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Logistik : Postmarkt in Bewegung

Handsortiert: Briefe im Logistikzentrum Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die Zeitungsverlage bringen sich für das Auslaufen des Postmonopols in Stellung, der Postdienst Mainbrief ist insolvent, und die Post AG verwandelt Filialen in Agenturen.

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          Den Todesstoß soll Vodaphone der Mainbrief versetzt haben. Als der Mobilfunkkonzern im vorigen Oktober als Großkunde für den privaten Postdienst absprang, da wurde es für das Unternehmen eng. Ende Januar meldete es Insolvenz an. Jetzt steht ein Sanierungskonzept: Die Mainbrief wird sich auf das südöstliche Umland von Frankfurt konzentrieren und neue, „Servicepoints“ genannte Brief-Annahmestellen in Heusenstamm und Dietzenbach einrichten.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Aus Frankfurt will man sich dagegen zurückziehen. „Für vier Anbieter war der Markt einfach zu eng“, sagt Betriebsleiter Andreas Rohlfing. Frankfurt sei hervorragend als „Brief-Einsammel-Region“. Die Deutschland-Zentralen von Großunternehmen und die Banken generierten ein hohes Briefaufkommen, das jedoch nur selten als Zielregion wieder Frankfurt habe. Als regionaler Anbieter gebe man die Post nach auswärts dann an die Deutsche Post AG weiter - was sich aber, wenn es einen hohen Anteil des Geschäfts ausmache, nicht besonders lohne. Das sei in Wohnregionen im Umland, in denen es zudem weniger Konkurrenz gebe, anders.

          Die Verteilung der Frankfurter Post von Mainbrief hat nach der Insolvenz die TNT Post übernommen - eine Tochter der niederländischen Post, deren Postboten in der Firmenfarbe Orange unterwegs sind. Sie ist einer der großen Anbieter, die sich für das Auslaufen des Briefmonopols in Deutschland Ende 2007 rüsten. Zur Zeit tummeln diese sich am Rande des Monopolmarktes, bieten etwa Übernachtzustellung, taggleiche Zustellung oder Sendungsverfolgung als Leistungen jenseits des Monopols an.

          „Postmodern“

          Vor allem die großen Zeitungsverlage und Logistikfirmen sind es, die für die Liberalisierung des Postmarktes in den Startlöchern stehen. Mit der Pin Group ist in Frankfurt jene Gruppe präsent, unter deren Dach die Verlage Springer, Holtzbrinck und WAZ ein bundesweites Postnetz aufbauen wollen. An vier Kiosken im Frankfurter Stadtgebiet nimmt man derzeit Post entgegen, im Bahnhofsviertel ist die erste eigene Filiale geplant. Das regionale Verteilzentrum steht im Stadtteil Seckbach an der Flinschstraße.

          Die Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH hatte sich zunächst an dem privaten Postkonkurrenten „Postmodern“ beteiligt, war aber bereits 2004 aus dem Gemeinschaftsprojekt mit dem Logistikkonzern Fiege ausgestiegen. Vor allem das Abspringen der Stadt Frankfurt als Großkunde, das mit Qualitätsproblemen begründet wurde, soll der Firma zu schaffen gemacht haben. Zunächst hieß es, man stelle den Postbetrieb in Frankfurt ein.

          Im vorigen Sommer meldete die Osnabrücker Firma Bridge Tec, sie übernehme „Postmodern“ und wolle sie als „bluePost24“ weiterführen. Daraus wurde dann, unter gleichem Eigentümer, die „Mainbrief“. Das ganze erfolgte im Zuge eines Betriebsübergangs - mit der Folge, daß von den rund 90 Mitarbeiter zunächst keiner entlassen werden konnte, obwohl das Briefaufkommen schon zu diesem Zeitpunkt nicht gerade üppig gewesen sein soll. Später verloren mehr als 30 der Beschäftigten ihren Arbeitsplatz.

          Kostenstruktur

          Die Deutsche Post AG mit einem Marktanteil von rund 93 Prozent merkt diese Konkurrenten bislang offenbar kaum. Doch auch sie rüstet sich für einen möglichen Fall des Briefmonopols: unter anderem, indem sie auf eine schlanke Kostenstruktur achtet. In Frankfurt versucht sie gerade, vier Filialen in Postagenturen bei Einzelhändlern umzuwandeln. Für die Postniederlassungen im Westend (Grüneburgweg 58 bis 62), in Sachsenhausen (Hainer Weg 144), in Ginnheim (Ginnheimer Landstraße 118) und in Eschersheim (Rhaban-Fröhlich-Straße 1) werden Händler als Partner gesucht, wie ein Postsprecher bestätigte.

          Schon macht sich im Umfeld der Postfilialen Protest dagegen bermerkbar. „Die Filiale in Ginnheim liegt in einem Gebiet, in dem viele ältere Menschen wohnen“, schreibt etwa der Vorsitzende des Sozialausschusses der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung, Rudi Baumgärtner (SPD) in einem „Offenen Brief“ an die Post. Auch der Landtagsabgeordnete Boris Rhein (CDU), der seinen Wahlkreis betroffen sah, forderte in einem Brief: „Die Deutsche Post muß ihr Dienstleistungsangebot erhalten.“

          Bei der Post versichert man allerdings, für den Fall, daß sich für die genannten vier Filialen kein Partner finden lasse, werde man sie selbstverständlich weiterbetreiben. Dieser Umwandlungsprozeß von Filialen in Agenturen unterschiedlicher Größenordnung sei seit 1993 im Gange. Seit zehn Jahren habe es jedoch keine signifikanten Veränderungen in der absoluten Zahl der Poststandorte in Frankfurt gegeben. An 60 Standorten habe man mittlerweile zehn Partnerfilialen und 50 eigene Geschäftsstellen. Bundesweit werden von den 12 500 Postfilialen etwa 7500 als Kooperationen und 5000 in eigener Regie betrieben.

          Postpoints

          Zu den Vorbereitungen für den liberalisierten Postmarkt zählt die Deutsche Post AG auch die Expansion an bestimmten Standorten zu sehr niedrigen Betriebskosten. Dazu gehören die Packstationen: Automaten, an denen man Pakete und Päckchen abholen kann. Ihr Netz soll auch im Rhein-Main-Gebiet ausgeweitet werden. Außerdem richtet die Post seit etwa einem Vierteljahr an 300 Standorten, an denen es in den vergangenen Jahren gar keine Post mehr gegeben hatte, sogenannte Postpoints ein.

          Bei dieser kleinsten Form des Poststandorts, etwa in einem Tante-Emma-Laden, soll man vor allem Briefmarken und Paksets kaufen können und Briefe und Pakete abgeben. In Hessen gibt es davon 16 Standorte, unter anderem in Schmitten am Feldberg, in Usingen-Wernborn, in Neu-Isenburg-Zeppelinheim und Groß-Umstadt-Kleestadt.

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