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Merck-Chef Stefan Oschmann : Schluss mit Jogginghose

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Diese Veränderungen werden die Arbeitswelt auch nach Ende der Pandemie prägen, wie der Merck-Chef meint – wenn auch nicht so umfassend, wie es mitunter behauptet wird. „Wir haben 8000 Forscher bei Merck, die können nicht ins Homeoffice.“ Aber viele Unternehmen dürften die Zahl der Geschäftsreisen und Tagungen deutlich reduzieren, um Kosten zu sparen. Das habe unerwartete Effekte, berichtet der Konzernchef. Weil er sich nun dauerhaft in einer Zeitzone aufhalte, habe er nun deutlich mehr Zeit für Mitarbeitergespräche als früher. „Selbst meine Frau sagt, ich sei ein ganz anderer Mensch – wie früher.“

Doch auch die Gesellschaft ändere sich. Die große Mehrheit hat wieder mehr Vertrauen zu Wissenschaft und Forschung, hat Oschmann beobachtet. Zudem habe die Krise allen vor Augen geführt, wie wichtig ein gut ausgebautes Angebot an Kindertagesstätten und Schulen sei. Wenn er seine Forscher frage, was in Rhein-Main fehle, sagten sie nur „Kitas, Kitas, Kitas“. Und schließlich habe die Krise gezeigt, dass sich globale Herausforderungen nur global lösen ließen. Man könne sich gar nicht vorstellen, wie stark die Forscher derzeit grenzüberschreitend zusammenarbeiten würden, damit es baldmöglichst einen Impfstoff geben könne.

Dazu könnte es schon Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres kommen, ist der promovierte Veterinärmediziner überzeugt. Vielversprechend etwa sei die neuartige Technologie mit genetischen Botenstoffen namens mRNA, auf die das Mainzer Biotech-Unternehmen Biontech setzt. Dass dann aber schnell alle Bürger geimpft würden, glaubt er nicht. Nötig wäre es vor allem, Risikogruppen zu versorgen, also etwa das Personal in Kliniken und Pflegeeinrichtungen, oder Ältere. Das seien 30 Prozent der Bevölkerung.

Fleischloser Burger schmeckt wie 2,50 Euro

Es könnte sein, dass Oschmann dann nicht mehr Merck-Vorstandschef sein wird. Vor wenigen Tagen hat er seinen Abschied angekündigt, Ende April 2021 will er die Führung des Konzerns an die Spanierin Belén Garijo übergeben, seine jetzige Stellvertreterin und dann einzige Chefin eines Dax-Unternehmens.

Mindestens bis dahin wird er sich einen weiteren Zukunftsthema widmen. Er habe, sagt Oschmann, ja gar nichts gegen Fleisch, es schmecke ihm, und außerdem sei er Jäger. Aber 70 Prozent aller Äcker weltweit, referiert er, würden für die Tierzucht benötigt, die wiederum für ein Fünftel des von Menschen verursachten Kohlendioxidausstoßes verantwortlich sei. Die Alternative sei Fleischersatz. Der Darmstädter Konzern hat sich inzwischen unter anderem an dem niederländischen Start-up Mosa Meat beteiligt, das solches Kunstfleisch entwickelt.

Er habe mal solch einen fleischlosen Burger probiert, sagt Stefan Oschmann. 250.000 Euro habe der in der Entwicklung gekostet, „geschmeckt hat er wie 2,50 Euro“. Jüngere Konsumenten in Asien und Amerika würden das aber bevorzugen, wenn sie sich damit umweltfreundlicher ernähren könnten. Das zeige, dass das Klima nicht nur durch Verzicht, sondern mit technischem Fortschritt gerettet werden könne. „Wir brauchen nicht nur Fridays for Future, sondern auch Technologies for Future.“

Die „Wirtschaftsgespräche am Main“ sind eine Veranstaltung des Hotels Intercontinental Frankfurt, der Wirtschaftsinitiative Frankfurt/Rhein-Main, der Messe Frankfurt GmbH und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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