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Europas größter Fachversender : Mit Lampen sehr groß geworden

  • -Aktualisiert am

Macher: Andreas (links) und Thomas Rebmann, Gründer und Mitinhaber von Lampenwelt Bild: Rainer Wohlfahrt

Thomas Rebmann und sein Bruder Andreas verdienen ihr Geld mit dem Versand von Leuchtmitteln. Im Online-Geschäft sind sie schon lange, Millionen-Umsätze machen sie seit ein paar Jahren.

          Die Geschichte der Brüder Rebmann liest sich wie ein Märchen. Angefangen haben sie 1999 in einer Garage im nordhessischen Städtchen Schlitz. Und ihre Firma „Lampenwelt.de“ mit aktuell mehr als 300 Mitarbeitern zu dem nach eigenen Angaben europaweit größten Online-Händler von Leuchtmitteln gemacht. Sie liefern in 14 Länder, ernsthafte Konkurrenz müssten sie nicht fürchten, sagen sie.

          Der Umsatz des Unternehmens steigt atemberaubend schnell: 2017 waren es 75 Millionen Euro, 2018 sollen es mehr als 90 Millionen sein. Vor gut einem Jahr hat die Wagniskapitalgesellschaft 3i aus London für 120 Millionen Euro die Mehrheit an der Lampenwelt erworben, eine Minderheit das Berliner Venture-Capital-Unternehmen Project A. Die Lampenwelt-Gründer Thomas und Andreas Rebmann agieren weiter als verantwortliche Vorstände, als Chief Executive Officer und Chief Operating Officer.

          Großer Spieler in die Provinz gelockt

          Die Londoner Beteiligungsfirma 3i steigt in gut laufende Unternehmen ein, denen sie ein großes Wachstumspotential zubilligt. Lampenwelt ist eines der ersten E-Commerce-Engagements der Briten. Project A investiert dagegen in Internet-Start-ups. „Wir sind stolz darauf, dass so große Spieler zu uns in die Provinz kommen“, sagt der 44 Jahre alte Thomas Rebmann. „Sie verfügen über weltweite Netzwerke, helfen mit Ressourcen, Kompetenz und beschleunigen die Expansion mit ihrer Expertise.“ Vor einem halben Jahr hat Oliver Merz, vormals Pro Sieben/Sat 1, den Finanzvorstand übernommen.

          Groß in der Provinz: Lampenwelt-Logistikzentrum in Schlitz

          Der Schwerpunkt der Lampenwelt-Geschäftstätigkeit liegt in Europa. Das soll vorerst so bleiben. „Die USA sind für uns Zukunftsmusik. Allein die Produkthaftung oder auch die elektrische Spannung im Land der unbegrenzten Möglichkeiten sind Hürden, die wir jetzt noch nicht nehmen möchten“, sagt der gelernte Elektriker Rebmann. Ihr kleines Imperium steuern die Brüder nach wie vor von Schlitz aus. Dort haben sie auf der grünen Wiese ein 9500 Quadratmeter großes Logistikzentrum gebaut. In dem 17 Meter hohen Lager sind mehr als 600,000 Artikel, davon rund 10.000 unterschiedliche, vorrätig. Niederlassungen im Ausland existieren nicht.

          Kaum zu glauben, dass alles vor 19 Jahren in einer Garage anfing. Nach mittlerer Reife und Ausbildung zum Elektrotechniker fühlte sich Thomas Rebmann im Beruf unterfordert. Er engagierte sich im gerade aufkommenden Internethandel, auf Ebay verkaufte er Lampen. Damals war ein Faktor von drei wie im stationären Handel gang und gäbe. Weil aber sehr schnell viele Mitbewerber auf dieses Feld drängten, schmolz die Marge dahin. Skalierung, strategisches Wachstum, hieß nun das Ziel. Seinen ersten Webshop hatte Rebmann noch „Rebmann Lichtsysteme“ genannt. Zu sperrig höre sich das an, meinte sein zwei Jahre älterer Bruder Andreas. Die beiden tüftelten herum und kamen auf „Lampenwelt“. Für eine Domain, einen Platz im Internet, war dieser Name zwar nicht frei, aber die Brüder kauften ihn 2004 dem Eigentümer ab, für 1700 Euro.

          Aus 30 Paketen am Tag wurden 5000

          Kurz zuvor hatte Thomas Rebmann „gut geheiratet“, wie er mit einem leichten Grinsen sagt: Seine Frau ist Finanzbuchhalterin und hat „großen Anteil“ am Aufschwung der Firma. „Ich erinnere mich noch, wie wir 2006, damals schon im Keller, nicht mehr in der Garage, feierten, dass wir 30 Pakete an einem Tag verschickt haben“, erzählt er. „Heute sind es an einem guten Tag knapp 5000 Pakete.“

          Bis Ende 2007 fand das Geschäft neben dem Beruf statt. Das waren lange Tage. Um Messen zu besuchen, musste der Elektriker Urlaub nehmen. Als Bruder Andreas voll einsteigen und seine gutgehende Versicherungsagentur dafür aufgeben wollte, fragte ihn der Vater skeptisch, ob er sich das auch gut überlegt habe. Hatte er.

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