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Messe : Messe Frankfurt steigert Umsatz und Gewinn

Rechnet mit weiterem Wachstum: Messechef Michael von Zitzewitz Bild: picture-alliance/ dpa

Die Messe Frankfurt hat im vergangenen Jahr zum ersten Mal mehr als 400 Millionen Euro Umsatz erzielt. Wachstumstreiber ist nach wie vor das Auslandsgeschäft, berichtete der Vorsitzende der Geschäftsführung, Michael von Zitzewitz.

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          Das Auslandsgeschäft ist weiterhin der Wachstumstreiber bei der Messe Frankfurt GmbH. Wie Michael von Zitzewitz, Vorsitzender der Geschäftsführung, berichtete, hat das Unternehmen im vergangenen Jahr 22 Prozent seines Umsatzes und sogar 45 Prozent des operativen Ergebnisses in anderen Ländern erwirtschaftet.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Die Gesellschaft hatte schon vor Jahren damit begonnen, in anderen Ländern Messen nach Frankfurter Vorbild zu organisieren. Die Automechanika zum Beispiel, die alle zwei Jahre in Frankfurt stattfindet, wird in ähnlicher Form unter anderem in Istanbul, Schanghai und Buenos Aires veranstaltet – zum Teil mit den gleichen Ausstellern, zum Teil mit anderen.

          Zuwachs 2006 vor allem im Ausland

          Vor allem wegen des wachsenden Auslandsgeschäfts erzielte die GmbH im vergangenen Jahr mit 406 Millionen Euro abermals einen Rekordumsatz. Fünf Jahre zuvor waren es gerade einmal 318 Millionen gewesen. Auch für dieses Jahr rechnet Zitzewitz mit einem Anstieg, den er auf drei bis fünf Prozent bezifferte.

          Während die Umsätze seit langem stetig wachsen, war dies beim Jahresüberschuss einige Zeitlang anders gewesen. Nach einem Hoch mit 28 Millionen Euro 2001 war der Überschuss binnen zwei Jahren bis auf zehn Millionen Euro gesunken, was damals mit den ständigen Investitionen in das Messegelände und mit der Notwendigkeit höherer Aufwendungen für das Marketing begründet worden war. Seit 2003 steigt der Jahresüberschuss allerdings wieder. Mit 27,5 Millionen Euro wurde im vergangenen Jahr der Wert von 2001 nahezu wieder erreicht. Das operative Ergebnis (Ebitda) war 2006 mit 102,3 Millionen Euro sogar höher denn je.

          Wie in den vergangenen Jahren schüttet das Unternehmen 13 Millionen Euro an seine Anteilseigner aus; den Besitzverhältnissen entsprechend gehen sechs Zehntel davon an die Stadt Frankfurt, vier Zehntel an das Land Hessen. Anders als den Umsatz 2007 mochte Zitzewitz den Gewinn des laufenden Jahres nicht prognostizieren.

          Messe nutzt China als Wirtschaftsmotor

          Im Gegensatz zu früheren Jahren vermied Zitzewitz bei der Bilanzpressekonferenz weitgehend Aussagen zu seinen Plänen für Kooperationen mit anderen Unternehmen bis hin zum Einstieg privater Anteilseigner. Es gebe nichts dazu zu berichten, meinte er lediglich, verwies aber darauf, dass im Ausland anders als in der Bundesrepublik eine Konsolidierung der Branche begonnen habe. Der Zusammenschluss verschiedener Messegesellschaften in Paris und das Wachstum anderer Konzerne im Ausland hat dazu geführt, dass Frankfurt in der Tabelle der größten Unternehmen der Branche von Platz zwei auf Platz fünf gerutscht ist, wie der Messechef berichtete. Leider sei die Messe Frankfurt von der Neuordnung in Paris ferngehalten worden, bei der sie gerne eine Rolle gespielt hätte. Zustande gekommen ist im vergangenen Jahr eine Kooperation mit dem Messeplatz Rom. 2008 soll es auch dort eine Automechanika geben.

          Vielleicht komme die Konsolidierung auch einmal in Deutschland an, meinte Zitzewitz weiter. Während die vermieteten Standflächen über alle Standorte in der Bundesrepublik hinweg gesehen seit Jahren stagnierten, steige die Zahl der Messehallen immer weiter. Entsprechend schwierig sei ein Wachstum in Deutschland. So gebe es praktisch Messen zu allen denkbaren Themen.

          Nach wie vor setzt Zitzewitz seine Hoffnungen vor allem aufs Ausland. Die Umsätze dort sind allein von 2003 bis 2006 um vier Fünftel gestiegen. Fast die Hälfte wird in Asien, namentlich in China, erzielt. Alles in allem wurden im Ausland im vergangenen Jahr 60 Messen organisiert, davon 21 zum ersten Mal. Anderseits sind auch die Messen in Frankfurt immer mehr internationale Veranstaltungen. So kommen inzwischen sieben Zehntel der Aussteller und vier Zehntel der Besucher aus fremden Ländern. Führend sind dabei Unternehmen aus der Volksrepublik China, auf Platz zwei liegt Italien, auf Platz drei Taiwan.

          Beträchtliche Investitionen in das Messegelände

          Geschäftsführer Michael Peters berichtete, dass die traditionellen Aussteller die Konkurrenz aus Fernost nicht immer gerne sähen, doch sei Frankfurt eben ein internationaler Messeplatz. Allen Seiten gerecht zu werden, sei ein „Tanz auf des Messers Schneide“. Dass die Aussteller und Besucher ein gewichtiges Wort mitreden, hatte sich zuletzt bei der Verlegung der Herbstmesse „Tendence Lifestyle“ in den Sommer gezeigt. Diese Veranstaltung, die älteste Messe Frankfurts überhaupt, war zuletzt vielen zu spät gewesen, um noch für das Weihnachtgeschäft zu ordern. Sie findet vom nächsten Jahr an im Juni statt.

          Das Messegelände in Frankfurt wird unterdessen weiter modernisiert. Zitzewitz zufolge ist für September die Grundsteinlegung für die Halle 11 geplant, die zur Internationalen Automobil-Ausstellung 2009 fertiggestellt sein soll. Schon zur diesjährigen IAA werde das neue Frachtzentrum fertig sein, für Mitte Juli sei überdies die Eröffnung der neuen Rampe zur Emser Brücke geplant. In wenigen Tagen beginne schließlich die Ausschreibung zur Neugestaltung des Vorplatzes vor der Festhalle.

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