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Deutscher Marketing Tag : Kreativwirtschaft als Standortfaktor

Hat viel vor: Claudio Montanini freut sich auf ein ereignisreiches Jahr mit dem Marketingclub Frankfurt. Bild: Esra Klein

Das Jahr 2017 soll für den Marketing Club ein besonderes werden. Der Verein richtet den Deutschen Marketing Tag aus – und erhofft sich Rückenwind für eine andere Idee.

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          Wenn es nach Claudio Montanini geht, wird man in einigen Jahren auf 2017 als das Jahr zurückblicken, das für den Marketing Club Frankfurt wegweisend war. Nach zehn Jahren ist der Verein wieder Gastgeber des Deutschen Marketing Tags, und Club-Präsident Montanini will die Veranstaltung am 23. November 2017 gleich in mehrfacher Hinsicht nutzen. Erstens plant er, das Treffen der Branche am Main auf einen neuen Level zu heben. Vor einigen Jahren nämlich sei die Veranstaltung mit 400 Gästen unter Wert verkauft worden, seitdem sei die Zahl der Besucher und die Qualität der Inhalte wieder gestiegen – zuletzt verzeichnete der Marketing-Tag in Leipzig gut 1000 Gäste. Montanini will diese Marke weiter stärken und rechnet im Herbst mit 1500 Besuchern im Kongresszentrum Kap Europa.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Auch für den Verein selbst, der mit derzeit 1000 Mitgliedern eigenen Angaben zufolge der größte der 66 Marketing-Clubs in Deutschland ist, erhofft sich Montanini eine Sogwirkung durch die Großveranstaltung, um so die Zahl der Mitglieder weiter ausbauen zu können. Zudem könne der Tag auch helfen, Frankfurt als Standort für Kreative bekannter zu machen.

          Talentierte Nachwuchskräfte anlocken

          Denn die Stadt habe immer noch das Image eines Finanzzentrums, sagt Montanini. Das sei zwar nicht schlecht. Dennoch glaubt der Geschäftsführer einer Kommunikationsagentur auch, dass eine Monokultur der Stadt langfristig nicht guttut. „Wenn Frankfurt sich zum Beispiel beim Werben um Banker nach dem Brexit mit Städten wie Paris vergleichen will, dann braucht es mehr“, findet er. Zum Beispiel eben die Kreativwirtschaft. Montanini ist überzeugt, dass nicht nur ein attraktiver Standort Kreative anziehen kann, sondern dass auch eine lebendige Kreativwirtschaft ein Standortfaktor ist, der allen anderen Branchen helfen kann, talentierte Nachwuchskräfte anzulocken.

          Die Initiative, im Frankfurter Hochhaus Pollux ein Zentrum für junge Finanztechnologie-Start-ups zu gründen, sei der richtige Weg, um sich auf einem Gebiet, in diesem Fall der Fintechs, zu positionieren und eine Anlaufstelle für eine wachsende Community zu schaffen. Etwas Ähnliches kann sich Montanini auch für die Kreativen vorstellen. Die Idee eines Kreativhauses in Frankfurt ist zwar nicht neu, und der Marketingexperte sagt auch, sowohl in der Wirtschaft als auch in der Politik gebe es niemanden, der einem solchen Projekt negativ gegenüberstehe. Deshalb antwortet er auf die Frage, ob ein solches Projekt 2017 nicht endlich realisiert werden müsste, auch ohne Umschweife mit „Ja“. Die Stadt verfüge längst über eine breite Basis an Werbetreibenden, Marketingexperten, Künstlern und anderen Kreativen. Bloß: „Es fehlt an einem zentralen Kristallisationspunkt, und den könnte man mit dem Kreativhaus schaffen.“

          Branche fit für die Zukunft machen

          Zum Beispiel im ehemaligen Polizeipräsidium. Das sei „ein hochspannendes Gebäude“, sagt Montanini, das für viele nicht lukrativ, für Kreative aber interessant sein könnte. In das Gebäude, in dem die Mieten auf weniger als zehn Euro gedeckelt sein sollten, könnten Agenturen als Mieter einziehen. „Ich sehe nicht, dass die Stadt viel investieren müsste, um das zu ermöglichen.“ Neben Büroräumen und Veranstaltungsflächen seien auch Gastronomie, Hotellerie und temporäre Arbeitsplätze vorstellbar. Der Vereinspräsident glaubt, er renne mit dieser Idee und dem Konzept für das Kreativhaus an sich, das schon länger vorliege, bei Stadt und Land nicht gegen verschlossene Türen. „Aber es hat auch nicht oberste Priorität. Doch wir müssen langsam den Hebel umlegen.“.

          Der Deutsche Marketing Tag könnte der Idee Schwung verleihen, zumal in Montaninis Augen das Thema Marketing derzeit eine kleine Renaissance erlebt. Er könne jedem jungen Menschen nur empfehlen, die Branche für die eigene berufliche Entwicklung zu wählen. „Sie hat Hochkonjunktur“, findet er, „aber auch Lernbedarf.“ Die Digitalisierung stelle ans Marketing besondere Herausforderungen. Das Berufsbild eines Marketeers habe sich in den vergangenen Jahren gewandelt, das Tempo der Veränderung und die daraus hervorgehende Komplexität der Aufgaben fordere und überfordere viele. Marketingmanager der Zukunft seien extrem vertriebsorientiert, müssten viele Kanäle im Blick behalten und von den Fähigkeiten her halbe IT-Experten sein.

          Doch aus dieser Vielfalt im Berufsbild leitet Montanini auch eine gewisse Existenzberechtigung von Vereinen wie dem Frankfurter Marketing Club ab. Denn ein fachlicher Austausch, wie er dort gepflegt werde, sei mit Blick auf den Wandel in der Branche heute von großer Bedeutung. Der Club habe die Aufgabe, die Branche „fit für die Zukunft zu machen“. Der Deutsche Marketing Tag soll dabei eine wichtige Rolle übernehmen.

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