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Metallbranche in Hessen : Kaum Interesse an befristeter Teilzeit

Nur 1120 Anträge auf „verkürzte Vollzeit“: Jörg Köhlinger, regionaler IG-Metall-Chef Bild: Wolfgang Eilmes

Vor der „30-Stunden-Woche durch die Hintertür“ haben die Metall-Arbeitgeber gewarnt, falls das Recht auf befristete Teilzeit komme. Das steht nun im Tarifvertrag. Doch vielen Metallern steht der Sinn nach etwas anderem.

          Sie ist eine der umstrittensten, aber auch eine von mehreren revolutionären Regelungen im neuen Tarifvertrag der Metallindustrie: Neben einer Lohnerhöhung haben die Beschäftigten der Branche seit dem vergangenen Frühjahr das Recht, ihre Arbeitszeit zeitweise auf 28 Stunden zu verkürzen und nach spätestens zwei Jahren zur Vollzeit zurückzukehren. Vor der „30-Stunden-Woche durch die Hintertür“ hatten zuvor die Arbeitgeber gewarnt, als die Industriegewerkschaft IG Metall dieses Recht auf befristete Teilzeit forderte.

          Falk Heunemann

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nun zeigt sich jedoch, dass zumindest bislang nur wenig Interesse unter den Arbeitnehmern an dieser befristeten Teilzeit besteht. Nur 1120 Anträge auf „verkürzte Vollzeit“ seien bisher in den vier Bundesländern des IG-Metall-Bezirks Mitte gestellt worden, berichtete Bezirksvorsitzender Jörg Köhlinger am Mittwochabend in einem Gespräch mit Journalisten in Frankfurt. Der Bezirk erstreckt sich vom Saarland über Rheinland-Pfalz und Hessen bis nach Thüringen.

          Mehr Tage hoch im Kurs

          Die Regelung soll unter anderem die „Teilzeit-Falle“ verhindern, bei der besonders Frauen nach der Geburt ihrer Kinder auf Teilzeit reduzieren, es ihnen danach aber nicht mehr gelingt, zur Vollzeit zurückzukehren – und sie in Folge weniger verdienen und geringere Karriereaussichten haben. Zum Jahreswechsel ist der Anspruch auf befristete Teilzeit sogar gesetzlich vorgesehen, wenn auch zu anderen Konditionen als im Tarifvertrag. Möglich allerdings, dass die geringe Nachfrage an der Struktur der Metallbranche liegt: Ein Großteil der Beschäftigten ist männlich.

          Rege angenommen werde dagegen das Recht, einen Teil der herausgehandelten Gehaltserhöhung in acht freie Tage umzuwandeln. Mehr als 35000 Beschäftigte hätten einen Antrag auf „tarifliche Freistellungszeit“ gestellt, 94 Prozent davon seien genehmigt worden. Die weitaus meisten habe es im Saarland gegeben, in Hessen seien es knapp 8000 und in Rheinland-Pfalz mehr als 9000. Ein erheblicher Teil der zusätzlichen freien Tage seien von Schichtarbeitern beantragt worden, berichtete IG-Metall-Tarifexperte Uwe Schütz. Schichtarbeit sowie Arbeit an Sonn- und Feiertagen werde als besonders belastend wahrgenommen. Die Zahlen bestätigten deshalb die Forderung der Gewerkschaft und das Tarifergebnis.

          Die Eisenbahnergewerkschaft EVG hat in den Tarifverhandlungen mit der Deutschen Bahn ebenfalls ein Wahlmodell durchgesetzt. Dabei können sich Beschäftigte entscheiden, ob sie einen Teil der herausgehandelten Lohnerhöhung in sechs zusätzliche Urlaubstage oder auch eine leichte Verkürzung der Wochenarbeitszeit umwandeln.

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