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Linde : Linde versucht sich in der Textilreinigungsbranche

Lindes neue Reinigungsfirmen heißen „Fred Butler” Bild: AP

Die Wiesbadener Linde AG betritt Neuland: Mit vier Filialen in Frankfurt und einer in Wiesbaden will sich der Konzern auf dem hart umkämpften Markt der Textilreinigung etablieren.

          Die Wiesbadener Linde AG will sich in Deutschland ein neues Geschäftsfeld erschließen. Das Unternehmen macht jetzt seine Ankündigung vom Sommer vergangenen Jahres wahr - es testet in Frankfurt und Wiesbaden, ob es auf dem hart umkämpften Markt der Textilreinigung bestehen kann. Dazu wurden in den vergangenen Tagen vier Filialen in Frankfurt eröffnet, in der nächsten Woche soll eine weitere in Wiesbaden folgen.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Der Konzern wirbt mit einem neuartigen Verfahren: einer Trockenreinigung mit Kohlendioxyd. Ein Stoff, mit dem die Aktiengesellschaft ohnedies zu tun hat. Denn der traditionsreiche Konzern, der 2004 den 125. Jahrestag seiner Gründung feierte, will sich in Zukunft auf Industriegase beschränken und plant dazu auch die Übernahme des britischen Konkurrenten BOC. Für die Gabelstablerproduktion, die unter anderem in Aschaffenburg erfolgt, wird offenbar ein Käufer gesucht (siehe: Technologiekonzern Linde wird Branchenprimus).

          Vorstoß in den Markt der Endkunden

          Für Linde ist es der erste Vorstoß in den Markt der Endkunden. Mit Industriegasen haben diese zwar öfter zu tun, als sie denken - zum Beispiel machen derlei Produkte Lebensmittel haltbar -, doch verkauft Linde seine Gase lediglich an andere Unternehmen, wo sie in bestimmten Produktionsprozessen eingesetzt werden. Im Supermarkt sind sie nicht zu haben. Der Konzern weiß, daß er Neuland betritt. Der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ sagt Linde-Vorstandsvorsitzender Wolfgang Reitzle denn auch schon 2005, als zum ersten Mal von den Plänen zu hören war, für die Reinigungen würden eher Führungskräfte von McDonald's und Starbucks gesucht als Ingenieure.

          Die neuen Geschäfte firmieren als Fred Butler. In Frankfurt finden sie sich seit einigen Tagen an der Schweizer Straße in Sachsenhausen, der Mendelssohnstraße im Westend und der Weserstraße im Komplex des „Skyper“-Hochhauses, ferner an der Silostraße in Höchst, wo auch der Reinigungsbetrieb für alle Filialen aufgebaut wurde. In Wiesbaden soll die Fred-Butler-Filiale an der Webergasse, unweit des „Nassauer Hofs“, unterkommen. Unter dem Namen Fred Butler existieren bereits Reinigungen in den Niederlanden, Dänemark und Schweden. Die Geschäfte werden von Franchisenehmern betrieben.

          Reinigungsverfahren mit Kohlendioxyd

          Linde stößt mit seinen Reinigungen in einen Markt vor, der erheblich unter Umsatzrückgängen leidet. Ketten haben offenbar bisher weniger Fuß fassen können als sonst im Handel; nach Angaben des Deutschen Textilreinigungs-Verbands in Bonn sind vier Fünftel der Betriebe sogenannte Einzelunternehmen. Üblicherweise wird in den Unternehmen mit Perchlorethylen gereinigt; Linde hebt hervor, das Verfahren mit Kohlendioxyd sei umweltfreundlicher, zumal bei einem Reinigungsvorgang nur zwei Prozent in die Luft entwichen, die anderen 98 Prozent hingegen abermals verwendet werden könnten.

          Wie noch jeder, der anderer Leute Jacken wie Hosen reinigt, schreibt auch Linde, die Kleidung werde „ohne Grauschleier sauber und fühlt sich angenehm weich an“. Den Besuchern der neuen Filialen versprach Reitzle schon im vergangenen Jahr darüber hinaus noch ein weiteres Erlebnis: „Unsere Reinigungen sehen nicht wie Reinigungen aus, und sie riechen nicht wie Reinigungen.“

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