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Mögliche Opel-Übernahme : Nichts Genaues weiß man nicht

Die Adam Opel Statue vor dem alten Werksgebäude in Rüsselsheim. Bild: Frank Röth

Niemand weiß, was aus Opel bei einer Übernahme durch Peugeot wird. Aber alle reden mit und überbieten sich in Pessimismus. Nur einer macht nicht mit.

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          Was ist eigentlich geschehen? Das Management von General Motors hat angekündigt, es erwäge, Opel an Peugeot zu verkaufen. Dies und nichts anderes ist bekannt. Dass die Chefin des amerikanischen Konzerns, Mary Barra, der Opel-Belegschaft geschrieben hat, sie werde alles daransetzen, im Falle eines Verkaufs die Interessen der Beteiligten zu wahren, ist schon eigentlich keine Information mehr, die weiterhilft, sondern eine Selbstverständlichkeit. Was General Motors im Detail vorhat, was in den Köpfen der Chefs von Peugeot vor sich geht: Nichts darüber weiß man. Selbst die Frage, warum sich die Amerikaner gerade jetzt von den Rüsselsheimern trennen wollen, lässt sich nicht wirklich beantworten.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Trotzdem ist das Reden über Opel und seine Zukunft nicht mehr zu bremsen. Ferdinand Dudenhöffer, gern gehörter Branchenexperte, wird zum Beispiel mit dem Satz zitiert, er fürchte, dass am Sitz Opels in Rüsselsheim mindestens ein Drittel der Arbeitsplätze wegfalle. Wie kommt Dudenhöffer, der ja durchaus einen Namen hat, zu solch einer Einschätzung? Ahnt er nicht, welche Sorgen er in der Stadt damit auslösen kann?

          Nur einer macht nicht in Pessimismus

          Sicherlich, wenn man den Satz wörtlich nimmt, sagt er gar nichts aus. Befürchten kann man schließlich vieles. Wenn man ihn aber ernst nimmt: Womit lässt sich solch eine Einschätzung begründen? Es ist nicht einmal in Umrissen zu erkennen, wie ein um Opel erweiterter Peugeot-Konzern aufgestellt wäre, welche Autos er also bauen würde, welche Märkte er sich vornähme, welche Standorte er dafür noch benötigte.

          Auch der frühere Opel-Betriebsratsvorsitzende Klaus Franz weiß trotzdem schon, wie alles ausgeht: Opel werde der große Verlierer sein, sagte er gestern. Große Einschnitte seien bei dem erwähnten Entwicklungszentrum zu erwarten, die Standorte Kaiserslautern und Eisenach seien in Gefahr. Worauf kann Franz solche Aussagen stützen? Was weiß er über die Übernahmepläne, was andere nicht wissen? Als Ehemaliger?

          Es ist kein Wunder, dass angesichts solcher Aufregung auch Politiker nach markigen Worten suchen. Man wird in diesem Fall nicht dazu raten können, dass sie die Unternehmen völlig sich selbst überlassen, weil im Falle Peugeots der französische Staat sowieso mitredet, denn er hält an dem Konzern nennenswerte Anteile. Aber die von Bundes- und Landespolitkern leicht ausgesprochene Zusage, man werde alles tun, um die Arbeitsplätze zu halten, ist, bei Lichte betrachtet, auch nicht viel wert. Anders als etwa bei der geplanten Börsenfusion sitzt eben keine Aufsichtsbehörde mit am Tisch, sollte die Übernahme unterschrieben werden.

          Nur einer macht nicht in Pessimismus. Der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Volker Wissing sagte gestern der „Rhein-Neckar-Zeitung“, man solle einen Verkauf von Opel an die Franzosen doch als Chance betrachten. „Aus einem solchen Konzept kann man auch etwas machen, wenn alle zusammenarbeiten“, so der FDP-Politiker. Aber so viel Zuversicht passt nicht in diese Tage. Die Oberhand haben diejenigen gewonnen, die die Zukunft in düsternen Farben malen, egal was sie wissen oder auch nicht.

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