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Möbelverleih aus Neu-Isenburg : Rollcontainer statt Couchtisch

Gründer: Daniel Ishikawa hat Furniture Leasing nach dem Studium ins Leben gerufen. Bild: Marcus Kaufhold

Daniel Ishikawa vermietet mit seinem Start-Up Furniture Leasing seit fast zehn Jahren Möbel. Vor allem Unternehmen gehören zu seinen Kunden. Der Gründer glaubt, dass die Corona-Krise die Zukunft des Arbeitens grundlegend verändern wird.

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          Plötzlich war alles ganz anders, und es musste ganz schnell gehen. Die Schockstarre, in die Daniel Ishikawa kurzzeitig verfallen war, als der Lockdown weite Teile der Wirtschaft in die Knie zwang, hielt jedoch nicht lange an. Dazu blieb auch gar keine Zeit. Denn im März schickten viele Unternehmen einen Großteil ihrer Mitarbeiter in die Wohnungen, die nun von dort aus ihrer Tätigkeit als Arbeitnehmer nachgingen. Für den Unternehmer Ishikawa veränderte sich dadurch fast alles, was der Frankfurter beinahe zehn Jahre lang aufgebaut hatte. Viele Betriebe verließen sich darauf, dass ihre Angestellten auch auf dem Küchentisch, auf der Couch mit dem Laptop auf den Oberschenkeln oder notfalls sogar aus dem Bett heraus ihre Arbeit effizient erledigen könnten. Andere aber rüsteten ihre Mitarbeiter mit neuen Möbeln aus.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Seit Daniel Ishikawa 2011 das Unternehmen Furniture Leasing gegründet hat, vermietet er vor allem Wohnmöbel, zum Beispiel für Geschäftsleute, die nur für ein paar Wochen in Deutschland sind. „Doch durch Corona hat sich alles radikal verändert“, sagt er. „Plötzlich brauchten viele Unternehmen Mobiliar, um ihren Mitarbeitern einen Homeoffice-Platz einzurichten.“ Seitdem werden von seinem Betrieb nicht nur Sofas, Couchtische, Teppiche und Boxspringbetten verliehen, sondern zunehmend auch Drehstühle, Schreibtische, Akustikwände und Rollcontainer.

          Corona hat vieles verändert

          Zuletzt musste das Unternehmen auch bereits abgeschlossene Deals neu bearbeiten. So hatte ein Kunde aus Rheinland-Pfalz sich ein Großraumbüro für 34 Mitarbeiter planen lassen. Mitte April dann kam die Anfrage an Furniture Leasing, alles zu überarbeiten. Denn wegen der Abstandsregeln sitzen nun weniger Menschen in dem Raum, zwischen jedem Arbeitsplatz wurden Spuckschutz-Scheiben angebracht, im Loungebereich wurde eine große Couch durch viele kleine Sofateile ersetzt.

          Corona hat vieles verändert, sagt Ishikawa, Jahrgang 1982, dessen Firma in Neu-Isenburg zu Hause ist. 15 Mitarbeiter zählt Furniture Leasing derzeit. Doch auch das alte Geschäft ist geblieben. Denn eigentlich versteht sich Furniture Leasing als bundesweit tätiger Vermieter von Möbeln und Elektroartikeln für Wohnungen. Zu den Hauptkunden zählen Personalabteilungen großer Unternehmen mit internationalen Mitarbeitern, aber auch Immobilienmakler und Eigentümer von Wohnungen und Häusern, die ein unmöbliertes Objekt schnell ausstatten wollen.

          Beides mit der Monatsmiete abgedeckt

          „Viele Unternehmen suchen oft nach möblierten Wohnungen, aber die sind sehr selten“, sagt er. Seit der Gründung hat das Unternehmen mehr als 5000 Zimmer eingerichtet, rechnet der Gründer vor. Dabei geht es vor allem um modulare Möbelteile, die sich gut zusammensetzen lassen und erweitert werden können. Die Produkte sollen haltbar und gut aufzuarbeiten sein und möglichst leicht wechselbare Bezüge haben. Für die Vermietung berechnet das Unternehmen eine Gebühr, „das geht mit 50 Euro im Monat los“, sagt Ishikawa. Um Kratzer und Gebrauchsspuren müssen sich Kunden dabei genauso wenig sorgen wie um Lieferung und Aufbau. Beides ist mit der Monatsmiete abgedeckt.

          Nach seinem Studium war Ishikawa aufgefallen, dass es im Rhein-Main-Gebiet nur wenig möblierte Wohnung gibt. Also nahm er Kontakt zu Agenturen auf, die temporär im Ausland lebenden Personen bei der Wohnungssuche helfen. Seitdem baut er sein Unternehmen auf und versucht, auf Kundenwünsche individuell einzugehen – und wenn denn eine Hundehütte dazu gehört, dann besorgt er sie auch. Mit dem Möbel-Leasing sei es sogar möglich, sich seine Wohnung im Winter anders einzurichten als im Sommer. „Der große Vorteil des Mietmodells ist die Flexibilität. Viele Menschen wollen sich nicht lange an Möbel binden“, sagt Ishikawa.

          Der Gründer ist überzeugt, dass die Corona-Krise langfristige Folgen darauf haben wird, wann und wo Menschen in Deutschland arbeiten werden, etwa auf die Ausstattung der Bürogebäude. Denn dort werde es wegen des Virus Büros mit weniger Menschen und Konferenzräume mit besserer Videotechnik geben müssen. Zudem sei davon auszugehen, dass künftig mehr Menschen von zu Hause ihrer Arbeit nachgehen werden. Das in der Corona-Krise entwickelte Homeoffice-Paket könnte für Furniture Leasing deshalb zum Dauerbrenner werden.

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