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Bioökonomie-Mittelständler : Frisches Geld für schnellere Enzym-Entwicklung

Brutkasten: Die Brain AG in Zwingenberg züchtet im Reaktor allerlei Bakterien für Anwendungen wie das sogenannte Green Mining zur Rohstoffgewinnung. Bild: Helmut Fricke

Der Bioökonomie-Mittelständler Brain AG hat seinen Aktionären bisher wenig Freude gemacht. Dennoch beteiligt sich auch der Großaktionär an der Kapitalerhöhung. 15 Millionen Euro nimmt Brain ein.

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          Eiweißstoffe aus ihren Laboren verstärken die Reinigungskraft von Waschmitteln. Oder lassen Käse für Pizza über Nacht reifen. Dann hat die Firma Bakterien für Recyclingzwecke weiterentwickelt: Die Mikroben lösen Edelmetallpartikel aus Elektroschrott. Sie könnten auch im bisher ökologisch bedenklichen Bergbau eingesetzt werden, so die Hoffnung, lassen aber noch auf sich warten. Andere Produkte machen Kosmetika besser. Keine Frage: Der Bioökonomie-Mittelständler Brain Biotech AG aus Zwingenberg an der Bergstraße hat ein spannendes Produktportfolio.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Als Fundus dient stets der „Werkzeugkasten der Natur“, wie es Gründer Holger Zinke ehedem formulierte. Der Haken: Bisher sind die Umsätze noch überschaubar. Und Gewinne schreibt die Firma nach wie vor nicht – auch wenn sie ihr Ergebnis zuletzt verbessert hat. Nun sammelt Brain mit neuen Aktien frisches Geld ein. Am Donnerstag steht der Kurs daraufhin ziemlich unter Druck, das Papier büßt fast sieben Prozent ein.

          Wie das Unternehmen am Mittwoch nach Börsenschluss mitgeteilt hat, gibt die Gesellschaft die neuen Scheine im Rahmen einer Privatplatzierung aus. Der Hauptaktionär wolle an der Kapitalerhöhung teilnehmen, heißt es. Dabei handelt es sich laut Auflistung bei Comdirect um die MP Beteiligungs GmbH. Wie Brain nun am Donnerstag gegen 13 Uhr bekanntgegeben hat, lag der Ausgabepreis bei 8,30 Euro. 15 Millionen Euro seien mit rund 1,8 Millionen Anteilsscheinen in die Kasse der Firma gekommen.

          Knapp unter dem Ausgabepreis

          Bisher hat die Aktie ihren Anteilseignern wenig Freude gemacht, sofern sie den Börsengang mitgemacht und dem Unternehmen die Treue gehalten haben. Anfang 2016 zu 9 Uhr ausgegeben, erreichte sie zwei Jahre darauf den Spitzenwert von 27,60 Euro. Danach sackte der Kurs, von Zwischenerholungen abgesehen, durch. Seinen Tiefpunkt erreichte er im März bei 5,60 Euro. Seitdem hat er sich zwar kräftig erholt, liegt aber dennoch unter dem Ausgabepreis bei 8,50 Euro.

          Wie Ende Mai berichtet, hat die Gesellschaft den Umsatz und das Ergebnis gesteigert. Die Erlöse haben sich demnach im ersten Geschäftshalbjahr von 18,5 Millionen Euro auf 19,9 Millionen Euro erhöht. Das Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen erhöhte sich von minus 1,8 Millionen Euro auf minus 0,9 Millionen Euro.

          „Ich bin sehr stolz auf die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Brain-Gruppe, die es in den schwierigen Zeiten der Pandemiebewältigung geschafft haben, unser operatives Geschäft erfolgreich weiterzuentwickeln“, zitierte Brain den scheidenden Finanzchef Manfred Bender, früher lange Vorstandschef von Pfeiffer Vacuum. Brain zeigt sich zuversichtlich, weiter „deutlich wachsen“ zu können. Wann die Firma schwarze Zahlen schreiben wird, steht aber dahin.

          Mit der Kapitalerhöhung verfolgt Brain mehrere Zwecke, namentlich sind das die „Finanzierung von Investitionen mit dem Ziel, die Effizienz des Produktionsprozesses im Enzymbereich zu erhöhen“ und Forschung und Entwicklung von Produkten zu beschleunigen. Auch für kleinere Akquisitionen soll frisches Geld eingesetzt werden und für den Kauf von Minderheitenanteilen aus Tochtergesellschaften.

          Der Börsenwert von gut 160 Millionen Euro übersteigt den Umsatz um ein Mehrfaches. Entsprechend hoch fällt das Kurs-Umsatz-Verhältnis aus. Aufgrund etwa der Patente hatten die Brain bewertenden Analysten aber Kursziele weit oberhalb des aktuellen Niveaus gesteckt.

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