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Medien : Zweitausendeins: In der Nische wachsen statt Kosten senken

Das letzte Merkheft vor der Übernahme durch Kinowelt Bild: Repro F.A.Z.

Zweitausendeins setzt unter dem neuen Eigentümer Kinowelt nicht auf Sparen, sondern auf Expansion. Für das Wachstum in der Nische plant der Buch- und Medienversender eine größere Internetpräsenz und die Kooperation mit Buchhändlern.

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          Als das Faxgerät am Abend die Pressemitteilung ausspuckt, befinden sich manche Mitarbeiter von Zweitausendeins längst auf dem Nachhauseweg. So lesen sie erst am nächsten Morgen in der Zeitung vom Verkauf des in Frankfurt ansässigen Buch- und Medienversand-Unternehmens an die MK Medien Beteiligungs GmbH. Diese Gesellschaft gehört den Kinowelt-Gründern Michael und Rainer Kölmel. Wieviel beiden Zweitausendeins wert ist, bleibt ungenannt. Und mehr wissen die Beschäftigten in der Filiale des Frankfurter Unternehmens an der Hauptwache auch nicht über das am Dienstag bekanntgegebene Geschäft, wie zu erfahren ist. „Es ist noch keiner vorbeigekommen, um ein Kinowelt-Schild anzuschrauben“, sagt einer. Und fügt hinzu: „Man weiß ja nicht, ob das passiert.“

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Immerhin hat die Nachricht vom Verkauf des 1969 ins Leben gerufenen Versands durch die Gründer Luth Kroth und Walter Treutmann die Beschäftigten nicht gänzlich unvorbereitet getroffen. „Es war klar, es hat sich abgezeichnet“, berichtet ein Mitarbeiter. Vor rund vier Wochen sei schließlich die Nachricht umgelaufen, „daß es dazu kommen könnte“. Nun ist von einem gewissen Maß an Unsichrheit die Rede und von Unruhe. Allerdings heißt es auch. Zweitausendeins und Kinowelt paßten durchaus gut zusammen. Beide Unternehmen setzten nicht zuletzt auf anspruchsvolle Filme. „Wir warten ab, was passiert“, sagt der Mitarbeiter und sieht auch ein gemeinsames Ziel beider Unternehmen: „Die wollen Geld machen, und wir wollen das auch.“

          Es bleibt bei der 35-Stunden-Woche

          Doch steht aus Sicht der Beschäftigten die Frage im Raum, ob die 35-Stunden-Woche, die bei der Zweitausendeins Versand Dienst GmbH nach einem Rechtsstreit zwischen dem Betriebsrat und dem Unternehmen gilt, ebenso Bestand haben wird wie der Haustarifvertrag. Diese Übereinkunft sichert den Festangestellten Mitarbeitern höhere Gehälter zu, als sie nach dem Tarifvertrag für den Einzelhandel bekämen.

          Und dies wird auch bis auf weiteres so sein, wie Geschäftsführer Till Tolkemitt versichert, der das 150 Mitarbeiter zählende Unternehmen von Hamburg aus führt. Im Grunde werde sich im Geschäftsalltag wenig ändern: „Die Truppe bleibt gleich, die Gründer bleiben an Bord, und die Geschäftsführung bleibt auch.“ Die neuen Gesellschafter werden nach seinen Worten nicht in das operative Geschäft bei Zweitausendeins hineinregieren, das im vergangenen Jahr bei Erlösen von rund 40 Millionen Euro zu einer „schwarzen Null“ geführt hat. Daß unter dem Strich ein Verlust stand, war dem Aus die Logistik-Abteilung geschuldet, der 47 Arbeitsplätze zum Opfer gefallen sind: Dieser Schnitt, der mit einem Sozialplan verbunden war, hat „Sonderkosten“ in Höhe von zwei bis drei Millionen Euro nach sich gezogen, wie Tolkemitt berichtet.

          Internetpräsenz wird ausgebaut

          Weitere Stellen stünden bei dem Unternehmen aber nicht auf der Kippe, sagt er. Kosten zu sparen, sei nicht der Sinn der Übernahme durch MK Medien. Vielmehr lautet die Leitlinie für die Zukunft: „Wir wollen expandieren.“ Für das Wachstum in der Nische sieht Tolkemitt ein gutes Potential - im DVD-Vertrieb mit künstlerisch anspruchsvollen Filmen. Denn: „Bei Media-Markt können Sie keine Bergman-Filme kaufen, wie Kinowelt sie im Angebot hat.“ Die Expansion soll auf mehrere Beine gestellt werden. Zum einen eröffnen Zweitausendeins und Kinowelt-Tochter Filmgarten im Oktober eine gemeinsame Filiale in Leipzig. Zweitens will der Versand seine Internetpräsenz ausbauen. Und nicht zuletzt plant er, neue Katalogformate zu entwickeln und - mit unabhängigen Buchhändlern zusammenzuarbeiten. So wie die Büchergilde Gutenberg - „nur größer“.

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