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Matratzen-Start-up wächst : Im Bett mal was riskieren

Manuel Müller (links) und Dr. Dennis Schmoltzi, Gründer und Geschäftsführer von Emma Bild: Emma – The Sleep Company/ Moritz Reich.

Der wohl einzige westliche Aussteller auf Chinas wichtigster Möbelschau CIFF war ein Start-up aus dem Bahnhofsviertel. Zwei Frankfurter haben einen der größten Matratzen-Onlinehändler aufgebaut – und wollen nun nach überall.

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          Wer in der chinesischen Stadt Guangzhou im Shangri-La-Hotel absteigt, wird zweifellos erwarten, geradezu paradiesisch gebettet zu werden. Nicht nur, weil Shangri-La ein mythisches Paradies auf dem Dach der Erde ist, im Himalaja. Sondern schlicht, weil das Hotel sich als Fünf-Sterne-Hotel bewirbt. Ein Blick aus dem Fenster jedoch lässt vermuten, dass das wahre Shangri-La in Hessen liegen muss. Denn vor dem Hotel hing jüngst ein etagenhohes Werbebanner für Emma, ein nicht mehr ganz so kleines Matratzen-Unternehmen aus Frankfurt.

          Falk Heunemann

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Start-up aus dem Bahnhofsviertel war offenbar der einzige westliche Aussteller auf Chinas wichtigster Möbelschau CIFF, die als eine der ersten Messen nach dem Corona-Lockdown wieder ihre Hallentore für Besucher öffnete. Dass andere westliche Unternehmen dort nicht zu sehen waren, war kaum überraschend – einreisende Aussteller mussten zwei Wochen vor und nach der Messe in Quarantäne. Dass es zwei Emma-Vertreter dennoch wagten, erfreute die Veranstalter so sehr, dass sie dem Start-up prompt die weithin sichtbare Werbung spendierten.

          Das Risiko, das die Emma-Chefs Manuel Müller und Dennis Schmoltzi eingingen, war dabei nicht so sehr, dass sie sich anstecken könnten. Die beiden vertrauten vielmehr ihren chinesischstämmigen Mitarbeitern in Frankfurt, dass sich das schon lohnen werde. Das sei ein „relativ opportunistischer Move“ gewesen, erinnert sich Müller. „Die beiden wollten ohnehin ihre Familien besuchen.“ Nebenbei würden sie in Schanghai auch noch eine Emma-Dependance eröffnen. Der chinesische Markt sei noch wenig erschlossen, sagt Müller. Bei diesem Rennen um die Schlafzimmer müsse man einfach dabei sein.

          Ein Albtraum, kein Erlebnis

          Dass ein paar Frankfurter Dreißigjährige auf ihren Matratzen sogar Chinesen betten wollen – wer hätte das noch vor wenigen Jahren gedacht? Wer damals eine Schlafunterlage brauchte, musste in Möbelhäuser, wo ein Berater gleich mehrere Dutzend angeblich völlig unterschiedliche Modelle referiert und für jedes einen stattlichen Preis fordert, oder in dunkle Vorstadtfilialen, die ständig „Alles muss raus“ schreien und unter Kunden Fluchtreflexe auslösen. Matratzenkauf war ein Albtraum, kein Erlebnis.

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          Der Markt ist nicht gerade attraktiv, der Umsatz der Branche fiel in den vergangenen Jahren von mehr als einer Milliarde auf 833 Millionen Euro. Die Hersteller reagieren darauf entweder damit, dass sie ihre Konkurrenten mit Klagen wegen angeblich falscher Werbeversprechen überziehen, oder sie bilden Kartelle. Das Bundeskartellamt hat mehrfach Millionenbußen gegen Hersteller verhängt.

          Das konnte aber offenbar Start-ups wie Emma nicht abschrecken. Sie boten plötzlich „One-Size-fits-all“-Modelle zu günstigen Preisen an, die versandkostenfrei in einer handlichen Box per Post kamen. Aussuchen und bestellen konnte man sie bequem von zu Hause aus im Internet, schließlich konnte man sie ja nach 100 Tagen zurückschicken. Und sie werben offensiv mit dem Siegel von Warentestern, die ihren Schlafunterlagen eine teils bessere Qualität bescheinigen als den Schaumquadern aus Möbelhäusern und etablierten Handelsketten.

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