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Messe Frankfurt : Messe in Indien auf Wachstumskurs

So sieht es auch in Frankfurt während einer Leuchtenmesse aus: das für drei Tage hergerichtete Messegelände Bild: Messe Frankfurt

Die Messe Frankfurt legt vor allem im Ausland zu – und zurzeit gerade in Indien. Nicht einfach, Messen in einer solch fernen Welt zu organisieren.

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          Wer in der indischen Hauptstadt eine Messe veranstalten will, muss zunächst einmal gut durchgreifen können. Das Messegelände in Delhi ist betagt, man könnte auch sagen: hinfällig. Und es ist ein bevorzugter Aufenthaltsort für Hunde, Katzen, Affen und Tauben. Wer also die Messehallen nutzen will, muss zunächst einmal die tierischen Bewohner für einige Tage verjagen und fortan auf Distanz halten. Und dann mit viel Farbe und Pappmaché die Hallen in einem Zustand versetzen, wie ihn Aussteller und Besucher schätzen.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Für das Team der Messe Frankfurt ist derlei inzwischen Routine. Die 115 Frauen und Männer, die der Konzern in Delhi und Bombay beschäftigt, lassen sich durch die speziellen Herausforderungen des indischen Alltags nicht aus der Ruhe bringen, auch nicht durch Hitze, Smog und Dauerstau. Im Gegenteil: Die Messe Frankfurt hat sich in den vergangenen Jahren als ein wichtiger Organisator von Messen auf dem Subkontinent etabliert. 20 verschiedene sind es inzwischen. Viele sind Ableger Frankfurter Schauen, die Heimtextil India zum Beispiel, die Sanitärmesse ISH India und die Automechanika New Delhi. Dieser Tage läuft in Delhi auf einigen provisorisch instandgesetzten Hallen die Light India. Auch sie hat eine große Verwandte in Frankfurt, die alle zwei Jahre stattfindende Fachmesse Light and Building. Immerhin aus sechs Ländern sind Aussteller nach Delhi gekommen, darunter allein 130 aus China und einer aus der Schweiz. Einige wenige deutsche Hersteller wie Osram sind über ihre indischen Partner oder Tochtergesellschaften vertreten.

          Messe Frankfurt organisiert bislang 90 Messen in China

          Die Messe Frankfurt ist auf ihr Engagement in Indien inzwischen so stolz, dass sie in dieser Woche Journalisten einlud, sich die Leuchtenmesse in Delhi einmal anzuschauen. Wolfgang Marzin, der Vorsitzende der Geschäftsführung des Konzerns, strich in der indischen Hauptstadt heraus, dass das Auslandgeschäft zuletzt nirgendwo sonst so stark gewachsen sei. Noch 2011 hatte man eine einzige Messe in Indien veranstaltet und lediglich zwölf Mitarbeiter beschäftigt.

          Alles in allem bleibt Indien aber noch weit hinter dem Engagement vor allem in China zurück. Dort werden von der Messe Frankfurt inzwischen an die 90 Messen organisiert. Der in Indien erzielte Umsatz in Höhe von zuletzt 7,5 Millionen Euro geht in der Gesamtsumme des Konzerns, die 2015 bei 648 Millionen Euro lag, nahezu unter. Aber das muss ja nicht so bleiben. Als Landeschef hat man einen Briten mit indischen Ursprüngen gewonnen, Raj Manek, dessen wichtigstes Ziel nach den Aufbaujahren nun ist, die vorhandenen Messen weiter wachsen zu lassen. Denn auch dies ist festzuhalten: Im Vergleich zu Frankfurt sind die Schauen in Indien noch klein. Auf der Leuchtenmesse präsentieren sich gerade 275 Unternehmen. Bei der Light and Building im März in Frankfurt waren es nahezu zehnmal so viele. In Delhi schaut man lieber auf die Zuwachsraten: Vor sechs Jahren waren gerade einmal 140 Unternehmen zu der dortigen Leuchtenmesse gekommen. Von solchem Wachstum können die Kollegen in Frankfurt nur träumen.

          Überhaupt ist der Blick in Indien fest in die Zukunft gerichtet. „The sky is the limit“, sagt der indischen Energieminister Piyush Goyal bei seinem Besuch auf der Leuchtenmesse. Der tatkräftige junge Mann redet der heimischen Industrie ins Gewissen, ihre Produkte billiger zu machen, so dass sie auch große Verbreitung finden und droht kurzerhand, andernfalls die Einfuhrzölle zu senken und damit die heimischen Hersteller dem rauhen Wind des Weltmarktes auszusetzen. Es ist eine Aufbruchstimmung zu spüren, aber nicht nur beim Blick auf das in die Jahre gekommene Messegelände Delhis ist klar: Indien hat noch eine weiten Weg vor sich.

          Ein starkes zweites Bein in Asien

          Die Messe Frankfurt will diesen Weg auf jeden Fall mitgehen. Vor mehr als 20 Jahren haben die damaligen Manager den Weg ins Ausland eingeschlagen, wo der Konzern inzwischen fast vier Zehntel seines Umsatzes erwirtschaftet. Marzin wird nicht müde zu betonen, dass Messen in der Ferne nicht nur Geld bringen, sondern auch dem Standort Frankfurt helfen. Das zeigt sich am sinnfälligsten an der Automechanika, einer Messe für Zulieferer und Werkstätten, die inzwischen an 15 Orten auf dem Globus organisiert wird: Im Idealfall zeigt ein lokaler Aussteller seine Produkte zunächst auf der Automechanika in seinem Heimatland, kommt dann aber auch nach Frankfurt, um auch hier um Kunden zu werben. Das gelingt auch schon in Indien, aber wie so vieles dort ist auch diese Zahl noch ausbaufähig: Zwei Dutzend Unternehmen hätten bisher den Sprung von einer Messe in Indien zu einer in Frankfurt geschafft, berichtet Manek.

          Aber all das ist ja nur eine Zwischenbilanz. „Wir wollen ein starkes zweites Bein in Asien haben“, sagt Marzin. „Wir wollen vornedran sein bei der Entwicklung des Marktes.“ Dafür müssen seine Mitarbeiter dann eben gelegentlich auch Affen und Hunde aus dem Weg schaffen.

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