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Musikmesse : Musikbranche kommt trotz Krise nach Frankfurt

Das Instrument zum Event: die WM-Gitarre des japanischen Herstellers Aria Bild: dpa

Der Markt für Musikinstrumente hat ein Jahr dramatischer Rückgänge gesehen, doch auf der Musikmesse in Frankfurt will offenbar keiner fehlen. Es stellen fast so viele Unternehmen aus wie im vergangenen Jahr. Keith Emerson ist mit dem Frankfurter Musikpreis 2010 geehrt worden.

          Das Wertheimer Familienunternehmen König & Meyer wirbt längst auf der eigenen Internetseite und in Webdiensten wie Twitter, Youtube und Facebook für die Qualität seiner Instrumentenständer, Notenpulte und Piano-Bänke. Die Musikmesse, die an diesem Mittwoch in Frankfurt für Fachbesucher öffnet, hat deshalb aber nichts von ihrer Bedeutung für das Haus verloren, das seit 60 Jahren Zubehör fürs Musizieren herstellt, wie Geschäftsführerin Gabriela König sagte.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Trotz neuer Kommunikationsmöglichkeiten steht für sie fest, dass kein Telefonat, keine Mail und kein Twittereintrag ein persönliches Gespräch mit Kunden ersetzen kann. Die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise spüren auch die Wertheimer, und zwar in zweierlei Hinsicht: Der Markt stagniere, zugleich sei aber in der Krise ein Trend zu Qualität spürbar, der für ihr Haus von Vorteil sei, sagte König.

          1510 Aussteller - 30 weniger als 2009

          Wie die Unternehmerin aus Wertheim hält es wohl auch das Gros der Branche, denn mit 1510 Ausstellern sind lediglich gut 30 weniger als zur Musikmesse 2009 gekommen, wie Detlef Braun, Geschäftsführer der Messe Frankfurt GmbH, zum Messebeginn mitteilte. Dass er das durchaus erfreut zur Kenntnis gab, liegt daran, dass die Musikmesse diese Ausstellerzahl erreicht, obwohl etwa die Instrumentenbauer ein sehr schlechtes Jahr hinter sich haben, wie Braun weiter ausführte. 2009 sei die Produktion von Musikinstrumenten weltweit um fast ein Viertel eingebrochen. Besonders hart hat es demnach den Markt in den Vereinigten Staaten von Amerika getroffen, der etwa die Hälfte des weltweiten Volumens des Instrumentenhandels ausmacht. Allein die Exporte aus Deutschland dorthin haben 2009 um 30 Prozent nachgegeben.

          Gekrönt: Der englische Keyboarder Keith Emerson ist Träger des Frankfurter Musikpreises 2010

          Alles in allem musste die deutsche Musikinstrumentenindustrie ein Minus von 20 Prozent im Export hinnehmen, während der Umsatz im Inland mit Minus vier Prozent lediglich verhalten nachgab. Allerdings ist der Inlandsmarkt durch hohen Wettbewerb und einen entsprechenden Preisdruck gekennzeichnet, bei dem Anbieter mit geringerem Umschlag vom Markt verdrängt werden, wie es gestern weiter hieß. Dabei spielten vor allem asiatische Billigimporte und hier besonders die aus China, die einen Marktanteil von 30 Prozent hätten, eine große Rolle.

          Gitarren für Millionen

          Für den Anspruch der Musikmesse in Frankfurt, Weltleitmesse zu sein, spricht der mit 64 Prozent deutliche Auslandsanteil; dass weltweit gefragte Edelmarken wie Gibson und Fender oder die Keyboardhersteller Roland und Yamaha präsent sind, ebenfalls. Zu sehen sind auf der Messe 30.000 Instrumente, Effektgeräte, Software, Noten und Zubehör. 1000 Konzerte und Workshops sind avisiert, zudem eine International Vintage Show, wo unter anderem Eric Claptons „Blacky“ und Stevie Ray Vaughans „Lenny“, zwei Gitarren mit einem Sammlerwert von rund 1,8 Millionen Dollar, zu finden sind. Publikumstag ist der Samstag, Privatbesucher zahlen 27 Euro (online 20 Euro unter www.musik.messefrankfurt.com) für die Tageskarte, Fachbesucher 40 Euro (online 27 Euro). Außerdem gibt es eine Familienkarte für 25 Euro und eine Karte für Studenten zu 14 Euro.

          Parallel zur Musikmesse findet die Prolight and Sound statt, wo Ton-, Licht- und Bühnentechnik zu sehen ist. Mit 830 Ausstellern hält die Ausstellung fast das Niveau des Vorjahres (847). Die Messe Frankfurt hofft, trotz Krise wieder mindestens 110.000 Gäste auf den beiden Messen zählen zu können.

          Am Vorabend der Musikmesse ist der Frankfurter Musikpreis an Keith Emerson (65) verliehen worden. Die britische Keyboard-Legende - Mitbegründer der Rockband Emerson, Lake and Palmer - nahm den mit 15 000 Euro dotierten Preis am Abend im Frankfurter Rathaus Römer entgegen.

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