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: Märchenzwerge, Schmetterlinge und Walflossen:

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Eine gute Frage: Warum, will ein Besucher wissen, werden die alternativen Euro-Entwürfe erst jetzt, fast zwei Jahre nach dem Start der Einheitswährung, gezeigt? "Man wollte Diskussionen vermeiden, ob ...

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          Eine gute Frage: Warum, will ein Besucher wissen, werden die alternativen Euro-Entwürfe erst jetzt, fast zwei Jahre nach dem Start der Einheitswährung, gezeigt? "Man wollte Diskussionen vermeiden, ob die genommenen Scheine wirklich die besten sind", sagt der österreichische Banknotendesigner Robert Kalina, dessen Entwurf sich 1996 durchgesetzt hat. Im Geldmuseum der Deutschen Bundesbank können Besucher 44 Vorschläge für die Euroscheine in einer Ausstellung ansehen und beurteilen, ob es Alternativen gab, die ihnen besser gefallen hätten.

          Bei der Eröffnung am Dienstag abend blieben diese Diskussionen weitgehend aus. "Ich bin froh, daß einige der Entwürfe nicht genommen wurden", sagt eine junge Frau und zeigt auf einen finnischen Versuch, bei dem der 20-Euro-Schein mit einer handgezeichneten Walflosse einer Greenpeace-Postkarte ähnelt.

          Bis der Rat des Europäischen Währungsinstitutes im Dezember 1996 den österreichischen Entwurf auswählte, mußte ein schwieriger Prozeß bewältigt werden. Peter Walter war Mitglied der Euro-Banknoten-Arbeitsgruppe und vertrat die Bundesbank bei den Verhandlungen mit den 13 anderen Ländern. "Daß die Geldscheine zum Beispiel unterschiedlich groß sein sollten, war nicht selbstverständlich", sagt er. Erst auf Druck der Blindenverbände habe man, anders als beim Dollar, unterschiedliche Größen gewählt.

          Die heutigen Euroscheine kommen, anders als die Noten bei fast alle vorherigen nationalen Währungen, gänzlich ohne Porträts aus. Die Bundesbank favorisierte ursprünglich Köpfe auf Scheinen, wich dann aber vom Plan ab. "Es war einfach nicht möglich, sich mit 14 Ländern auf sieben Personen zu einigen", sagt Walter, "Beethoven lehnten die Südländer ab, und Karl der Große war nichts für die Nordländer." Um weiterem Konfliktpotential aus dem Weg zu schaffen, verzichtete die Europäische Zentralbank soweit wie möglich auf Text auf den Scheinen. Juristen erachteten nur "EZB" und den Zahlenwert für nötig.

          Designer, jedes Land konnte drei stellen, wählten zwischen den Vorgaben "Abstrakt/Modern" und "Zeitalter und Stile in Europa". Obwohl die Richtlinien auch vorgeschrieben hatten, möglichst auf Porträts zu verzichten, sind auf einem Großteil der ausgestellten - nicht genommenen - Scheine Köpfe zu sehen. Eine 200-Euro-Note zeigt eine träumende Frau mit langen Wimpern, ein belgischer Entwurf erinnert mit zahlreichen Kinderabbildungen (ein Junge hat sein Käppi lässig verkehrt herum auf) an ein Familienalbum. Mit dem Fünf-Euro-Schein eines niederländischen Künstlers wird der Besucher in die Welt der Elfen und Feen versetzt: Die Note zeigt einen rotbemützten Zwerg, der mit gelber Blume in der Hand auf einem Schwan reitet.

          Derart skurrile Entwürfe sind dem Wettbewerbsgewinner Robert Kalina fremd. Er benutzte Brücken und Fenster als Symbole für Verbundenheit und Offenheit. Sieben Monate arbeitete er an seinem Vorschlag. Die entscheidende Idee, die Brücken und Fenster zu kombinieren, kam ihm erst kurz vor Ende des Wettbewerbs. "Deshalb habe ich eigentlich nur Skizzen abgegeben und nicht mit dem Gewinn gerechnet", sagt Kalina. Ob seine erdachten Brücken auch in der Realität halten würden, prüfte die Europäische Zentralbank: Vor dem Notendruck kontrollierte ein Brückenbauingenieur die Konstruktion. Ergebnis: Die Brücken, die jedermann in der Tasche trägt, würden halten.

          Axel Hildebrand

          Die Ausstellung "Der Euro im Entwurf" ist bis zum 10. Januar 2004 in Frankfurt im Geldmuseum der Deutschen Bundesbank, Wilhelm-Epstein-Straße 14, zu sehen. Mittwochs ist von 13 bis 21 Uhr geöffnet, an allen anderen Tagen von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist unentgeltlich.

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