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Abkühlung gegen Hitze : „Ratzekahl, nichts mehr da“

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Abkühlung gegen die Hitze: Elektronikgeschäfte in der Rhein-Main-Region haben nur noch wenige Ventilatoren. Bild: dpa

Wer sich im heißen Zuhause von der sommerlichen Dauerhitze erholen will, sehnt sich nach Abkühlung. Doch Elektronikgeschäften gehen die Ventilatoren und Kühlanlagen aus.

          Wer glaubt, dass die vielbeschworene Überflussgesellschaft stets ihrem Begriff entspricht, der begebe sich dieser heißen Tage auf die Suche nach luftiger Abkühlung und stelle fest: Er findet sie nicht. Zumindest nicht im Laden. Nahezu alle Ventilatoren und Klimageräte in den großen Elektronikgeschäften und Baumärkten im Rhein-Main-Gebiet wurden offenbar aufgekauft, sogar die teuersten zu Preisen von mehreren hundert Euro. Das haben Stichproben dieser Zeitung ergeben.

          „Ratzekahl, nichts mehr da“, bekommt etwa zu hören, wer als Kunde in der Toom-Baumarktfiliale in Frankfurt-Bornheim anruft. „Die Hitzewelle hat uns alle überrollt“, sagt ein Mitarbeiter. In den umliegenden Zweigstellen sehe es ähnlich aus. Wann die nächste Lieferung eintreffe, sei nicht abzusehen. Die Produktion komme schlicht nicht hinterher.

          Vorräte sind aufgekauft

          Selbst auf der Frankfurter Zeil – Sinnbild für den scheinbar unerschöpflichen Konsum – gibt es keine verfügbare Ware mehr. Enttäuscht stellt der schweißgebadete Städter im Kaufhaus MyZeil fest, dass Saturn nicht der gleichnamige Planet ist, auf dessen Oberfläche Stürme bei unter Minus 100 Grad Celsius toben. Bei mehr als 35 Grad würde zwar schon die kleinste Brise erfrischen, doch auch die kann das Elektronikgeschäft nicht mehr anbieten. Nach Angabe eines Mitarbeiters waren gestern in der MyZeil-Filiale jedenfalls keine Ventilatoren und Klimaanlagen mehr vorrätig.

          Manch einer mag es über das Internet probieren. Doch selbst die Handelsplattform Amazon hat viele derartige Apparate kaum oder gar nicht mehr auf Lager. Immerhin erfährt man das unmittelbar oder erhält zumindest eine mehr oder weniger präzise Angabe darüber, ab wann sich das Lager wieder füllt. Der Online-Shop der Baumarktkette Obi zeigt „vorrätige“ Ventilatoren in der Filiale Offenbach an, die aber längst verkauft wurden. Die Bestände würden auf der Website nicht laufend aktualisiert, sondern erst am folgenden Tag, erklärt eine Mitarbeiterin dem Möchtegernkäufer. Zu Beginn der nächsten Woche gebe es wieder frische Ware, die weiterhin sehr gefragt sei.

          Man kann wegen der leeren Regale also nicht meinen, dass die Bevölkerung ausreichend versorgt ist. Der immensen Nachfrage entspricht das Angebot überhaupt nicht mehr. Weil der wesentliche Teil der Produktion im Zuge dessen, was gemeinhin als Globalisierung bezeichnet wird, mittlerweile in fernen Ländern stattfindet, vergeht trotz beschleunigter Transporte relativ viel Zeit, bis ein Gleichgewicht entsteht. Wenn überhaupt eines entsteht.

          Denn wer weiß, ob die Nachfrage in einer Woche noch so hoch sein wird. Man hat es in diesem Fall schließlich mit dem berühmten Wetter zu tun, das für unvorhersehbare Umschläge bekannt ist. Möglicherweise bersten die Regale bald vor Ventilatoren, die niemand kaufen will, weil der Sommer womöglich eine unsommerliche Wendung nimmt.

          Solch einen heißen Sommer habe ja niemand vorhersehen können, sagt der Mitarbeiter bei Toom. Dabei gab es schon einmal, im Jahr 2010, eine wochenlange Dauerhitze – und prompt einen bundesweiten Ventilatorenmangel.

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