Dabei sei es kein Hinderungsgrund, dass Lufthansa und Turkish Airlines zugleich Konkurrenten seien.

          Dass die Billigfluggesellschaften vom Schlage der irischen Ryanair und der britischen Easyjet einmal zu einer ernsthaften Konkurrenz werden könnte, mochte man bei der Lufthansa lange nicht so recht wahrhaben. Als mögliche Gefahr erkannt hatte man sie aber irgendwie schon vor zwölf Jahren. Damals entstand die Germanwings als Billigtochter der Lufthansa. Das war noch zu Zeiten, als Jürgen Weber Vorstandschef der Kranichlinie war, ein Jahr, bevor Wolfgang Mayrhuber 2003 das Ruder übernahm. Aber schon damals galt das manchen Luftverkehrsexperten als halbherziger Schritt.

          Cateringtochter stand immer wieder in Frage

          Tatsächlich dauerte es noch einmal rund zehn Jahre, bis die Lufthansa dann Germanwings so beherzt an den Start brachte, dass sie zur ernsthaften Konkurrenz der anderen Billigflieger werden konnte. Immer wieder gab es bei der Lufthansa in den vergangenen Jahren zudem Überlegungen, sich von der Cateringtochter LSG Sky Chefs mit Sitz in Neu-Isenburg ganz oder in Teilen zu trennen. Der Aviation-Konzern solle sich auf sein Kerngeschäft konzentrieren, lautete das zentrale Argument. Spohr sagte am Mittwoch, dass solche Überlegungen nicht zur neuen Strategie gehörten. Die Sky Chefs behaupteten sich als Weltmarktführer.

          Mit einem Marktanteil von weltweit 30 Prozent profitiere Lufthansa über die Cateringtochter selbst dann, wenn die Konkurrenz neue Jets auf die Strecke schicke, weil das Catering von der Lufthansa-Tochter komme. Ähnlich verhalte es sich bei der Lufthansa Technik, die weltweit einen Marktanteil von zehn Prozent habe.

          Anders sieht es bei der IT-Tochter Lufthansa Systems aus. Nach deren Aufspaltung in drei Gesellschaften Airline Solutions, Industry Solutions und Infrastructure soll der letztgenannte Teil, worunter die Rechnenzentren zu verstehen sind, verkauft werden. Von dem Verkauf der ebenfalls als profitabel geltenden Infrastruktursparte wären 1400 Kräfte betroffen, die vor allem in Kelsterbach arbeiten.

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