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Nestlé : Von Frankfurt nach Vevey

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Mit der Verkleidung der Kronberger Burg als Maggi-Flasche ruft sich Nestlé in der Rhein-Main-Region in Erinnerung. Dabei liegen die Wurzeln des größten Lebensmittelkonzerns der Welt in Frankfurt. Und er unterhält in Rhein-Main mehr als nur seine Deutschland-Zentrale.

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          Nestlé in Rhein-Main? Selten ist davon die Rede. Lange her sind die Zeiten, als etwa die Vorstandsvorsitzenden der Deutschlandtochter Teil der Frankfurter Gesellschaft waren. Bei Helmut Maucher, der von 1975 an Nestlé Deutschland leitete und 1980 sogar in der Schweiz zum Konzernchef aufstieg, war es noch so. Inzwischen zum Ehrenpräsidenten des Verwaltungsrats der schweizerischen Nestlé SA geadelt, steht der Dreiundachtzigjährige aus Frankfurter Sicht noch heute mehr als jeder andere für den Konzern. Seine häufig wechselnden Nachfolger wurden in der Mainmetropole weitaus weniger wahrgenommen. Gerhard Berssenbrügge, der seit 2007 dem Vorstand der Nestlé Deutschland AG vorsitzt, lässt sich zumindest hin und wieder sehen, etwa bei der Gala des Marketing-Clubs.

          Derzeit aber zeigt sich Nestlé einmal mit aller Macht in Rhein-Main. Seit kurzem ist der Turm der Kronberger Burg von einem Baugerüst verhüllt, das an jeder Seite Maggi-Flaschen zeigt, aus unterschiedlichen Epochen. In der Burg selbst erinnert eine kleine Ausstellung an die hundertfünfundzwanzigjährige Geschichte der salzigen Würze und ihrer Wahrnehmung; selbst ein Beuys-Kunstwerk ist zu sehen. Maggi zählt, wie 40 andere Marken auch, zum Nestlé-Reich in Deutschland.

          Kindermehl als Erfindung seines Lebens

          Das Jubiläum hätte ein Anlass sein können, die reichhaltigen Verflechtungen zwischen Nestlé und dem Rhein-Main-Gebiet aufzuzeigen. Denn die Geschichte des heute im schweizerischen Vevey beheimateten Konzerns begann einst in Frankfurt: Dort wurde 1914 der Unternehmensgründer Heinrich Nestle geboren, der sich später Henri Nestlé nannte. Vielleicht wäre die Stadt am Main heute Sitz des Weltkonzerns, der seinen Namen trägt, doch blieb der Sohn eines Glasermeisters auf seinen Lehr- und Wanderjahren eben in Vevey hängen, wo er sich zunächst mit der Produktion von Alkoholika und Ölen durchschlug. 1860 kehrte er noch einmal in seine Geburtstadt zurück, um hier zu heiraten, die Tochter eines Arztes.

          Die „größe Maggi-Flasche der Welt”: der verhüllte Burgfried von Kronberg
          Die „größe Maggi-Flasche der Welt”: der verhüllte Burgfried von Kronberg : Bild: Cornelia Sick

          Sieben Jahre später und wieder zurück in der Schweiz machte Henri Nestlé die Erfindung seines Lebens – eine Säuglingsnahrung aus Milch, Brot und Zucker für Babys, die nicht gestillt werden konnten, wenig respektvoll Kindermehl genannt. Frankfurt war der erste Ort außerhalb der Schweiz, in dem das Pulver vertrieben wurde, doch das war nur der Anfang. Binnen weniger Jahre war es in 18 Ländern auf dem Markt.

          Den gewaltigen Aufstieg seines Unternehmens, das er schon 1875 an einer seiner Lieferanten verkauft hatte, erlebte Nestlé nicht mehr. Er starb 1890. Zu den Etappen zählen die Entwicklung von Nescafé 1938 und das Zusammengehen mit Maggi 1947, auch dies eine schweizerisch-deutsche Erfolgsgeschichte.

          3,5 Milliarden Euro Umsatz in Deutschland

          2010 erzielte Nestlé weltweit einen Umsatz von 83,8 Milliarden Euro, davon 3,5 Milliarden in Deutschland, wo allein 12.700 Mitarbeiter gezählt werden. Weniger noch als bei Ferrero, dem anderen großen Lebensmittelkonzern in Frankfurt, ist den meisten Konsumenten bewusst, welche Produkte zum Umsatz betragen; bei Nestlé sind es außer Maggi und Nescafé etwa Alete-Babynahrung, Buitoni-Nudeln, Herta-Wurst, die Schokoriegel Lion und Nuts, Schöller-Eis, Vittel-Wasser und Wagner-Pizza.

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