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Kazoojón-Erfinder : Mit der Ansing-Trommel bis nach Australien

Pustefix: Stephan Sprengel und Daniel Weinel (rechts) präsentieren ihre Ansing-Trommel Kazoojon Bild: Wolfgang Eilmes

Stephan Sprengel hat aus zwei Instrumenten die Kazoojón entwickelt. Vier Jahre nach Präsentation der Erfindung auf der Musikmesse in Frankfurt kann der Darmstädter auf gute Geschäfte hoffen.

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          Mit dieser aus Sperrholz gefertigten kleinen Kiste verhält es sich ein bisschen wie mit dem Überraschungsei. Zwar steckt nichts Süßes in dem Ding namens Kazoojón, aber es eignet sich sehr gut zum Spielen. Und das kann spannend sein. Wer gekonnt hineinpustet, entlockt der Kiste flirrende Töne, wer gleichzeitig mit den Fingerkuppen darauf klopft, wird zu einer One-Man-Band. Charles Voggenreiter erinnert sich noch sehr gut an den ersten Eindruck, als Erfinder Stephan Sprengel ihm erstmals auf der Kazoojón vorspielte: „Der Sound, der aus der Kiste kam – super“, begeistert sich der in Bonn ansässige Verleger.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Sprengel und Voggenreiter haben sich im vergangenen Jahr während der Spielwarenmesse in Nürnberg kennengelernt. Charles Voggenreiter und sein Bruder Ralph sind derart davon angetan, dass sie die Kazoojón bald weltweit vertreiben werden, Australien und Südamerika eingeschlossen. Für Sprengel bedeutet das einen großen Schritt. Denn seine Kazoojón ist nicht taufrisch. Vor vier Jahren stellte der Darmstädter Kleinunternehmer während der Musikmesse sein Projekt erstmals vor und gewann die Herzen vieler Kinder und Pädagoginnen. Über die im Hunsrück von Schreinerhand gefertigte Kleinserie von 500 Stück und 150 Bausätze ist er jedoch nicht hinausgekommen. Bisher.

          Startauflage 5000 Stück

          Doch an der Seite der Voggenreiter Verlag GmbH, die außer Büchern auch Musikinstrumente anbietet, stößt Sprengel in neue Dimensionen vor. Beträgt die Startauflage doch 5000 Stück. Nachdem die Bonner die Kazoojón schon während der Musikmesse Namm-Show im Februar in Kalifornien präsentiert hatten, konnten sie im Verlauf der Frankfurter Branchenschau im April laut Sprengel einige Händler für die Innovation gewinnen. Darunter sind das Musikhaus Session im Ostend in Frankfurt, das Kulturkaufhaus Dussmann in Berlin und Musicstore in Köln, wie es heißt. Und im Herbst steht die Fachmesse in Schanghai an.

          Charles Voggenreiter sieht gleich drei Instrumente in der patentgeschützten Sperrholz-Kiste. Genau genommen ist es ein Mix aus einer Cajón genannten Kistentrommel, einer flötenähnlichen Ansing-Trommel namens Kazoo und einer Bongo. Durch ein Loch in einer Seite bläst oder singt der Spieler in das Instrument hinein. Den flirrenden, quäkenden Ton erzeugen dabei innen aufgespannte Spezialdrähte aus Metall. Sie beginnen im Luftzug zu vibrieren. Sprengel spricht mit Blick auf diese Drähte von einem Snare-Element. Vorbild ist die Snare-Drum als Teil eines Schlagzeugs: Ihr Schnarreffekt rührt von einer Art Teppich aus Metallspiralen unter dem Resonanzfell her, auf dem der Schlagzeuger trommelt.

          Moosgummi für Bass-Bumms

          Eine bauliche Besonderheit der Kazoojón ist die Federung aus Moosgummi auf einer Seite. Die Box erhält dadurch einen sogenannten Bass-Boost-Effekt, klingt mithin wuchtiger. Sprengel hat sich diese Funktion per Patent schützen lassen.

          Wenn er selbst auf seiner Erfindung spielt, fällt es schwer, die Füße lange still zu halten. Die Kazoojón verbreitet gute Laune, sofern sich das Ohr nicht gegen den flirrenden Ton wehrt. Der 43 Jahre alte Erfinder und sein zwei Jahre älterer Mitstreiter Daniel Weinel, der Architekt ist und sich als Instrumentenentwickler versteht, hoffen nicht nur auf Verkaufserfolge mit der Sperrholz-Kiste. Sie wollen das Image von Percussionsinstrumenten für Kinder verbessern. „Die haben keinen guten Ruf“ – was sie einem Mangel an Qualität anlasten.

          Zwei Varianten

          Mitte Juli kommen zwei Varianten der Kazoojón von Sprengels Firma Tchakka-Tchakka in den Handel. Die rechteckige kostet 24,95 Euro, die quadratische Version 26,95 Euro. Sie werden wie viele andere Instrumente aus Kostengründen in China hergestellt. Zudem können Kunden über die Internetseite www.tchakkatchakka.de, das ist die Homepage von Sprengels Firma, in der Zukunft ganz nach ihren Wünschen aus edlen Hölzern gebaute Kazoojón-Modelle bestellen.

          Derweil verdient Sprengel den Lebensunterhalt als Schulbegleiter. Er hat Grundschul-Lehramt studiert und steht im Alltag an der Seite eines autistischen Kindes, wie er berichtet. Diese Arbeit hat ihn zu einem Roman über einen Autisten und seinen Begleiter inspiriert. Anders als für die Kazoojón fehlt ihm dafür aber noch ein Vertriebspartner.

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