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Lufthansa-Piloten : Die Topverdiener sitzen nicht im Cockpit

Gut dotierter Arbeitsplatz: Das Cockpit einer Lufthansa-Maschine Bild: Wolfgang Eilmes

Die Lufthansa-Piloten, die von Montag an streiken wollen, gehören zu den sehr gut verdienenden Gruppen, keine Frage. Topgehälter kassiert man aber nicht im Cockpit, sondern hinter Schreibtischen.

          62 000 Euro im Jahr, den variablen Erfolgszuschlag nicht mitgerechnet. Schon das Einstiegsgehalt für einen nach dem Lufthansa-Konzerntarifvertrag bezahlten Piloten, etwa Mitte zwanzig, liegt weit über dem durchschnittlichen Jahresbrutto in Deutschland. Das betrug den jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden zufolge 2008 bei den Dienstleistungen und im produzierenden Gewerbe für Vollzeitarbeitskräfte aller Altersgruppen gut 41 500 Euro.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Wenn man diesem Betrag schließlich noch das Jahresgehalt eines gestandenen Flugkapitäns entgegenhält, der nach dem Konzerntarifvertrag rund 110 000 Euro plus Erfolgszulage bekommt, wird erst richtig deutlich, dass Piloten bei der Lufthansa durchaus ansehnlich verdienen. Zumal ein berufserfahrener Kapitän irgendwann auch 250 000 Euro Jahresgehalt erreichen kann. Ein Kapitänsposten muss allerdings erst einmal frei werden. Bei der Lufthansa-Billigflug-Tochter Germanwings bewegen sich die Gehälter nach Auskunft eines Sprechers auf dem gleichen Niveau.

          Piloten keine Topverdiener

          Gleichwohl gehören die Piloten nicht unbedingt zu den Topverdienern, wie eine Vergütungsstudie der Berater von Kienbaum für das Jahr 2009 zeigt. Danach verdienen beispielsweise Vorstandsvorsitzende von Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern fünfmal so viel wie ein jüngerer Lufthansa-Kapitän. Ein Personalchef in einem Unternehmen mit bis zu 1000 Mitarbeitern kommt der Studie zufolge hierzulande auf knapp 120 000 Euro. Ein für die Finanzen verantwortlicher Manager in einem Unternehmen dieser Größe erhält rund 130 000 Euro im Jahr für seine Tätigkeit. Selbst wenn man von astronomischen Investmentbankereinkünften einmal absieht, bewegen sich die Gehälter der Lufthansa-Piloten demnach dann doch nicht in ganz so extremen Höhen.

          Gleichwohl ergeben sich gewaltige Unterschiede, wenn man die Entgelte für die Verkehrsflugzeugführer mit denen vergleicht, die beispielsweise Gebäudereiniger erhalten. Auf einer Vollzeitstelle mit 39 Arbeitsstunden in der Woche verdienen Männer und Frauen, die für saubere Büros und Geschäfte sorgen, in den westlichen Bundesländern nicht einmal die Hälfte des niedrigsten Einstiegsgehaltes eines Lufthansa-Piloten, der nach dem Konzerntarifvertrag bezahlt wird, nämlich rund 29 000 Euro. Gebäudereiniger im Osten Deutschlands müssen sich, je nach Bundesland, mit 21 500 Euro brutto begnügen.

          Piloten müssen Teil der Ausbildungskosten selbst tragen

          Allerdings ist beim Einheitsgehalt der jungen Lufthansa-Piloten auch zu berücksichtigen, dass sie erst einmal ein Drittel ihrer Ausbildungskosten, rund 60 000 Euro, von ihrem Einstiegsgehalt begleichen müssen. Einmal abgesehen davon, dass sie einen Job übernommen haben, der nicht nur ein nach wie vor herausragendes Image besitzt, sondern auch einen, der eine enorme Verantwortung und damit Belastung bedeutet.

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