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Messe Frankfurt : Schwierige Suche nach einem neuen Messechef

Vertrag bis Ende 2010: Messechef Michael von Zitzewitz Bild: dpa

Professionell, verschwiegen, effizient - so stellt man sich die Mitglieder einer Kommission vor, die einen Geschäftsführer für die wichtigste und größte Messegesellschaft der Republik sucht. Spätestens seit vergangener Woche steht fest: In Frankfurt ist das anders.

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          Professionell, verschwiegen, effizient – so stellt man sich die Mitglieder einer Kommission vor, die einen Geschäftsführer für die wichtigste und größte Messegesellschaft der Republik sucht. Spätestens seit vergangener Woche steht fest: In Frankfurt ist das anders. Da berichtete die „Bild“-Zeitung, die Stadt, die 60 Prozent der Messe-Anteile hält, habe dem Chef der Leipziger Messe, Wolfgang Marzin, einen Entwurf für einen Sechs-Jahres-Vertrag geschickt. Eine Stellungnahme der Stadt blieb zunächst aus. Gestern dann sagte ein Sprecher der Kämmerei, die für die Beteiligungen der Stadt zuständig ist: „Dazu kann ich nichts sagen.“

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dass während einer vertraulichen Verhandlung solche Details an die Öffentlichkeit gelangen, wirft ein schlechtes Licht auf Frankfurt und vor allem auf die Findungskommission, der die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) federführend angehört. Zu dem Gremium zählen ferner der hessische Finanzminister Karlheinz Weimar (CDU) – das Land hält die übrigen 40 Prozent an der Gesellschaft –, Michael Endres, Vorstandsvorsitzender der Hertie-Stiftung, und Bernd Ehinger, Präsident der Handwerkskammer Rhein-Main; Hilfestellung leistet die Personalberatung Deininger.

          Roth hat Vorschlagsrecht für Nachfolger

          So heikel ist die Situation nach monatelanger Suche mittlerweile geworden, dass sich Roths Büro zu dem Thema überhaupt nicht mehr äußert. Der nunmehr vorgeschickte Sprecher der Kämmerei gibt nur Gestanztes zum Besten: „Die Gesellschafter werden rechtzeitig zum Ausscheiden von Herrn Zitzewitz eine Lösung präsentieren.“ Der Vertrag von Michael von Zitzewitz, seit mehr als zehn Jahren an der Spitze der Messe, endet am 31. März nächsten Jahres.

          Zu hören ist in der Stadt nun vielerlei. Zitzewitz, so raunen manche im Römer, wolle weitermachen und unternehme allerhand, um sein Ziel zu erreichen. Die Oberbürgermeisterin hingegen, die als Repräsentantin des Mehrheitseigners Stadt das Vorschlagsrecht für einen Nachfolger hat, wolle ihn nicht länger beschäftigen. Das gilt dem Vernehmen nach auch für Michael Peters, dessen Vertrag Ende Juni ausläuft. Anders als der bald 65 Jahre alte Zitzewitz hat Peters die Pensionsgrenze noch nicht erreicht – er ist erst 60 Jahre alt.

          Kontakte zu Verbänden und Unternehmen

          Der Geschäftsführung der Messe fehlt es nicht an Professionalität. Die Umsätze wachsen seit Jahren, als einziges Unternehmen der Branche in Deutschland führt sie regelmäßig Gewinne ab. Doch war immer wieder von Spannungen in der Geschäftsführung zu hören, zu der noch Detlef Braun und Uwe Behm zählen. Hinzu kommt, dass zwar das Auslandsgeschäft wächst, dass aber der Unternehmenssitz in Frankfurt zuletzt kaum noch durch Innovationen auf sich aufmerksam machte und Versuche mit neuen Messen sogar scheiterten.

          Anders als bei der Fraport AG wurde in der Messegesellschaft kein Kronprinz aufgebaut, der sich mit den Aufgaben hätte vertraut machen können. Dass sich der neue Chef in das stark von Kontakten zu Verbänden und Unternehmen abhängige Messegeschäft zunächst einarbeiten muss, wäre denn auch das stärkste Argument für eine eng befristete Vertragsverlängerung für Zitzewitz.

          Frankfurt ist Branchenprimus

          Ob die Messe in Zukunft von vier oder nur noch drei Geschäftsführern geführt werden soll, scheint dabei noch offen. Bevor Behm 2006 in die Geschäftsführung aufrückte, hatten dem Gremium auch nur Zitzewitz, Peters und Braun angehört. Roths Veto gegen eine Vertragsverlängerung für den Messechef steht offenbar fest, auch wenn in den Reihen der CDU manche weiterhin für Zitzewitz trommeln.

          Der Leipziger Messe-Chef Marzin ist erfahren. Der 45 Jahre alte Betriebswirt arbeitete bei Messegesellschaften in München und Düsseldorf, bevor er 2004 den Posten in Sachsen übernahm. Dass der Umsatz der Leipziger Messe GmbH mit 80,2 Millionen Euro nicht einmal ein Fünftel des von der Frankfurter Konkurrenz erzielten beträgt, spricht nicht gegen ihn – schließlich ist die Mainmetropole der Branchenprimus. Gleichwohl finden im Römer einige, er sei „zweite Liga“.

          Machtfragen

          Trotz dieser Einschätzung bekam Marzin offenbar den Entwurf eines Vertrags zugesandt – solch einen Schritt geht nur, wer auch mit einer Unterschrift rechnet. Im Römer fragt man sich allerdings, wer dieses sehr vertrauliche Detail der „Bild“-Zeitung gesteckt hat. Soll Marzin dadurch verhindert werden? Die entscheidende Frage lautet, wer davon profitieren würde.

          Wie zu hören ist, sind noch weitere Namen im Gespräch, nicht nur solche aus der Messebranche. Jemand soll nach langen Verhandlungen mit seinem bisherigen Arbeitgeber schließlich doch abgesagt haben. Doch die Zeit drängt. „Die OB managt schlecht“, sagt einer aus dem Römer. Schon lange habe er den Eindruck, dass es nicht darum gehe, für ein öffentliches Unternehmen den besten Mann zu finden. Stattdessen gehe es um Machtfragen. „Das Ganze läuft weder vertrauenerweckend noch professionell.“

          Kein Unternehmenswechsel

          Von dem auf diese Weise unverhofft ins Gespräch gebrachten Manager Marzin heißt es derweil nur, er habe einen Vertrag in Leipzig, und die Frage eines Unternehmenswechsels stelle sich für ihn derzeit nicht. Davon abgesehen bestätigt er aber immerhin, was im Römer niemand sagen will: dass man bei der Suche nach einem neuen Geschäftsführer der Messe Frankfurt tatsächlich auf ihn zugekommen sei.

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