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Arbeitsmarkt : Mehr Druck auf Schwarzarbeiter

Der Zoll kontrolliert mögliche Schwarzarbeit auf einer Baustelle Bild: ddp

In Branchen wie dem Bau- und dem Reinigungsgewerbe oder der Gastronomie ist Schwarzarbeit weit verbreitet. Die Regionaldirektion Hessen will nun den Druck auf Schwarzarbeiter erhöhen.

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          Nachdem in Sachsen-Anhalt und Thüringen ein Test der Agentur für Arbeit den Verdacht genährt hat, dass ein größerer Teil von arbeitslos gemeldeten Bauarbeitern, Reinigungs- und Gastronomiekräften schwarz arbeiten, diskutiert auch die hessische Arbeitsverwaltung eine solche Aktion. Die Regionaldirektion Sachsen-Anhalt/Thüringen hatte zu einer einwöchigen Pflichtveranstaltung geladen, aber fast die Hälfte aller Arbeitslosen hatte sich lieber aus der Arbeitslosigkeit abgemeldet, als zu kommen.

          Jochen Remmert
          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Ende Juni wird diese Aktion auch Thema sein bei einer Besprechung der Regionaldirektion und der Geschäftsführer der örtlichen Arbeitsgemeinschaften, die sich um Arbeitslosengeld-II-Empfänger kümmern, wie Andreas Hoffmann, Bereichsleiter bei der Regionaldirektion Hessen, auf Anfrage sagte. Er warnte allerdings davor, den Anteil derer, die nicht zu der Pflichtveranstaltung gekommen waren, gleichzusetzen mit dem Anteil der Schwarzarbeiter: Das sei eine Annahme, aber nicht stichhaltig nachgewiesen.

          Sanktionen als Konsequenzen

          Es seien viele Gründe denkbar, weshalb sich jemand aus der Arbeitslosigkeit abmelde – beispielsweise auch der, dass ein Leistungsempfänger Vermögen verschwiegen habe. Tatsächlich liege in einem solchen Fall zwar möglicherweise ein Leistungsmissbrauch vor, aber keine Schwarzarbeit. Gleichwohl räumte Hoffmann ein, dass in Branchen wie dem Bau- und dem Reinigungsgewerbe oder der Gastronomie Schwarzarbeit verbreitet sei – aber nur schwerlich genau zu beziffern.

          Neu sei das, was die Regionaldirektion Sachsen-Anhalt/Thüringen versucht habe, aber nicht, meinte Hoffmann weiter. Leistungsempfänger regelmäßig zu Beratungsgesprächen und Qualifizierungen einzuladen gehöre in allen Agenturen unter dem Stichwort „Fordern“ zum Programm. Im Bezirk der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt/Thüringen habe die Arbeitsverwaltung lediglich Angehörige „anfälliger“ Berufsgruppen häufiger einbestellt als üblich.

          Grundsätzlich werde auch in Hessen auf diese Weise geprüft, ob der arbeitslos gemeldete Leistungsempfänger willig und nicht anderweitig tätig ist. Wenn Leistungsbezieher zumutbare Arbeit ablehnen, keine Eigeninitiative zeigen oder versäumen, sich zu melden, drohen auch hier Konsequenzen: Beispielsweise hatten im Mai 3,3 Prozent aller Bezieher des Arbeitslosengeldes II (gut 2900 von rund 89.500) eine Sanktion hinzunehmen – etwa geringere Leistungen, wie Hoffmann weiter sagte.

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