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Naspa weitgehend lahmgelegt : Bankangestellte Seit‘ an Seit‘

Protest im Bankenviertel Bild: ddp

Das Pfeifen und Trillern dröhnt in den Ohren. Gut möglich, dass Martin Blessing den Krach in der 56. Etage hören kann, als der Tross von rund 1000 Bankangestellten am Commerzbankturm vorbeizieht. Sie gehen nicht nur für mehr Gehalt auf die Straße, sondern auch gegen die Dresdner-Übernahme.

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          Das Pfeifen und Trillern dröhnt in den Ohren. Gut möglich, dass Martin Blessing den Krach noch oben in der 56. Etage in seinem Büro hören kann, als der Tross von rund 1000 protestierenden Bankangestellten am Commerzbankturm vorbeizieht. Einige Mitarbeiter stehen an Fenstern und blicken hinunter – diejenigen, die dem Aufruf der Gewerkschaft Verdi zum Streik gefolgt sind, schwingen verärgert die Fäuste in ihre Richtung: Streikbrecher.

          Tim Kanning
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Offiziell streiken und demonstrieren sie, um ihren Forderungen in den laufenden Tarifverhandlungen Nachdruck zu verleihen. In der Runde ist die Friedenspflicht beendet. Doch fünf Tage, nachdem Commerzbank-Chef Blessing bekannt gegeben hat, dass im Zuge der Übernahme der Dresdner Bank 6500 Stellen in Deutschland wegfallen sollen, sind viele auch auf die Straße gegangen, um ihrem Unmut und ihrer Wut über die „Arbeitsplatzvernichtung“ Luft zu machen.

          „Auch Dresdner Banker wollen sichere Arbeitsplätze“ prangt auf dem weißen T-Shirt, das Roger Jung sich übergezogen hat. Es ist an diesem Vormittag groß in Mode. Jung arbeitet seit 22 Jahren in der Bank mit der grünen Hausfarbe, hat dort gelernt und später eine Filiale geleitet, seit einigen Jahren ist er freigestellter Betriebsrat der Gebietsfiliale Frankfurt und Region.

          „Mit zwei Kindern ist die Angst natürlich umso größer“

          Dass die Commerzbank das Haus jetzt übernimmt, ist in seinen Augen die schlechteste mögliche Lösung, weil „der Apparat einfach doppelt“ ist. Wäre die China Development Bank zum Zuge gekommen, so wäre die Belegschaft der Dresdner Bank gut ausgelastet gewesen, um dem Neuankömmling beim Start in den deutschen Markt zu helfen. Nun fürchtet er, in der Bank bald nicht mehr gebraucht zu werden – „mit zwei Kindern ist die Angst natürlich umso größer“. Dass aus der Dresdner Bank kaum 100 Leute gekommen seien, dafür schäme er sich.

          Auch Franz Scheidel, stellvertretender Leiter des Betriebsrats Zentrale, zeigt sich enttäuscht über die geringe Beteiligung aus dem eigenen Haus, als er auf dem Goetheplatz ans Mikrofon tritt. Unterstützung bekommt er von der Kollegin in spe, Gabriele Seum, die in der Commerzbank-Zentrale den Betriebsrat leitet und nach ihm spricht. Um möglichst viele Arbeitsplätze zu sichern, müssten alle an einem Strang ziehen, ruft sie den Zuhörern zu und erntet dafür reichlich Beifall. Im Anschluss an ihre Rede, wird sie herzlich von Scheidel umarmt.

          140 von 160 Naspa-Filialen geschlossen

          Anders als die Dresdner Bank, ist die Nassauische Sparkasse in Mannschaftsstärke auf dem Goetheplatz erschienen. Nach Angaben der Personalratsvorsitzenden Bärbel Henrichs-Bender sind allein mit den Sonderbussen 560 Mitarbeiter aus Wiesbaden und von den übrigen Standorten der Bank nach Frankfurt gekommen. Die Folge: 140 der 160 Naspa-Filialen mussten geschlossen bleiben. In Frankfurt konnten nach Angaben der Bank nur die Zweigstellen an der Hauptwache und in Höchst mit Notbesetzungen geöffnet werden. Die Mitarbeiter hoffen darauf, dass in den Tarifverhandlungen keine weiteren Teile des Gehalts abhängig von der individuellen Leistung gemacht werden, so erklärt Henrichs-Bender die rege Beteiligung.

          Anfang Juni hatte der Arbeitgeberverband der Volks- und Raiffeisenbanken einen Tarifvertrag mit zwei kleinen Arbeitnehmervertretungen abgeschlossen, der vorsieht, dass bis zu vierzehn Prozent des Gehalts variabel sein dürfen. Die Arbeitgeber der privaten Banken forderten nun „Chancengleichheit“. So kämpft Gudrun Schmidt, die den Fachbereich Finanzdienstleistungen von Verdi Hessen leitet, auch im eigenen Interesse gegen die „Splittervereinigungen“. „Die Stärke der Arbeitgeber im Bankgewerbe liegt auch daran, dass 80 Prozent der Arbeitnehmer nicht bei Verdi organisiert sind“, ruft sie vom Podest und verweist zugleich darauf, dass die Zuhörer noch heute eintreten könnten.

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