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Matthias Buck : Vom BAP-Roadie zum Banker

Matthias Buck steht an der Spitze der Deutschen Bank in der Region Mitte: Bild: Marcus Kaufhold

Seit einem halben Jahr vertritt Matthias Buck die Deutsche Bank in der Region Rhein-Main. Auf der Agenda des gebürtigen Badeners stehen nicht nur Hilfskredite und Niedrigzinsen – sondern auch politische Grundsatzdebatten.

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          Metallica oder Mozart? Für Matthias Buck geht beides, je nach Stimmungslage. Der großgewachsene Mann mag die harten Klänge der amerikanischen Rockband ebenso wie die Melodien des Komponisten aus Salzburg. Dieses breite Spektrum ist, nicht nur musikalisch, charakteristisch für Buck, der seit einem guten halben Jahr bei der Deutschen Bank an der Spitze der Geschäftsleitung der Region Mitte steht, zu der auch Hessen und damit der Heimatstandort Frankfurt gehören. Denn wenn Matthias Buck über die Corona-Krise und ihre Herausforderungen spricht, reduziert er seine Aussagen nicht nur auf die üblichen Themen, also auf die Bank und die Finanzbranche, auf Hilfskredite und Niedrigzinsen. Die Agenda des gebürtigen Badeners, der seit 20 Jahren im Rhein-Main-Gebiet lebt, ist umfassender.

          Daniel Schleidt
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zwar waren für Buck die ersten Wochen nach Ausbruch des Coronavirus in Deutschland „die anstrengendsten meines Berufslebens“, wie der 48 Jahre alte Vater zweier Söhne sagt. Trotzdem ist es ihm wichtig, den Blick nicht auf das derzeit alles überragende Thema allein zu werfen, sondern deutlich darüber hinaus: Deutschland brauche eine Vision für Europa, eine geostrategische Agenda, einen bildungspolitischen und technologischen Masterplan und eine Idee für den Kampf gegen die Aushölung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, sagt er.

          Das klingt nach dem großen politischen Rad, an dem Buck dreht, ist aber lediglich Ausweis seines breiten Interesses. Trotzdem liegt sein Fokus in diesen Tagen auf der Transformation der Deutschen Bank und auf der Bewältigung der Krisenfolgen.

          Er hätte auch Journalist werden können

          Denn seit Ende Februar nehmen Unterlagen zur Corona-Krise den größten Teil seines Schreibtisches in Frankfurt ein. Mehrere tausend Kreditanfragen sind bei der Deutschen Bank seit Beginn der Corona-Krise eingegangen, die Zahl der Gespräche mit besorgten Unternehmen beträgt ein Vielfaches. „Das war teilweise sehr emotional“, sagt Buck. In vielen Unterredungen sei es um nichts weniger als die Existenz gegangen, „und das in den ersten Tagen quasi im Minutentakt“, sagt er. Für die Mitarbeiter sei das eine große Belastung gewesen, und doch habe Buck seinen Leuten immer wieder eingebleut, jetzt für die Kunden und ihre Nöte da zu sein, auch wenn das gelegentlich zu Überstunden führen werde.

          Obwohl die Folgen von Covid-19 den passionierten Skifahrer und viele andere Mitarbeiter fordern wie nie, sieht Buck in der Pandemie auch eine Chance für den Konzern, in den vergangenen Jahren verlorengegangenes Vertrauen wieder zurück zu erlangen.

          Matthias Buck hätte auch Journalist werden können, sagt er, als er seine Studienfächer Wirtschaft, Politik und Kommunikationswissenschaften aufzählt. Doch er wurde Berater, und zwar für Betriebe der Finanzindustrie. Im Jahr 2000 wechselte er zur Deutschen Bank, damals in einen Inkubator für junge Technologie-Start-ups, die heute Fintechs genannt werden. Knapp zwei Jahre später ging er in das Investmentbanking und kümmerte sich von 2005 an unter dem damaligen Vorstandsmitglied Jürgen Fitschen um die zentrale Steuerung der internationalen Regionen der Bank.

          Ausdauersport und Musik kommt zu kurz

          Nach fünf Jahren als Geschäftsleiter für die Region West in Köln kam er 2019 zurück in das Frankfurter Büro, wo er die Rolle des globalen Strategiechefs der Unternehmensbank übernahm. Zusätzlich ist er im Oktober 2019 zum Leiter der Unternehmensbank Mitte und zum Sprecher der Regionalen Geschäftsleitung Mitte ernannt worden, als Nachfolger von Tilman Wittershagen, der das Unternehmen der Bank zufolge verlassen hat.

          Bucks Doppelfunktion ist einmalig im Konzern, gibt dem selbsternannten Querdenker aber die Möglichkeit, globale und regionale Themen miteinander zu verbinden. Zumal, wie er sagt, sein internationaler Fokus derzeit auch stark auf Deutschland liegt, weil etwa die Integration der Postbank viel Aufmerksamkeit verlange.

          Dass kurz nach der Übernahme dieser Mammutaufgabe die Corona-Krise über die Welt hereinbrach, ist für Buck vor allem eine Herausforderung. Die Banken seien nicht mehr wie in der Finanzkrise Teil des Problems, sondern nun Teil der Lösung, das könne intern zu einem neuen Selbstverständnis führen. „Und damit meine ich ein selbstbewusstes Verhalten ohne Überheblichkeit“, hebt er hervor. Die arbeitsintensive Zeit des Managers lässt derzeit wenig Raum für Hobbys, berichtet er, der Ausdauersport komme ebenso zu kurz wie seine Liebe zur Musik. Die hat er übrigens einst mal als Roadie der Gruppe „BAP“ ausgelebt. Die Musik der Kölner Kult-Band dürfte sowohl von Mozart als auch von Metallica recht weit entfernt sein. Aber das passt ja ins Bild.

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