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Messen : "Automechanika" meldet mehr Aussteller als im Vorjahr

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Auch bei den großen Messen des Jahres ist es in diesen konjunkturell schwierigen Zeiten längst nicht mehr selbstverständlich, daß die Messe Frankfurt GmbH eine gestiegene Zahl von Ausstellern melden kann.

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          Auch bei den großen Messen des Jahres ist es in diesen konjunkturell schwierigen Zeiten längst nicht mehr selbstverständlich, daß die Messe Frankfurt GmbH eine gestiegene Zahl von Ausstellern melden kann. Die Automechanika macht da eine Ausnahme. Messechef Michael von Zitzewitz verkündete gestern nicht ohne Freude, daß zur Weltleitmesse für den Markt rund um das Auto - von Wartung, Reparatur und Pflege bis hin zur Tuning genannten optischen und technischen Verfeinerung - in diesem Jahr 4505 und somit vier Prozent mehr Aussteller als zur vorangegangenen Messe im Jahr 2002 nach Frankfurt kommen. Von Dienstag an werden sie bis zum nächsten Sonntag rund 160000 Fachbesucher über neue Produkte informieren und umwerben.

          Aus dem Inland stellen knapp 1040 Firmen aus, mehr als 3450 Unternehmensvertreter reisen aus dem Ausland an, keineswegs nur aus Europa, sondern beispielsweise auch aus China, Taiwan und aus den Vereinigten Staaten von Amerika. Daneben nutzen nun auch Unternehmen aus den neuen EU-Mitgliedsstaaten, allen voran Polen, die Automechanika als Plattform, ihre Fähigkeiten einem internationalen Fachpublikum zu präsentieren, wie Zitzewitz sagte.

          Der Ausstellerzuwachs mag zunächst einmal erstaunen, geht es der Autoindustrie doch nun schon seit Jahren nicht eben gut. Jene Zurückhaltung der beunruhigten Deutschen, die schon Einzelhandel und Gastronomie in Bedrängnis bringt, hat sich längst auch in der Automobilbranche in Form eines arg schleppenden Absatzes von Neuwagen niedergeschlagen. Für das laufende Jahr wird ein Ergebnis unter Vorjahresniveau prognostiziert, wie Jürgen Creutzig, Präsident des Europäischen Kraftfahrzeuggewerbes, gestern bestätigte. Der Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK) rechnet mit dem Verkauf von rund 3,1 Millionen Neuwagen, im Vorjahr wurden noch mehr als 3,2 Millionen Fahrzeuge neu zugelassen.

          Doch anders als beim flauen Verkauf von neuen Autos, gelingt es den mehr als 42000 Betrieben der Branche, die etwa 490000 Mitarbeiter beschäftigen, im Servicegeschäft und beim Zubehörverkauf gute Umsätze zu erzielen. Für 2004 erwartet man bei knapp 93 Millionen Werkstattaufträgen etwa 25 Milliarden Euro Umsatz nach 23,8 Milliarden im Vorjahr. Der Preis je Werkstattstunde ist im ersten Halbjahr um ein Prozent auf 61,60 Euro gestiegen. Die Gesamtumsatzerwartung der Branche für das laufende Jahr liegt mit 127 Milliarden in etwa auf Vorjahresniveau - aber eben nur, weil man hofft, Verluste aus dem Neuwagensektor mit dem Plus aus Service- und Zubehörgeschäft ausgleichen zu können. Und weil die Automechanika genau diese Sparten des Marktes bedient, ist sie für Aussteller und für Fachbesucher "ein Muß", wie Uwe Grautegein, Geschäftsführer des Landesverbandes Hessen des Kraftfahrzeuggewerbes sagt. Sein Verband vertritt die 4000 hessischen Betriebe des Kraftfahrzeuggewerbes, von denen die eine Hälfte freie Werkstätten, die andere markengebundene Firmen sind. Die Automechanika ist aus Grautegeins Sicht schon deshalb Pflicht für alle Betriebe der Kraftfahrzeugbranche, weil diese sich ständig über die neuesten Diagnose- und Wartungstechniken informieren müßten. Denn längst seien nicht mehr "Plattfüße", gerissene Keilriemen oder Ähnliches die häufigsten Ursachen für eine Autopanne, sondern Defekte in der Elektronik. Und um die schnell finden und beheben zu können, bräuchten die Werkstätten eben immer die aktuellen Diagnosegeräte, andernfalls seien sie schnell aus dem Geschäft.

          In den Zentren der Ballungsräume hätten es kleinere inhabergeführte Einzelbetriebe sehr schwer, sich am Markt zu behaupten - selbst wenn sie technisch auf dem neuesten Stand seien, so Grautegein weiter. Denn die Miet- und sonstige standortbedingte Kosten in Städten wie Frankfurt oder Berlin seien meist nur von großen Häusern mit mehreren Dependancen oder von Herstellerfilialen zu verkraften. Solche Standortnachteile sind aber nicht der Hauptgrund dafür, daß nach Angaben des Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes beinahe die Hälfte der Betriebe "rote Zahlen" schreibt. Ursache sei vor allem der zu geringe Absatz von Neuwagen in Deutschland, ist sich Creutzig sicher: "Der wichtigste Automarkt ist vom positiven Trend in Europa noch nicht erreicht worden". Für Deutschland rechnet er in diesem Jahr mit 1200 Betriebsaufgaben, nicht alle aufgrund einer Insolvenz, sondern auch, weil mancher Inhaber keinen Nachfolger finde.

          Ungeachtet der schwierigen Lage auf dem nationalen Automarkt ist die Automechanika den Angaben zufolge nicht nur in Deutschland eine erfolgreiche Unternehmung für die Messe Frankfurt GmbH, sie ist es demnach auch in anderen Teilen der Welt. So gibt es beispielsweise Ableger in Mexiko, in Rußland, in China sowie in der Türkei.

          Was die in Frankfurt gelegentlich hitzig geführte Debatte um Hotelzimmerpreise zu Messezeiten betrifft, gab sich Zitzewitz gestern recht entspannt. Das Thema werde hochgespielt, meinte der Messe-Geschäftsführer. In Frankfurt gebe es genug Hotels, zudem seien weitere im Bau. Vorausgesetzt, man bestehe nicht darauf, in jedem Jahr dasselbe Zimmer zu bekommen, sehe er keine Schwierigkeiten. "Wer hier kein angemessenes Hotelzimmer findet, der ist selber Schuld." JOCHEN REMMERT

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