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Frankfurter Flughafen : Lufthansa erntet heftige Kritik

Die Lufthansa will in Frankfurt auch nachts starten und landen dürfen Bild: dpa

Wegen der Forderung, jede Nacht 41 Starts oder Landungen am Frankfurter Flughafen genehmigt zu bekommen, ist die Lufthansa in die Kritik geraten. Die hessische SPD-Vorsitzende Ypsilanti sprach von einem „untragbaren“ Vorstoß.

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          Die Forderung der Lufthansa nach bis zu 41 Nachtflügen im Jahr 2020 allein für die eigene Flotte ist bei Landespolitikern auf zum Teil massive Kritik gestoßen. Ein Sprecher des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport äußerte, sein Haus habe das Nachtflugverbot selbst beantragt, um den Ausbau des Flughafens zu ermöglichen. Daran ändere auch die Äußerung eines Lufthansa-Vorstands nichts.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ministerpräsident Roland Koch und Verkehrsminister Alois Rhiel (beide CDU) wollten sich gestern nicht zu den Forderungen der Lufthansa äußern. Bei den Landtagsfraktionen von CDU und SPD stießen sie jedoch auf vehemente Ablehnung. Die Hoffnung der Lufthansa auf 41 nächtliche Flüge sei „jenseits von Gut und Böse“ und habe mit einem Nachtflugverbot nichts mehr zu tun, äußerte der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Fraktion und Generalsekretär der Partei, Michael Boddenberg.

          Dialogforum: Zahl deutlich zu hoch

          Die SPD-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Andrea Ypsilanti, bezeichnete die Forderung von Lufthansa-Konzernvorstand Stefan Lauer als „untragbar“ und „in höchstem Maße ignorant“. Sie forderte Ministerpräsident Koch auf, dem Ansinnen der Lufthansa entschieden zu widersprechen und sich nicht weiter von den Fluggesellschaften „am Nasenring durch die Arena ziehen“ zu lassen.

          Auch der FDP-Fraktionsvorsitzende Jörg-Uwe Hahn mahnte, dass das versprochene Nachtflugverbot in seiner Substanz erhalten bleiben müsse. Grünen-Fraktionschef Tarek Al-Wazir warnte vor einem „riesigen Betrugsmanöver zu Lasten der Bevölkerung“. Die Menschen in der Rhein-Main-Region sollten offenbar mit solchen Forderungen darauf vorbereitet werden, dass das immer wieder fest versprochene Nachtflugverbot wirtschaftlich und rechtlich nicht realisierbar sei. In diesem Fall müsse man aber auf den Bau einer weiteren Landebahn verzichten.

          Der Vorsitzende des Regionalen Dialogforums, Johann-Dietrich Wörner, nannte die Zahl von 41 „deutlich zu hoch“. Allerdings bestätige der Vorstoß seine Ansicht, dass es sinnvoll sei, beim Nachtflugverbot einige „unabweisbare Ausnahmen“ einzukalkulieren. Denn Gerichte könnten bei Klagen der Lufthansa oder anderer Fluggesellschaften gegen ein Nachtflugverbot gezwungen sein, solche Ausnahmen zuzulassen. Deshalb habe er die Zahl von maximal 15 Flügen in die Diskussion eingeführt. Wörner stellte gestern klar, dass für ihn längst nicht jeder wirtschaftlich sinnvolle Flug eine solche unabweisbare Ausnahme begründen könne. Das sei allenfalls dann denkbar, wenn andernfalls die Existenz eines Unternehmens bedroht sei.

          Momentan 60 Flüge pro Nacht

          Thomas Jühe (SPD), Bürgermeister der besonders vom Fluglärm betroffenen Stadt Raunheim, überraschen die Äußerungen des Lufthansa-Vorstands nach eigenem Bekunden „überhaupt nicht“. Im Kern gehe es um eine Abwägung der wirtschaftlichen Interessen von Unternehmen, die in Frankfurt auch Anspruch auf einen Bestandsschutz hätten, gegen das Recht auf Nachtruhe für die Bürger in den Anrainergemeinden. Jühe erwartet, dass letztlich nicht die Genehmigungsbehörde im Planfeststellungsverfahren, das Wirtschaftsministerium in Wiesbaden, den Ausschlag geben wird, sondern das Bundesverwaltungsgericht, das dann über Klagen der einen oder der anderen Seite zu entscheiden habe. Der Bürgermeister hält es für möglich, dass solchen Fluggesellschaften auch nach dem Ausbau noch für eine gewisse Übergangsfrist nächtlicher Flugverkehr in Frankfurt gestattet werde.

          Die Vereinigung der in Deutschland tätigen Fluggesellschaften, Barig, die rund 100 Mitglieder aus dem In- und Ausland zählt, plädierte für eine Lösung, die eine gewisse Zahl von Nachtflügen erlaubt. Von ihren Mitgliedern hätten rund 30 – ebenso wie die Lufthansa – Einwendungen gegen ein Nachtflugverbot geltend gemacht. Nicht alle wollten rund um die Uhr in Frankfurt starten und landen. Ein Ausbau sei aber nur dann wirklich sinnvoll, wenn die gewonnene Kapazität zu international sinnvollen Zeiten nutzbar sei – zu einem gewissen Teil also auch nachts.

          Momentan liegt die Zahl der Flüge in der Zeit von 23 bis 5 Uhr früh nach Angaben der Deutschen Flugsicherung im Durchschnitt bei bis zu 60, rund 20 Prozent entfielen dabei auf die Lufthansa. Außer ihr und deren Frachttochter starten und landen vor allem Airlines wie Condor, TUIfly, Air Berlin und Emirates in der Nacht.

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