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Luftfahrtmesse : Airtec will in Frankfurt wachsen

Ganz Spezielles auf der Airtec: Ein Dieselmotor für eine Drohne Bild: ddp

Die Airtec will sich als Zulieferermesse der Luftfahrtindustrie etablieren. Die Macher sind mit dem Debüt zufrieden, mancher Aussteller hat mehr Besucher erwartet.

          3 Min.

          Was das Rahmenprogramm betrifft, hat die Luft- und Raumfahrtmesse Airtec mit der Wasserung des legendären Flugbootes Do 24 auf dem Main auf Anhieb einen Höhepunkt im Frankfurter Messejahr 2006 gesetzt. Ob sich das Debüt der Fachmesse für die Zulieferindustrie der Branche in gleichermaßen spektakulären Auftragseingängen der Aussteller niederschlagen wird, müssen die nächsten Monate zeigen.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Mancher Teilnehmer hat zwar mit mehr Besuchern gerechnet, wie sich bei Nachfragen ergab, gelobt wird aber allenthalben die Organisation der Messe und vor allem die „Qualität“ der Besucher. Damit ist deren Entscheidungsbefugnis im eigenen Unternehmen gemeint. Und wenn es mit einem solchen Entscheider zu einem Gespräch kommt, dann ist das rasch sehr konkret und bereits „dicht am Geschäft“, wie Uwe Wötzel, Diplomingenieur beim CFK Erodierzentrum aus Kriftel verrät. Das Unternehmen mit 35 Mitarbeitern ist auf die hochpräzise Bearbeitung von Werkstoffen spezialisiert.

          „Zulieferer haben eine neue Heimat gefunden“

          Gut 10.000 Fachbesucher haben Diana Schnabel, Geschäftsführende Gesellschafterin der Airtec GmbH, und ihre Mitarbeiter seit dem Messestart am Dienstag gezählt. Die Zahl der Aussteller ist mit 500 ausgewiesen. „Es ist sehr gut gelaufen, die Zulieferer der Branche haben eine neue Heimat gefunden“, ist sich Schnabel sicher, die mit ihrer zweiten Gesellschaft, der Demat GmbH, bereits seit zwanzig Jahren Messen organisiert, beispielsweise die Euromold, eine Fachmesse für die Werkzeug- und Formenbauindustrie. Schnabel möchte der Airtec nach eigenem Bekunden denselben Stellenwert in der Luftfahrtbranche verschaffen, den die Automobilzulieferermesse Automechanika der Messe Frankfurt GmbH in der Fahrzeugbranche errungen hat. Die Automechanika gilt als Weltleitmesse.

          Das Erodierzentrum aus Kriftel ist nicht das einzige mittelständische Unternehmen aus dem Rhein-Main-Gebiet gewesen, das die Airtec als Möglichkeit zur internationalen Präsentation und Anbahnung neuer Kontakten nutzte. Die Lach Diamant GmbH aus Hanau, ein auf die Herstellung von Diamantwerkzeugen spezialisiertes Unternehmen, erhielt für ein neues Werkzeug zur Bearbeitung von modernen Verbundwerkstoffen, wie sie im Flugzeugbau immer öfter verwendet werden, eine Auszeichnung - neudeutsch Award genannt.

          Und schließlich war auch die börsennotierte Rücker AG aus Wiesbaden, die fast rund um den Erdball Ingenieurdienstleistungen anbietet, und beispielsweise auch an der Entwicklung des Airbus A380 beteiligt ist, mit einem Stand vertreten. Bei Rücker hatte man mit etwas mehr Besuchern gerechnet, zeigte aber Verständnis, da es sich schließlich um ein Debüt handele. Tatsächlich gilt unter Messeveranstaltern die Regel, daß die Frage, ob eine Messe den Aufstieg zu einer festen Größe in der Branche schafft, nicht nach der ersten Veranstaltung zu beantworten sei. Die Stunde der Wahrheit kommt demnach erst nach einigen Wiederholungen.

          Rhein-Main als Zentrum der Luft- und Raumfahrt

          Messeveranstalterin Schnabel ist jedenfalls zuversichtlich, daß sich ihr jüngstes Produkt entwickelt und wächst, im nächsten Jahr soll die Messe vom 23. bis zum 26. Oktober wieder in Frankfurt stattfinden. Schnabel hofft, dann noch mehr Aussteller und Besucher vor allem aus Asien und den Vereinigten Staaten von Amerika zählen zu können. Sozusagen als Service für den Mittelstand soll in Zusammenarbeit mit der Europäischen Union wieder ein Workshop Unternehmen dabei helfen, sich Förderungsmöglichkeiten in der EU zu erschließen. Schnabel hofft, daß das für manches Unternehmen ein Grund mehr sein könnte, einen Stand auf der Airtec zu mieten, für den in diesem Jahr knapp 200 Euro je Quadratmeter zu Buche schlugen.

          Obwohl die Airtec-Ausrichter ihre Messe als Ergänzung der großen Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung ILA sehen, unterstützt der Bundesverband der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie die Airtec nicht. Denn anders als die Airtec-Chefin sieht der Verband die Frankfurter Messe offenbar als Konkurrenzveranstaltung, nicht als Ergänzung, wie Schnabel sagt. Verbandsmitglieder hätten diese Vorbehalte nicht.

          Neben den Veranstaltern dürfte einer noch mehr als andere hoffen, daß die Messe eine Erfolgsgeschichte schreibt: Hartmut Schwesinger, Chef der Frankfurt-Rhein-Main GmbH, die die Region international vermarkten soll. Schließlich ahnte er früher als andere, daß Rhein-Main das Zeug zum Zentrum der Luft- und Raumfahrt haben könnte. Als Schwesinger dies Anfang vorigen Jahres zur Sprache brachte, hatte noch mancher die Stirn in Falten gelegt.

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