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Lotterie : Zahlenspiele an der Supermarktkasse

  • -Aktualisiert am

Glücksspieler können sich künftig den günstigsten Lottoanbieter frei aussuchen Bild: picture-alliance/ dpa

Der Weg für Annahmestellen privater Lottovermittler ist frei: Glücksspieler können ihre Lottoscheine voraussichtlich schon bald auch in Tankstellen und Supermärkten abgeben.

          Nach der Entscheidung des Bundeskartellamts, das staatliche Lotterie-Monopol zu lockern, werden Glücksspieler ihre Lottoscheine voraussichtlich schon bald auch in Tankstellen und Supermärkten abgeben können. Die Bonner Kartellbehörde hatte dem Deutschen Lotto- und Totoblock unter Androhung hoher Geldbußen untersagt, das Spiel weiterhin nur über die eigenen Annahmestellen und in den Grenzen eines jeweiligen Bundeslandes anzubieten.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Private Spielevermittler wie Faber, „Fluxx“, „Tipp24“ oder „Jaxx“ können daher künftig auch in Supermärkten und Tankstellen zur Teilnahme an staatlichen Glücksspielen animieren. Die Unternehmen bieten selbst keine Wetten an, sondern vermitteln Spieler bundesweit gegen Provision an die staatlichen Lotteriegesellschaften. Bisher durften sie ihre Kunden nur über das Internet, per Brief oder Telefon anwerben, Annahmestellen für die Tippscheine waren den staatlichen Gesellschaften vorbehalten.

          Der in Schleswig-Holstein ansässige gewerbliche Spielevermittler „Fluxx AG“ kündigte beispielsweise an, bis Ende nächsten Jahres einen Lottoservice in rund 2000 Tankstellen und Lebensmittelmärkten in ganz Deutschland zu offerieren. Als Kooperationspartner stünden unter anderem Edeka, Schlecker und die Fotokette Fotopoint in Aussicht, sagte ein Sprecher von „Fluxx“ auf Anfrage. Der Spielevermittler erhielte dann nicht mehr nur den ihm zustehenden Provisionsanteil, sondern auch eine Zusatzgebühr von etwa zehn Prozent des Spieleinsatzes.

          Erhebliche Preisunterschiede

          Wer seinen Tippzettel beim Einkaufen oder Tanken abgäbe, müßte also einen um diesen Prozentsatz höheren Preis zahlen. „Fluxx“-Sprecher Stefan Zenker erläuterte das System folgendermaßen: An kleinen Stehpulten liegen Blanko-Spielscheine, aber auch die zunehmend beliebter werdenden Formulare, auf denen bereits vom Computer ausgeworfene Zahlen angekreuzt sind.

          An der Kasse wird der Spielschein in ein spezielles Terminal eingeführt, das die Zahlenkombinationen einliest und an „Fluxx“ übermittelt. Der Kunde erhält eine Quittung, die beim Zahlen über den Scanner gezogen wird. Auf dem Einkaufsbon erscheinen neben den Preisen für alle anderen Artikel auch die Kosten der Lottoteilnahme. Gewinne bis 100 Euro könnten an der Supermarktkasse abgeholt oder gleich mit den Einkäufen verrechnet werden, sagt Zenker.

          Die Entscheidung des Bundeskartellamts hat aber noch weitere Konsequenzen. So können sich Glücksspieler künftig den günstigsten Lottoanbieter frei aussuchen und ihre Kreuze für „6 aus 49“ bei einer anderen Gesellschaft als der aus dem eigenen Bundesland machen. Bei den verschiedenen Ländergesellschaften gibt es nicht nur unterschiedliche Spielangebote, sondern auch erhebliche Preisunterschiede: So verlangen die Rheinland-Pfälzer 50 Cent Bearbeitungsgebühr je Tippschein, die Hessen 25 Cent, die Bremer nur zehn Cent.

          Staatliche Lotterien fürchten die Konkurrenz

          Die staatlichen Lotteriegesellschaften fürchten, daß die Konkurrenz in den Supermärkten und Tankstellen ihren rund 25.000 bestehenden Annahmestellen wirtschaftlich schaden wird. In den etwa 2200 hessischen Lottokiosken arbeiten nach Angaben der Lotterie Treuhandgesellschaft Hessen immerhin rund 10.000 Menschen. Die Ländergesellschaften des Deutschen Lotto- und Totoblocks haben denn auch umgehend Beschwerde beim Kartellsenat des Oberlandesgerichts Düsseldorf gegen die Verfügungen des Bundeskartellamts eingelegt.

          Die Zulassung eines eigenen Annahmestellennetzes von privaten Spielevermittlern werde den Glücksspielmarkt noch weiter „anheizen“, hieß es in einer Mitteilung des Lotto- und Totoblocks. Die staatlichen Lotterieanbieter hätten den Auftrag, „die Spielsucht zu bekämpfen und die Spielleidenschaft zu kanalisieren“. Nach den Vorstellungen der Bundeskartellbehörde würden suchtgefährdete Spieler künftig jedoch „aggressiven Vertriebsmethoden“ wie Telefonmarketing und Postwurfsendungen ausgesetzt.

          „Wir wollen nicht in Konkurrenz zu den staatlichen Annahmestellen auftreten, sondern das Lottospielen dort anbieten, wo es bisher gar nicht oder kaum möglich war“, sagt indes „Fluxx“-Sprecher Zenker. Ziel sei „ein optimales Ergebnis“ für alle Parteien. Im hessischen Finanzministerium hieß es lediglich, man nehme die Entscheidung des Bundeskartellamts zur Kenntnis und werde sie genau prüfen.

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