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Frankfurt : Neues Leben nach Neckermann

Neckermann machte es möglich: Auf dem alten Gelände des insolventen Versandhändlers haben sich inzwischen 140 Firmen niedergelassen. Bild: Hedwig, Victor

Vor fünf Jahren ist der Versandhändler Neckermann in die Insolvenz gerutscht, das Gelände im Frankfurter Osten wirkt verwaist. Doch der Schein trügt.

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          Neckermann, 1948 in der Mainzer Landstraße in Frankfurt gegründet, war einst Europas führender Versandhandel. Schon seit den Sechzigern hatte das Unternehmen immer wieder Umsatzkrisen erlebt, es folgten Fusionen, Übernahmen, Massenentlassungen, erneute Übernahmen und die nächsten Eigentümer. Jedes Mal schien Neckermann gerettet werden zu können. Bis zum 18. Juli 2012. Obwohl sich Geschäftsführung und Arbeitnehmervertreter nach wochenlangen Verhandlungen auf den Abbau von fast 1400 Arbeitsplätze geeinigt hatten, winkte der letzte Eigentümer Sun Capital Partners ab. Neckermann musste in die Insolvenz, rund 3000 Mitarbeiter in Frankfurt und Ostdeutschland standen vor dem Aus. Schon am Tag danach übernahmen die Frankfurter Rechtsanwälte Michael Frege und Joachim Kühne von der Kanzlei CMS Hasche Sigle das Ruder bei dem Traditionshaus an der Hanauer Landstraße. Ein Vierteljahr darauf begannen sie mit der Abwicklung von Neckermann.de, wie sich der Versandhändler damals nannte, und der Logistiktochter.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Fünf Jahre danach ist das Insolvenzverfahren noch nicht beendet. Kühne hat aber durchaus Gutes zu berichten – und nicht nur er. Gut 70 Prozent der ehemaligen Mitarbeiter des Versandhändlers haben nach Kühnes Einschätzung mittlerweile eine neue Stelle gefunden, manche schon bald nach dem Insolvenzantrag. Dazu gehören die etwa 80 Angestellten der Firma Happy Size. Die frühere Neckermann-Tochtergesellschaft ist ein auf Übergrößen spezialisierter Textil-Onlinehändler und nahtlos im Geschäft geblieben: Die Insolvenzverwalter hatten Happy Size schon im September 2012 an die Klingel-Gruppe verkauft. Der Händler sitzt nach wie vor an der Hanauer Landstraße, wenn auch nicht mehr in der alten Neckermann-Zentrale. Wo früher Pakete mit dem roten Namenszug des Versenders das Haus verließen, schreibt das Bremer Logistikunternehmen BLG an einer Erfolgsgeschichte (siehe untenstehender Artikel). Es ist der mit Abstand größte Kunde des Eigentümers des Areals, der OSWE Real Estate GmbH.

          Die Marke Neckermann lebt im Internet weiter

          Die Marke Neckermann.de ging an den Hamburger Versandriesen Otto über und im Februar 2013 unter neuer Führung wieder online. Die Hanseaten sind „nach wie vor sehr zufrieden“ mit Neckermann.de, wie eine Sprecherin sagt. Die Marke zähle bei Otto zu einem von acht Spezialshops im Internet, die nicht den Namen der Konzernmutter trügen. Sie habe schon im ersten Halbjahr nach dem Neustart für Umsätze über Plan gesorgt – „und das setzt sich so fort“. Die Erlöse von Neckermann.de beziffert Otto aber ebenso wenig die Zahl der Kunden. Wie die Sprecherin hervorhebt, zählt die Marke zu den erfolgreichsten der acht Spezialshops. Demnach kaufen dort auch und gerade Stammkunden ein, die bei Neckermann schon zu Frankfurter Zeiten bestellt haben. Doch gewinne die Marke auch neue Kunden. Die acht Webshops haben nach ihren Worten im vergangenen Jahr 166 Millionen Euro erlöst und 200.000 Neukunden gewonnen.

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