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Nach Protest aus Umland : Das Hessen-Center wird doch nicht erweitert

Umbau: Das Hessen-Center wird nur aufgehübscht statt erweitert Bild: Helmut Fricke

Die Einzelhändler in Hanau und Bad Vilbel können aufatmen. Die ECE, Betreiberin des Hessen- Centers im Frankfurter Osten, will sich auf eine Generalüberholung beschränken und die Immobilie nicht vergrößern.

          Manch einer hatte es schon geahnt: Als im Hessen-Center Anfang des Jahres die Pläne für das neue Parkhaus und andere Modernisierungsschritte vorgestellt wurden, war von dem Wunsch, größer zu werden, erstaunlich wenig zu vernehmen. Der Ton war vorsichtig. Es werde so gebaut, dass, sollte man sich mit der Region über eine Erweiterung einigen, ein Anbau ohne weiteres möglich sei, hieß es von Seiten der ECE.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ursprünglich wollte der Shoppingcenter-Betreiber, der inzwischen in allen Frankfurter Einkaufszentren das Sagen hat, im Zuge einer dringend anstehenden Sanierung 14.000 Quadratmeter mehr Fläche schaffen. Das hätte einer Erweiterung um ein Drittel auf dann 52.000 Quadratmeter entsprochen. Die Flächen brauche man, um attraktiver zu werden für Mieter wie Zara oder Mango, die ein jüngeres Publikum anziehen, so die Argumentation.

          „Verzicht auf Ausbau besser“

          Nun hat der Hamburger Shoppingcenter-Betreiber „nach intensiven Gesprächen und im Einklang mit der Stadt“, wie der neue Center-Manager Olaf Kindt sagt, die Reißleine gezogen. „Wir sind zu der Erkenntnis gelangt, dass es besser ist, auf den Ausbau zu verzichten“, sagt Kindt im Gespräch mit der Rhein-Main-Zeitung. Kindt ist Nachfolger von Stephan Thiel, der im Frühjahr nach nur einem Jahr für viele überraschend ausgewechselt wurde. Thiel war vehementer Befürworter der Erweiterung und hatte auch zu den Gewerbetreibenden in Bergen-Enkheim gute Kontakte aufgebaut.

          Nun also die Kehrtwende an der Borsig-Allee. Mit dazu beigetragen hat offenbar auch die Einsicht, dass das Vorhaben planungsrechtlich nur schwer umzusetzen gewesen wäre. Die Erweiterung verstößt gegen das regionale Einzelhandelskonzept. Die Stadt hätte daher ein sogenanntes Zielabweichungsverfahren vom geltenden Regionalplan beantragen müssen. „Ich bin Realist. Die Ausgangslage für eine Erweiterung ist schwierig“, sagt der neue Center-Manager, der seit 20 Jahren für die ECE arbeitet.

          Das kam im Umland nicht gut an

          Nach Auskunft des Stadtplanungsamtes war die Stadt mit den Beteiligten über mögliche Ausbauvarianten im Gespräch. „Wir hätten uns eine bauliche Erweiterung vorstellen können“, sagt ein Sprecher, der hervorhebt, dass die ECE die Reißleine gezogen habe.

          Die Stadt Frankfurt selbst hatte zunächst, seinerzeit unter Planungsdezernent Olaf Cunitz (Die Grünen), die regionalpolitische Dimension des Vorhabens verkannt. Sie ließ die Aufstellung eines Bebauungsplans beschließen, ohne vorher die Nachbarkommunen zu informieren. Das kam im Umland nicht gut an. Hanau hatte gerade das neue innerstädtische Einkaufszentrum, das Forum Hanau, ans Laufen gebracht (rund 22 000 Quadratmeter) und Bad Vilbel die neue Stadtmitte. Ein erweitertes Hessen-Center mit Zugpferden wie etwa Zara könnte zahlreiche Kunden weglocken, so die Befürchtung.

          Kindt hat dafür Verständnis. „Jeder versucht, seinen Kuchen zu verteidigen“, sagt der Center-Manager, der jetzt die kleine Lösung vertreten muss. „Größe ist nicht alles.“ 39 000 Quadratmeter seien „auskömmlich“. Kindt verweist auf die übersichtlichen Strukturen des Hessen-Centers. „In zehn, fünfzehn Minuten ist schon eine Menge erledigt.“ Jetzt gehe es darum, den Standort zu optimieren.

          Im Umland hört man die Botschaft gern. „Wir begrüßen die Entscheidung sehr“, sagt Martin Bieberle, Leiter der Stadtentwicklung in Hanau. Das Vorhaben sei weder fachlich noch rechtlich gerechtfertigt gewesen. Ortsvorsteherin Renate Müller-Friese (CDU) bedauert dagegen die Entscheidung. „Wir wissen noch nicht, was das für Bergen-Enkheim bedeutet.“ Dagegen ist Joachim Stoll, Sprecher des Frankfurter Einzelhandels, überzeugt, „dass man auch auf der bestehenden Fläche attraktive Angebote machen kann“.

          Große Herausforderungen

          Auch wirtschaftliche Überlegungen mögen mit dazu beigetragen haben, dass die ECE ihre Ausbaupläne nicht weiterverfolgt. Die wachsende Online-Konkurrenz bekommen die großflächigen Einzelhandelszentren ebenso zu spüren wie alle anderen Geschäfte in deutschen Innenstädten. Vor allem die Umsätze der Modegeschäfte leiden, sie machen immer öfter Platz für neue Gastronomie-Konzepte. Allein 70 Millionen Euro investiert die ECE-Gruppe, um den vor neun Jahren eröffneten Komplex My Zeil zu modernisieren und neu auszurichten. „Der Handel steht vor großen Herausforderungen“, sagt Kindt.

          Jünger werden, wie es sein Vorgänger gefordert hatte, und gleich groß bleiben ist für Kindt jedoch kein Widerspruch. Die Lebenszyklen von Betriebsformen änderten sich. Buchhandlungen würden kleiner, andere Flächen größer. „Es ist alles möglich an neuen Konzepten.“

          Der Center-Manager verneint, dass die jüngsten Fusionsgespräche zwischen Kaufhof und Karstadt die Entscheidung beeinflusst haben. Der Kaufhof ist mit 10 000 Quadratmetern der größte Mieter. Die Entwicklung müsse man abwarten. „Ich könnte mir vorstellen, dass die Filiale eine andere Handschrift tragen und vielleicht auch die Chance nutzen wird, etwas moderner zu werden.“ Sorgen, womöglich den größten Ankermieter zu verlieren, mache er sich nicht, sagt der Center-Manager. „Es gibt eine Nachfrage nach großen Flächen.“

          Nun steht aber erst einmal der Umbau an. Die Baugenehmigung für den Abriss des Parkdecks liegt vor. In Kürze sollen die Arbeiten beginnen. Statt zwei wird es künftig drei Parkdecks geben. Auf dem Plan steht auch eine neue Außenfassade und eine Schönheitskur für die Mall samt neuer Toilettenanlagen und Rolltreppen. Das geplante Investitionsvolumen beläuft sich auf 45 Millionen Euro.

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