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Wegen Corona-Krise : Mitarbeiter der Lufthansa in Sorge

Abbau möglich: Lufthansa-Chef Spohr hat angekündigt, dass das Unternehmen eine Verkleinerung der Flotte auf rund 660 Flugzeuge treffen könnte. Bild: EPA

Laut dem Lufthansa-Konzernbetriebsrat ist es „katastrophal und auch peinlich“, dass in dem Hilfsplan der Bundesregierung praktisch kein Wort zur Sicherung der Arbeitsplätze zu finden ist. Beim größten Arbeitgeber in Hessen sind 10.000 davon in Gefahr.

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          Während eine Einigung zwischen der Lufthansa und der Bundesregierung über den Einstieg des Staates in den durch die Corona-Krise geschwächten Luftfahrtkonzern auch am Freitag auf sich warten ließ, äußern Arbeitnehmervertreter massive Kritik an den diskutierten Plänen. Derweil hob die hessische Landesregierung die Bedeutung der Lufthansa für das Bundesland hervor.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) äußerte auf Nachfrage, dass die hessische Regierung den Plan, der Lufthansa durch die Krise zu helfen, grundsätzlich unterstütze. Das Unternehmen habe als größter Arbeitgeber in Hessen und als wichtigster Player auf dem größten Luftverkehrsdrehkreuz Deutschlands, dem Frankfurter Flughafen, eine außerordentliche Bedeutung. Die Landesregierung habe auch angeboten, sich finanziell an der Rettung zu beteiligen. Dieser Vorschlag habe aber in den Planungen von Bundesminister Olaf Scholz (SPD) keinen Niederschlag gefunden, erläuterte der hessische Regierungssprecher.

          Der Vorsitzende des Lufthansa-Konzernbetriebsrates Christian Hirsch bezeichnete es am Freitag als „katastrophal und auch peinlich“, dass in dem ganzen Konzept, bei dem es um Hilfen vom Staat in einem Gesamtvolumen von neun Milliarden Euro gehe, praktisch kein Wort zur Sicherung der Arbeitsplätze zu finden sei. Offenbar lehne das die Union ab, und die SPD könne sich nicht durchsetzen. Gewerkschaften würden dazu auch nicht gehört.

          Gleichwohl seien die Mitarbeiter im Grundsatz erst einmal erleichtert, weil die Bundesregierung überhaupt bereit sei, den Konzern finanziell zu unterstützen, um die Krise zu überstehen. In diese sei die Lufthansa unverschuldet geraten, nachdem sie in den drei Jahren zuvor die besten Geschäftsergebnisse der Unternehmensgeschichte erwirtschaftet habe.

          Hirsch hofft, dass doch noch eine gewisse Absicherung für die Beschäftigten als eine Gegenleistung des Unternehmens für die Hilfe zu erreichen sei. Konkrete Anhaltspunkte dafür sieht er im Moment allerdings nicht. Um die Chancen zu verbessern, möglichst viele Arbeitsplätze in der Lufthansa dauerhaft zu sichern, wirbt der Arbeitnehmervertreter dafür, die Regelungen über das Kurzarbeitergeld zu verlängern. Es sei sinnvoller, das Gemeinwesen investiere Geld in die Erhaltung von Arbeitsplätzen über die Krisenzeit hinweg, als Geld über die Arbeitsagentur an Menschen auszuzahlen, die ihren Job verloren hätten.

          Zusammen mit allen anderen Arbeitnehmervertretern der Lufthansa-Gruppe hatte Hirsch zuvor in einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Lufthansa-Vorstandsvorsitzenden Carsten Spohr appelliert, schnell eine Rettung auf den Weg zu bringen. Für „taktische Spielchen, persönliche Befindlichkeiten und Kompromisslosigkeit“ sei keine Zeit, hatte es darin geheißen. Die Verantwortlichen müssten sich vor Augen halten, welche psychischen Belastungen, Ängste und Sorgen für die Mitarbeiter mit der Krise verbunden seien.

          Abbau von rund 10.000 Arbeitsplätzen möglich

          Mit knapp 40.000 Beschäftigten gilt die Lufthansa-Gruppe bisher als der größte Arbeitgeber in Hessen. Ein Großteil der Arbeitsplätze ist am Frankfurter Flughafen angesiedelt. Entsprechend groß ist deshalb auch die Sorge innerhalb der Belegeschaft, dass die von Lufthansa-Chef Spohr angekündigte Verkleinerung der Flotte um 100 auf rund 660 Flugzeuge und der damit einhergehende Abbau von rund 10.000 Arbeitsplätzen vor allem die Heimatbasis Frankfurt und die Administration im Lufthansa Aviation Center, der Frankfurter Konzernzentrale, treffen könnten.

          Nicoley Baublies, Geschäftsführer der Flugbegleitergewerkschaft Ufo, sieht die grundsätzliche Bereitschaft der Bundesregierung, der Lufthansa zu helfen, ebenfalls positiv. Er fürchtet aber, dass die Konsolidierung des Konzerns zu Lasten der Beschäftigten gehen könnte. Eine finanzielle Unterstützung in Milliardenhöhe müsse mit einer Verpflichtung zum Erhalt der Arbeitsplätze unter auskömmlichen Bedingungen für die Beschäftigten verbunden sein, sagte der Gewerkschafter am Freitag. Derzeit habe er allerdings den Eindruck, dass sich der Lufthansa-Vorstand mit seinen Forderungen durchsetze und es eben keine ausreichenden Gegenleistungen im Interesse der Beschäftigten gebe.

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