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Frankfurt : Luftfahrtmesse Airtec büßt Aussteller ein

Bei der Airtec 2008 in Frankfurt geht es vor allem um Verbundwerkstoffe. Hightechmaterialien, aus denen Flugzeuge gebaut werden Bild: AFP

Nach fast 500 Ausstellern zur Premiere vor zwei Jahren zählt die Aviation-Zulieferermesse in diesem Jahr noch 300. Es sei nicht entscheidend, wie viele Leute kämen, sondern welche, sagt die Veranstalterin.

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          Die Airtec soll nach dem Willen der Veranstalter einmal das für die Luftfahrt werden, was die Automechanika für die Autoindustrie schon ist. Doch bis die kleine Luftfahrtausstellung, die vom 11. November an für vier Tage die Halle 3 des Frankfurter Messegeländes belegen wird, zur weltweiten Leitmesse der Zulieferer der Luftfahrtbranche wird, wie es die Automechanika für die Autobranche ist, dauert es wohl noch eine Weile. Im vergangenen Jahr kamen rund 430 Aussteller, zur Premiere ein Jahr davor hatten noch 490 Unternehmen ausgestellt. In diesem Jahr sind es noch rund 300, wie die Veranstalterin, die Airtec GmbH, wissen lässt. Sie ist ein Partnerunternehmen der Frankfurter Demat GmbH, die seit Jahren die Frankfurter Euromold organisiert, eine Fachmesse für Formenbau und Werkzeuge.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Airtec-Geschäftsführerin Diana Schnabel sagt über die bislang hinter den ersten Erwartungen zurückgebliebenen Besucherzahlen der Airtec, dass nicht die bloße Zahl entscheide, sondern die Qualität der Besucher, und die sei von Beginn an bei der Airtec hervorragend gewesen. Teilnehmer bestätigen das. Beispielsweise Marcus Meier, Marketingleiter der Kuka Systems GmbH: „Auf der Airtec finden wir genau unsere Zielgruppen Hersteller und Zulieferer.“ Das Augsburger Unternehmen Kuka ist auf automatische Fertigungsprozesse spezialisiert, kommt aus dem Automobilbau, hat aber inzwischen auch die Luft- und Raumfahrt als Geschäftsfeld entdeckt.

          Unbemannte Flugobjekte

          Eigentlich stehen bei der Airtec in diesem Jahr moderne Verbundwerkstoffe, die Kerosin sparen helfen, neue Fertigungsverfahren und Komponenten für Flugzeuge im Mittelpunkt. Teil der Airtec wird aber auch diesmal die Sparten-Ausstellung UAV World sein, die im vergangenen Jahr erstmals veranstaltet wurde. Hinter dem Kürzel verbergen sich unbemannte Flugobjekte, Drohnen, die nicht nur, aber auch für militärische Zwecke genutzt werden. Das hatte 2007 einen von Pax Christi initiierten Protestflug weißer Tauben zur Eröffnung der Messe zur Folge und teils heftige Diskussionen im Römer. Die FAG, die Fraktion der Flughafenausbaugegner, wollte die Stadtverordnetenversammlung zu einem appellativen Beschuss gegen die Präsentation von Rüstungsgütern auf einer Frankfurter Messe bewegen.

          Die FAG war sich damals bewusst, dass der zu beauftragende Magistrat keine Durchgriffsmöglichkeit auf Entscheidungen der Geschäftsleitung der Messe Frankfurt GmbH hat, wie der FAG-Fraktionsvorsitzende im Römer, Rainer Rahn, sagt. Aber die FAG hatte auf eine Einflussnahme der Stadt als Miteigentümerin über den Aufsichtsrat gehofft. Doch daraus wurde nichts. Nur FAG, SPD, Linke und zwei Mitglieder der Freien Wähler BFF für Frankfurt stimmten zu, CDU, Grüne, FDP, Republikaner und NPD lehnten ab, der Antrag scheiterte.

          Rahn hält es aber für möglich, dass seine Fraktion auch in diesem Jahr wieder ein Signal gegen die Präsentation von Rüstungsgütern in Frankfurt zu setzen versucht. Da müsse man aber zuerst schauen, wie die Ausrichtung der Messe sei. Eine Schau von Rüstungstechnik schade dem Ruf des Messestandorts, meint Rahn.

          Militärisch nutzbare Technik spielt eine Rolle

          Dass bei der Drohnen-Schau militärisch nutzbare Technik eine Rolle spielt, bestreiten die Airtec-Ausrichter nicht. Unbemannte Fluggeräte dienten aber schließlich auch der Terrorbekämpfung in Afghanistan und anderswo. Andere dienten der Waldbrand- und Schädlingsbekämpfung sowie dem Umweltschutz, hebt Schnabel hervor. Überhaupt gehe es in diesem Jahr eher um die zivile Nutzung der Drohnen. Mag sein, dass auch deshalb die Rüstungssparten der beiden Konzerne EADS und Rheinmetall nach Auskunft der Airtec-Veranstalter nicht mehr mit dabei sind. Allerdings war dieser Teil der Airtec schon 2007 mit 22 Ausstellern und gut 100 Teilnehmern der begleitenden Konferenz ohnehin keine Großveranstaltung.

          Neu unter dem Dach der Airtec findet in diesem Jahr eine parallel veranstaltete Messe auf dem Flugplatz in Egelsbach namens Business Aviation World statt, für die ebenfalls Diana Schnabel verantwortlich zeichnet. Dabei geht es um Geschäftsreisen in kleinen Flugzeugen.

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