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Unternehmer Stefan Knoll : Lieber Führungsgrundsätze vom Alten Fritz statt Scrum

Ein Mann mit Prinzipien: Stefan Knoll, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Familienversicherung, in seinem Büro in Frankfurt Bild: Wolfgang Eilmes

Stefan Knoll hat drei Firmen gegründet, darunter das erste Insurtech hierzulande, die online auftretende Familienversicherung. Als Oberstleutnant der Reserve verehrt er Friedrich den Großen. Vom Alten Fritz leitet er Führungsgrundsätze ab.

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          Es ist eine Begebenheit aus dem 18. Jahrhundert, aus der heraus Stefan Knoll Führungsgrundsätze für Gegenwart und Zukunft ableitet. Im Dezember 1757 schlug der preußische König Friedrich der Große mit seiner Truppe in der Schlacht bei Leuthen das Heer Österreichs. Vor dem Kampf offenbarte Friedrich der Zweite seinen Soldaten die Gründe für den Feldzug – und dass man in Kürze einen zahlenmäßig weit überlegenen Gegner angreifen wolle. Er bot jedem, der dieses Risiko nicht zu wagen bereit war an, sich zurückzuziehen.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Am Abend, so erzählt es Unternehmer Knoll, ging er dann durch das Lager, motivierte seine Mannen und führte seine Armee in der Schlacht von vorne an. Das, sagt Knoll, sei ein Führungsstil, wie er es von jedem Vorstandsvorsitzenden der Gegenwart erwarte: „Mit deutlicher Ansprache, guter Motivation, einem klaren Ziel und einer Führungsfigur, die vorweg geht“.

          Führen in Zeiten der Digitalisierung

          Eigentlich ist es paradox: In Zeiten, in denen sich Unternehmenskulturen verändern, in denen Start-ups flache Hierarchien bauen, sich alle duzen und die Krawatte vom Aussterben bedroht ist, in Zeiten der Digitalisierung also predigt ein Unternehmer aus Frankfurt keine Methoden von Amazon-Chef Bezos, Facebook-Boss Zuckerberg oder Apple-Gründer Jobs, sondern den Führungsstil von Friedrich dem Großen. Doch Stefan Knoll ist überzeugt von diesem Weg, gerade im digitalen Zeitalter. Deshalb hat der Gründer und Vorstandsvorsitzende der Deutschen Familienversicherung mit Sitz am Frankfurter Reuterweg ein Buch mit dem Titel „Denken und Führen in Zeiten der Digitalisierung“ (erschienen im Deutschen Fachverlag) geschrieben, das er auf der Buchmesse vorstellte.

          „Ich habe drei Unternehmen gegründet und zum Erfolg geführt“, sagt Knoll. Ganz falsch könnten seine Grundsätze angesichts dessen ja nicht sein. Knoll weiß genau, dass man Wirtschaft und Krieg nicht gleichsetzen sollte, und das tut er auch ausdrücklich nicht. Dennoch hält er viel davon, Werte und Prinzipien statt „neumodischer amerikanischer Methoden“ wie agilem Führen mit Scrum in den Mittelpunkt der Führung von Unternehmen zu stellen, weil bei letzteren die Freiheit des unternehmerischen Geistes, der Instinkt und das persönliche Handwerkszeug des Unternehmers zu wenig sichtbar seien, wie der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch in einem Vorwort schreibt.

          Kant im Sinn

          Knoll will die Digitalisierung nicht aufhalten, er bezeichnet seine Versicherung selbst als erstes digitales Unternehmen der Branche in Deutschland. Sein Fokus liegt darauf, dass Wertvorstellungen bei einer Veränderung des Zusammenlebens infolge der Digitalisierung berücksichtigt werden. Im Zentrum dieser Werte steht das Grundgesetz, Artikel eins, die Würde des Menschen. Es gelte, den Mitarbeitern im Sinne der Auftragstaktik als Führungsdogma zwar Leitplanken des Handelns vorzugeben, sie innerhalb dieser Grenzen aber möglichst frei Entscheidungen treffen zu lassen. Und dabei darauf zu vertrauen, was der deutsche Philosoph Immanuel Kant auf die Frage antwortete, was Aufklärung sei, nämlich der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Man müsse gemäß Kants Grundsatz „Habe den Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen“ den Mitarbeitern größtmöglichen Raum dafür bieten.

          Dass Knoll, Oberstleutnant der Reserve, in seinem Denken und Handeln von vielen Führungspersönlichkeiten geprägt wurde, zeigt schon ein Blick in sein Büro. Dort hängen von ihm selbst gefertigte Porträtbilder, darunter Napoleon, Adenauer, Freiherr vom Stein – und natürlich Friedrich der Große.

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