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Merck-Chef Stefan Oschmann : Schluss mit Jogginghose

Sieht auch positive Corona-Effekte: Merck-Chef Stefan Oschmann Bild: Marcus Kaufhold

Die 107. Folge der „Wirtschaftsgespräche am Main“ ist die erste nach der Corona-Pause – und findet in der Jahrhunderthalle statt. Dort berichtet Merck-Chef Oschmann, was er aus der Krise gelernt hat.

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          Janis Joplin, Jimi Hendrix, The Doors. Annegret Reinhardt-Lehmann kommt ins Schwärmen. Echte „Gänsehautmomente“ seien das gewesen, erinnert sich die Geschäftsführerin der Wirtschaftsinitiative Frankfurt/Rhein-Main, als sie diese Musiker einst in der Jahrhunderthalle in Frankfurt-Höchst erlebte. Für solch einen Gänsehautmoment werde doch sicher nun auch der Merck-Vorstandschef Stefan Oschmann sorgen, oder?

          Falk Heunemann
          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dabei sorgt schon die 25 Meter hohe Jahrhunderthalle selbst für solch einen Moment. Denn in diesen Ort traut sich nach sieben Monaten Unterbrechung die Wirtschaftsinitiative zu einem Wirtschaftsgespräch einzuladen. Zur Sicherheit wurden die diesmal nur rund 50 Gäste – darunter etwa der Bankier Friedrich von Metzler, Frankfurts Polizeipräsident Gerhard Bereswill und Matthias Martiné, Vorstandssprecher der Darmstädter Volksbank – nicht im Interconti-Hotel in Frankfurt, sondern in der weitaus luftigeren Jahrhunderthalle empfangen.

          „Wir Darmstädter sind ja immer ein bisschen eingeschüchtert, wenn wir in die große Stadt kommen“, kokettiert Merck-Manager Oschmann angesichts dieser geräumigen Atmosphäre. „Jetzt erst recht.“Dabei kennt er die Halle ganz gut, weniger freilich von Rockkonzerten, sondern von den alljährlichen Hauptversammlungen. Die diesjährige allerdings hatte der Dax-Konzern als Livestream abgehalten.

          Vor einer, wenn auch kleinen Menschenmenge zu stehen sei für ihn inzwischen ungewohnt, sagt Oschmann. In Corona-Zeiten habe man sich schnell an Videokonferenzen gewöhnt, „oben Blazer, unten Jogginghose“. Wo er den Zweireiher mit Nadelstreifen für solche offiziellen Anlässe findet, hat er aber offensichtlich doch noch nicht vergessen.

          Profiteur der Krise

          Dresscodes sind aber noch das wenigste, was sich bei Merck durch die Covid-19-Pandemie geändert hat, ein Pharmaunternehmen, das nun das größte in Deutschland ist, größer also als die einstigen Konkurrenten Bayer und BASF. „Wobei die beiden uns ein bisschen entgegengekommen sind“, wie Oschmann über deren Kurseinbrüche frotzelt.

          Tatsächlich gilt Merck als Profiteur der Krise, im ersten Halbjahr hatte das Unternehmen ein Umsatzplus von zehn Prozent verzeichnet, wenn auch zum Teil durch Firmenübernahmen. „Uns hat die Krise nicht überrascht“, sagt der 63 Jahre alte Würzburger, der zusammen mit dem Microsoft-Gründer und Milliarden-Spender Bill Gates schon vor Jahren vor einer möglichen weltweiten Pandemie gewarnt hat. „Die Frage war nie, ob sie eintritt, sondern wann.“

          Der Konzern hat sich gleich in mehreren Geschäftsfeldern auf die Pandemie eingestellt. Der Pharmabereich zum Beispiel arbeitet an einem Mittel zur Behandlung von Patienten mit Covid-19-Lungenentzündung. Der Bereich Life Science ist Dienstleister für rund 50 Pharmaunternehmen, die an Impfstoffen und Arzneien forschen. „Wir haben da eine ähnliche Rolle wie der Zulieferer Bosch für die Automobilindustrie“, erläutert Oschmann. Und die Sparte Performance Materials liefere den Grundstoff für Halbleiter und Displays, nach denen die Nachfrage durch den Trend zu Homeoffice und virtuellen Konferenzen drastisch gestiegen ist.

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