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„Money meets Idea“ : Die Eintracht wird digitaler

Digital first: Axel Hellmann, Vorstand von Eintracht Frankfurt, will den Verein an die Spitze der Digital-Tabelle führen. Bild: dpa

Der Fußballklub und das Tech Quartier fördern Start-Ups aus dem Sport. Deutscher Experte auf dem Gebiet der datenbasierten Analyse im Sport ist ein ehemaliger Spieler der Eintracht.

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          Mit Witzen über den Hamburger SV und den 1. FC Köln kann man fast immer punkten. Auch Stefan Reinartz hat an diesem Tag die Lacher auf seiner Seite. Der ehemalige Fußballprofi, der auch ein Jahr lang für die Frankfurter Eintracht die Schuhe geschnürt hat, legt Wert auf eine Information: dass die beiden Großstadtklubs, die derzeit am Ende der Bundesligatabelle und am Rande des Abstiegs in die Zweitklassigkeit stehen, nicht bei ihm unter Vertrag stehen. Denn das könnte vielleicht ein schlechtes Licht auf seine Arbeit werfen.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Reinartz hat nach dem Ende seiner Sportkarriere 2015 mit nur 27 Jahren ein Start-up gegründet. Die Idee: Leistung im Fußball messbar machen. Mit seiner Methode namens „Packing“, die während der Fußball-Europameisterschaft 2016 bekannt wurde, hätte zum Beispiel der Hamburger SV einen Spieler namens Michael Gregoritsch vor der laufenden Saison nie verkaufen dürfen, erklärt Reinartz. Er tat es dennoch, zum eigenen Leidwesen, aber zur Freude des Liga-Konkurrenten FC Augsburg, bei dem Gregoritsch nun äußerst erfolgreich spielt. „Das hätte man mit unseren Daten erkennen können“, sagt Reinartz. „Ein klassischer Managementfehler.“

          Europa kommt nach Frankfurt

          Nicht nur dieses Beispiel zeigt: Der Sport, der nach wie vor von Emotionen lebt, wird immer digitaler. Trainingsdaten werden analysiert, Spiele mit Hilfe von Videos taktisch aus- und Fan-Erlebnisse mit neuen Apps aufgewertet. Zwei Frankfurter Institutionen wollen diese Entwicklung künftig nutzen. Das Frankfurter Tech Quartier, bei dem auch Reinartz am Montag auftritt, und der Fußballklub Eintracht Frankfurt wollen mit dem Start-up-Programm „Money meets Idea“ Gründer fördern, die sich mit neuen Technologien rund um die Welt des Sports auseinandersetzen.

          Fünfzehn junge Unternehmen aus der Region, aber auch aus Städten wie Barcelona, Wien und Maastricht nehmen bis Ende dieser Woche an einem Programm teil, bei dem sie zum Beispiel auf Investoren treffen, sich über professionelles Marketing informieren und etwas über die ideale Zusammensetzung eines Teams in jungen Unternehmen lernen sollen.

          Eine Sportart im Wandel

          55 Gründer aus der ganzen Welt hätten sich für das Projekt beworben, berichtet Thomas Funke, Ko-Direktor des Gründerzentrums, 15 von ihnen wurden ausgewählt, unter diesen sind überraschend viele Frankfurter. So erklärt zum Beispiel Kamran Zerafat, Mitgründer des Frankfurter Start-ups Quipe, wie mit Hilfe seines Systems künftig für jeden Spieler ein vergleichbarer Wert ermittelt werden kann und somit Leistungen von Fußballern und deren Training optimiert werden können. Die Gründer von Athlyzer, ebenfalls aus Frankfurt, stellen ein System vor, mit Hilfe dessen auch Amateurmannschaften in Zukunft Video-Analysen nutzen können, wie man sie auch von den Expertengesprächen im Fernsehen kennt.

          Axel Hellmann ist Feuer und Flamme für die Digitalisierung des Sports und die Zusammenarbeit mit dem Tech Quartier. Der Vorstand der Frankfurter Eintracht sagt, Fußball sei „viel mehr als Ecke, Kopfball, Tor“, die Sportart werde in Zukunft noch mehr von Algorithmen geprägt, ist er überzeugt – und will mit seinem Klub auf diesem Feld ganz oben mitspielen. „Wir machen etwas Einmaliges in der Bundesliga“, sagt Hellmann, der sich die Vorträge der Gründer aufmerksam anhört. Denn die Eintracht will nicht nur einen Einblick bekommen, welche Ideen den Sport in Zukunft prägen könnten. „Wir können uns auch Kooperationen mit den Start-ups vorstellen und auch, in Unternehmen zu investieren und uns zu beteiligen.“

          Schon jetzt arbeite die Eintracht im Trainerteam, aber auch bei der Sichtung neuer Spieler stark datenbasiert, sagt Hellmann. Wurden neue Kicker früher aus einem Gefühl heraus oder auch mal nur aufgrund eines Videos verpflichtet, in dem die besten Szenen eines Akteurs zusammengeschnitten wurden, so versuchen Klubs zunehmend, ihre Entscheidungen auch aufgrund konkreter Daten zu treffen.

          Auf diesem Feld will die Eintracht ein Vorreiter sein, sagt Hellmann. „Die digitale Welt wird in den nächsten drei bis fünf Jahren massiv in den Profisport einziehen.“ Erst kürzlich hatte Hellmann hervorgehoben, auch die Frankfurter Arena als Spielstätte des Klubs digitalisieren zu wollen und nannte den Videowürfel, die multimedialen Einrichtungen in den Logen und das Bezahlsystem als Beispiele.

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          Unser Autor: Martin Benninghoff

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