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Energie : Mainova will sich an Mannheimer Versorger beteiligen

Die Mainova gehört zu 75,2 Prozent der Stadt Frankfurt Bild: dpa

Eine Verflechtung der beiden großen Energieversorger in Frankfurt und Mannheim ist im Gespräch. Die Mainova AG ist daran interessiert, sich mit ungefähr 16 Prozent an der MVV Energie AG zu beteiligen.

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          Zum zweiten Mal binnen zwei Jahren ist eine Verflechtung der beiden großen Energieversorger in Frankfurt und Mannheim im Gespräch. Wie es hieß, ist die Mainova AG daran interessiert, sich mit ungefähr 16 Prozent an der MVV Energie AG zu beteiligen, die Mannheim und Umgebung versorgt. Konkurrenten der Mainova bei dem Aktienpaket, das angeboten werden soll, sind die Kölner Rheinenergie und das dänische Unternehmen Dong.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Die Aktien wird entweder die Stadt Mannheim anbieten, indem sie ihren Anteil an der MVV von 66 auf knapp über 50 Prozent reduziert, oder sie werden mit einer Kapitalerhöhung auf den Markt gebracht. Die Anteile sollen jedoch auf jeden Fall an ein Unternehmen gehen, das mehrheitlich in kommunalem Besitz ist. Die Bedingung erfüllt die Mainova, die zu 75,2 Prozent Frankfurt gehört, allerdings auch die Rheinenergie, an der die Stadt Köln mit 80 Prozent beteiligt ist. Auch Dong gehört mehrheitlich Kommunen.

          Verhandlungen bereits vor zwei Jahren

          Mainova und MVV zählen beide zu den großen Regionalversorgern in Deutschland, sie stehen damit gemeinsam mit einigen anderen gleichsam in der zweiten Reihe hinter den vier maßgeblichen Konzernen Eon, RWE, EnBW und Vattenfall. Allerdings sind die Verflechtungen auch zwischen der ersten und zweiten Liga eng. So liegen 24 Prozent der Aktien der Mainova bei der Thüga, in welcher der Eon-Konzern seine Beteiligungen an Regionalversorgern gebündelt hat. An der MVV wiederum ist mit 15 Prozent die EnBW beteiligt, also ein anderer Konzern aus der ersten Reihe. An der Rheinenergie schließlich hält der Essener RWE-Konzern 20 Prozent. So würden im Falle einer Mainova-Beteiligung wie auch einer der Rheinenergie bei der MVV künftig indirekt zwei der Konzerne mitreden, was als ungewöhnlich gilt.

          Zwischen dem Frankfurter Energieversorger und dem Mannheimer Unternehmen hatte es bereits vor zwei Jahren Verhandlungen gegeben. Ausgelöst worden waren sie seinerzeit durch ein drittes, von dem aber derzeit nicht die Rede ist: der Energieversorgung Offenbach. Die MVV hält an diesem Unternehmen seit Jahren eine knappe Mehrheit der stimmberechtigten Aktien, und als die Stadt Offenbach überlegte, ihre Minderheitsbeteiligung zu verkaufen, sah es eine Zeitlang so aus, als könnten sich die Offenbacher, die Frankfurter und die Mannheimer über gegenseitige Beteiligungen aneinander binden. Dies scheiterte aber schließlich, weil weder die Kommunalpolitiker in Frankfurt noch die in Mannheim bereit waren, sich mit einer Minderheitsbeteiligung zufriedenzugeben, auf die es bei Überkreuzverflechtungen hinausgelaufen wäre.

          Mainova und MVV äußerten sich zunächst nicht

          Bei der jetzt in Rede stehenden Lösung blieben hingegen sowohl die Mainova als auch die MVV mehrheitlich in kommunalem Besitz. Für Frankfurt hatte Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) noch vor einer Woche festgehalten, die Stadt wolle auch in Zukunft bei ihren Unternehmen das Sagen haben. Auch in der Stellungnahme der Stadt Mannheim hieß es, es werde daran festgehalten, dass die MVV ein Unternehmen mit einem kommunalen Mehrheitsaktionär bleibe.

          Allerdings hieß es auch, die Wachstumsstrategie der MVV müsse konsequent fortgesetzt werden. Das Unternehmen ist das einzige Stadtwerk, das mit einem nennenswerten Anteil an Streubesitz börsennotiert ist, 18,8 Prozent der Aktien sind auf dem Markt. Die MVV hatte in den vergangenen Jahren an einer Reihe von Stadtwerken in Deutschland Beteiligungen erworben. Von der Mainova war keine Stellungnahme zu den neuen Plänen zu erhalten, auch bei der MVV äußerte sich niemand.

          Eine Beteiligung der Mainova an der MVV, der womöglich später einmal ein Zusammenschluss folgen würde, wäre einer der seltenen Fälle einer unternehmerischen Kooperation der Ballungsräume Rhein-Main und Rhein-Neckar. Die Chemiebranche, wiewohl in beiden Räumen stark, arbeitet kaum zusammen.

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