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Messebau in Corona-Zeiten : Statt Hilfen lieber eine „Abwrackprämie“

Große Bühne: Messebauer errichten elegante Stände für Produktpräsentationen – doch Messen gibt es derzeit nicht. Bild: dpa

Nach einem coronabedingtem Jahr fast ohne Messen spricht die Branche von einem Berufsverbot. Die Standbauer trifft das hart. Und Hilfsgelder helfen nicht immer.

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          Die Einzigen, die derzeit zur Frankfurter Messe fahren, sind Senioren mit Impftermin. Bis auf die Festhalle, in der statt Popstars und Produktneuheiten derzeit nur das Vakzin seinen Auftritt hat, ist das Gelände weitgehend verwaist. Normalerweise würden dort jetzt die Sattelschlepper anrollen, um alles heranzuschaffen, was die Hersteller von Badkeramik bis Lüftungstechnik auf der Internationalen Sanitär- und Heizungsmesse ISH Anfang März dem Fachpublikum präsentieren wollten. Statt an edel designten Ständen werden die Neuheiten fürs Bad und die Gebäudetechnik nun virtuell bei einer digitalen ISH vorgestellt.

          Patricia Andreae
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Für Hersteller und Abnehmer mag das eine zufriedenstellende Lösung sein. Die Messebauer treibt es in die Verzweiflung. Schon im ersten Lockdown vor einem Jahr haben Unternehmer aus der Branche die Interessengemeinschaft Messewesen gegründet, um sich gegenseitig zu informieren und zu unterstützen, unter anderem mit Online-Schulungen von Steuerfachleuten und Arbeitsrechtlern. Für sie alle brisante oder leider oft unverständliche Themen würden dabei erklärt, berichtet die Sprecherin der Gemeinschaft, Annette Nett. Brisant und unverständlich sind für die 80 Mitglieder auch Fragen rund um die zahlreichen staatlichen Hilfen. Etwa für Joachim von Bertrab, Chef von Fair-Messe-Consult aus Darmstadt. Vor dem ersten Lockdown war sein Zwei-Personen-Unternehmen erfolgreich. Sie designten und planten Stände, beschäftigten Handwerker und andere Subunternehmen für die Produktion, den Transport, den Auf- und Abbau bis hin zu Entsorgung der Bauteile. Seine Kunden sind, wie Bertrab sagt, indische Konsumgüterhersteller ebenso wie österreichische Maschinenbauer und deutsche Pharmaunternehmen, die Einsatzorte der Stände Messen in Europa, Amerika und China. Rund eine Million Euro Umsatz habe er damit 2019 gemacht.

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