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Messe Frankfurt : Konstanter Faktor

Mehr als 350.000 Menschen haben bislang die weltgrößte Automesse IAA 2011 besucht. Bild: dpa

Erst die IAA, danach die Buchmesse. In diesen Wochen sind Hunderttausende auf dem Frankfurter Messegelände, die Stadt ist voll. Und doch: Das Geschäft in Frankfurt stagniert.

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          Kaum ist das eine Spektakel zu Ende, beginnt schon die nächste Show. Nur 16 Tage liegen zwischen dem Abschluss der Internationalen Automobil-Ausstellung am Sonntag nächster Woche und der Eröffnung der Buchmesse am 12. Oktober. Aber Messebauer kennen es nicht anders. Auch Anfang Februar ballt es sich in jedem Jahr. Zwischen der Herbstmesse und der IAA lagen sogar nur 13 Tage. Und bis Weihnachten folgen noch vier weitere Ausstellungen.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Frankfurt, die Messestadt. Vergessen ist das aufregende Jahr 2003, als der damalige Buchmesse-Chef Volker Neumann mit einem Umzug seiner Veranstaltung nach München liebäugelte und damit die Mainmetropole wochenlang in Aufregung versetzte. Das Hin und Her, bei dem am Ende Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth und der seinerzeitige Ministerpräsident Roland Koch (beide CDU) die Bleibeverhandlungen an sich zogen, endete zunächst mit einer Vertragsverlängerung bis 2010. Inzwischen hat sich die Buchmesse für noch weitaus längere Zeit an Frankfurt gebunden. Vor zwei Jahren einigte man sich darauf, dass sie bis 2022 bleibt.

          IAA bis 2019 in Frankfurt

          Auch die IAA ist auf mittlere Sicht für Frankfurt gesichert. Zwar ist ihr Ausrichter, der Verband der Automobilindustrie, im Februar vergangenen Jahres nach Berlin gezogen. Doch die IAA wird nicht dorthin gehen und auch nicht anderswohin. Im März 2011 wurde vereinbart, dass die Autoshow bis 2019 in Frankfurt veranstaltet wird. „Wir wollen Planungssicherheit für die Aussteller und uns selbst“, sagte Verbandspräsident Matthias Wissmann damals. „Durch die Modernisierung der Messe finden wir in Frankfurt genau das Angebot, das wir brauchen.“

          In der Tat hat sich die Frankfurter Messegesellschaft, der die Hallen gehören, in den vergangenen Jahren erheblich gestreckt, um es den Automobilkonzernen recht zu machen. Die 2001 eröffnete Halle 3 wurde in erster Linie für VW gebaut. Die Halle 11 musste 2009 rechtzeitig zur IAA fertig werden, damit BMW endlich sein Dasein in einem Zelt beenden konnte. Jeder in der Messe Frankfurt GmbH weiß: Buchmesse und IAA dienen in erster Linie dem Prestige, nicht dem Geldverdienen.

          Ungewöhnlich sind beide Ausstellungen. Zum einen ist bei diesen Großveranstaltungen ausnahmsweise auch einmal das Publikum zugelassen - zu den meisten anderen Messen in Frankfurt haben nur Fachbesucher Zutritt. Zum anderen ist die Messe Frankfurt GmbH bloß Vermieterin der Hallen - Veranstalter aber sind die jeweiligen Branchenverbände. Die meisten der Fachmessen hingegen werden von der Messegesellschaft selbst organisiert. Schon deshalb hat man noch nie von Umzugsplänen zum Beispiel der Frühjahrsmesse gehört, zu der zuletzt 4400 Unternehmen aus 86 Ländern nach Frankfurt reisten, um ihre neuesten Töpfe, Tassen oder Tischdekorationen zu zeigen. Die Ambiente, so der offizielle Name, gilt als größte Konsumgütermesse der Welt.

          Messen zum Nulltarif

          Doch auch wenn bei solchen Messen keine Abwanderung droht: Konkurrenz gehört auch dort zum Geschäft. So finden Textilmessen, früher eine Domäne Frankfurts, heute vornehmlich im Fernen Osten statt. Bei Konsumgütermessen ist Frankfurt nicht alleine - eine der wichtigsten Konkurrentinnen ist die Canton Fair in Frankfurts chinesischer Partnerstadt Guangzhou. In der Sanitär-, Heizungs- und Klimabranche wiederum gilt die Frankfurter ISH als weltweit führend.

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