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Messe Frankfurt : Viel Vorschusslorbeer für Automechanika in Südafrika

Schauplatz der Automechanika in Südafrika: das Expo Center in Johannesburg Bild: Jay Groat

Die Messe Frankfurt wagt mit der Automechanika den Sprung nach Südafrika und stößt am Kap auf viel Wohlwollen. Automobilzulieferer bezeichnen es als ein Muss, auf der Fachmesse vertreten zu sein.

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          Ian Groat erzählt Geschichten, die unglaublich klingen. Zum Beispiel, dass Autodiebe in Südafrika im Jahr etwa eine halbe Million Fahrzeuge stehlen. Nur ein paar Zehntausend mehr liefen in dem Land zuletzt binnen zwölf Monaten von den Produktionsbändern, wovon fast 300.000 exportiert wurden. Groat ist Herausgeber einer südafrikanischen Autofachzeitschrift, sollte also wissen, wovon er spricht. Sieben von zehn Autofahrern hätten keine Versicherung. Und fast jeder zweite fahre mit einem gefälschten Führerschein herum. Viele von ihnen könnten es sich gleichwohl leisten, ihren Wagen fachmännisch reparieren lassen – „aber nur, wenn sie vorher einen anderen gestohlen und verscherbelt haben“, witzelt Groat.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dennoch ist es für ihn keine Frage, ob die Messe Frankfurt sich mit Südafrika den richtigen Markt für den zwölften Ableger der Automechanika ausgesucht hat. Diese Fachmesse für Automobil-Zulieferer kommt zur rechten Zeit ans Kap, wie er meint. Begründung: Der Reparaturmarkt hat sich in Südafrika in den vergangenen Jahren aufgrund neuer Vorgaben der Hersteller an die Partnerwerkstätte gewandelt. So müssten sich nach einem Unfall alle Türen öffnen lassen. Um das als Werkstatt zu gewährleisten, ist Fachwissen unabdingbar, zumal sich nicht nur die Vorgaben verändert haben, sondern auch die Palette der Auto-Werkstoffe wie etwa Metalle erweitert worden ist, wie Groat sagt. „Man kann aber ein Auto nur richtig oder falsch reparieren.“ Von der Automechanika, die Mitte März 2009 in Johannesburg Premiere hat, verspricht sich Groat den notwendigen Technologietransfer für die Werkstätten, um alles richtig machen zu können.

          Applaus auch für den Termin

          Ganz wichtig ist aus Sicht von Groat auch, dass es sich bei der Automechanika um eine Messe handelt, bei der Anbieter unter sich sind. Die könnten sich aufs Geschäft konzentrieren und müssten sich nicht nebenbei mit Besuchern abgeben. Der Terminwahl zollt er ebenso Applaus. Mitte März sei eine gute Zeit, um viele Aussteller und Besucher nach Johannesburg zu ziehen.

          Groat verteilt nicht als Einziger viel Vorschusslorbeer für die Frankfurter: Als Autozulieferer ist Diesel Electric bei der Fachmesse viel besser aufgehoben, als bei der bisherigen, die gesamte Automobilbranche umfassende Auto-Africa, wie Fred Bengsch von der südafrikanischen Firma sagt. Diesel Electric habe seinen Partnern aus der Zuliefererbranche mitgeteilt, in Südafrika fortan nur noch auf der Automechanika vertreten zu sein. Denn er ist vom Konzept der Messe überzeugt: „Gemessen an dem, was bei der Automechanika in Frankfurt läuft, muss die Messe hier ein voller Erfolg werden“, meint Bengsch.

          Automarkt von 2002 auf 2004 fast verdoppelt

          Der in Ulm ansässige Schmierstoffehersteller Liqui Moly will die Messe nutzen, um seine Marke im südlichen Afrika bekannter zu machen, wie Melicia Labuschange, zuständig für die Geschäftsentwicklung bei der Niederlassung in Fairland in Südafrika, sagt. Und für PPG Ducol, einen führenden Hersteller von Autolacken, ist die Automechanika in Johannesburg laut Geschäftsführerin Joy Gilchrist schlicht ein Muss. Dabei denkt sie schon jetzt über die südafrikanischen Landesgrenzen weit hinaus: Die Messe wird für den gesamten afrikanischen Markt wichtig sein, wie sie meint. In diesem Punkt zeigt sie sich mit Bengsch einig: Der Manager von General Electric erwartet nicht nur Gäste aus der Republik am Kap, sondern auch aus Ägypten, Nigeria oder Sambia.

          Dessen ungeachtet scheint schon Südafrika allein für Fachwerkstätten und ihre Zulieferer lukrativ zu sein. Der Automarkt hat sich von 2002 auf 2004 fast verdoppelt, wie Norman Lamprecht, der Präsident des nationalen Verbands der Automobilhersteller, sagt. Zwar leidet die Nachfrage nach Neuwagen unter den auch am Kap stark gestiegenen Preisen für Kraftstoffe und der Inflation, die zuletzt bei 11,3 Prozent lag. Auch wird sie weiter nachlassen, wie Rudolf Gouws, der Chef-Volkswirt der Rand Merchants Bank, sagt. Doch sollte diese Talsohle nach gut zwölf Monaten durchschritten sein, so seine Prognose. Derweil können sich die Werkstätten mit der Aussicht auf weitere Aufträge aus der liquiden Kundschaft trösten. Wie sagt Groat: „Im Durchschnitt ist ein Auto bei uns 10,5 Jahre alt. Da fällt immer mal was an.“

          Frankfurter liebäugeln mit weiteren Messen in Südafrika

          Während noch die Vorbereitungen für die erste Automechanika in Johannesburg laufen, macht sich die Messe Frankfurt schon Gedanken über eine weitere Expansion in Südafrika. Bei einer Unternehmenspräsentation im Country Club von Johannesburg bejahte Geschäftsführer Detlef Braun die Frage, ob Südafrika der richtige Standort für weitere Marken der Messe Frankfurt GmbH sei. Nach seinen Worten kommen besonders die Themen Sicherheit, Kosmetik und Transport/Logistik in Frage. „Es gibt derzeit aber keine konkreten Projekte“, sagte er. Allerdings liefen „Gespräche“. Als Standort für Marken der Messe Frankfurt, die 2008 laut Braun erstmals mehr als 100 Millionen Euro im Ausland erlösen will, könnte auch Tokio in der nahen Zukunft dazukommen. Wie Braun weiter sagte, erhofft sich die Frankfurter Messe bei der Premiere der Automechanika in Südafrika rund 250 Aussteller und 8000 Besucher.

          Der südafrikanische Partner der Frankfurter, das Unternehmen Dogan Trading, ist dabei zuversichtlich, die Ziele zu übertreffen. Bisher ist etwa die Hälfte der 18.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche vermietet, wie Philip Otto von Dogan Trading sagte. Die Südafrikaner veranstalten die Automechanika als Lizenznehmer, während die Frankfurter diese Messe andernorts in Eigenregie organisieren. Dogan Trading interpretiert die Lizenz als ein „Zeichen großen Vertrauens in unsere Wirtschaft“, wie Vorstandsmitglied Andrew Mthembu hervorhob. Die Automechanika sei die erste Fachmesse dieser Art, die das Unternehmen überhaupt veranstalte. Dabei kämen Dogan Trading die Erfahrung und die Kontakte in die Zuliefererbranche zugute, die Otto bei der Messe Auto-Africa gewonnen habe. (thwi.)

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