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Legale Reinigungskräfte : Eine Putzfrau für 12,90 Euro – ohne Schwarzarbeit

Muss man nicht schwarz beschäftigen: Eine Putzhilfe bei der Arbeit Bild: dpa

Die meisten Putzfrauen arbeiten schwarz. Doch jetzt entstehen im Internet Unternehmen, die Reinigungskräfte legal vermitteln, ohne dass sie viel teurer sind.

          Die Frau aus Frankfurt-Sachsenhausen bereut die Entscheidung nicht. Seit einigen Wochen hat sie endlich eine Putzfrau. Aber nicht wie alle sonst im Freundeskreis eine, die schwarzarbeitet. Die junge Polin, die bei ihr jetzt alle 14 Tage dienstags den Boden wischt und die Fenster putzt, kommt vielmehr ganz offiziell von einem Unternehmen. Den Lohn gibt es auch nicht bar auf die Hand. Stattdessen schickt das Unternehmen eine Rechnung. Alles ganz legal also. „Ich fand es zu nervig, selbst auf die Suche nach einer Putzfrau zu gehen“, sagt die Frau aus Sachsenhausen. „Und ich finde es auch besser, wenn jemand ordentlich versichert ist, der bei mir arbeitet.“

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          19,95 Euro kostet das die Stunde. Dafür verspricht das Unternehmen Fair Care, dass die Reinigungskraft dort angestellt ist, zumindest auf 450-Euro-Basis. Wie viel als Lohn an die Putzfrau weitergereicht werden, verrät Fair-Care-Eigentümer Robert Geisthardt allerdings nicht. Es sei von Mitarbeiter zu Mitarbeiter unterschiedlich, sagt der Chef des Unternehmens, das seinen Sitz bei Berlin hat.

          Preiskampf hat bereits begonnen

          Fair Care darf sich als Vorreiter in einer Branche bezeichnen, in der gerade Gründerzeitstimmung herrscht. Geisthardt ist nach eigenem Bekunden schon seit 2008 am Markt. Im Moment aber wird die Konkurrenz von Monat zu Monat größer. Die Namen der Unternehmen klingen noch wenig vertraut, Helpling heißen sie, Book A Tiger, Cleanagent und Homejoy. Durchweg sind es Gründungen im Internet, hinter Helpling etwa, ebenfalls aus Berlin, stehen dieselben Unternehmer, die Zalando groß gemacht haben.

          Kaum ist die Konkurrenz da, hat auch der Wettbewerb über den Preis begonnen. Book A Tiger, ebenfalls eine Berliner Gründung, verlangt, wie der deutsche Ableger der amerikanischen Kette Homejoy, 15 Euro die Stunde, Helpling gar nur 12,90 Euro. Damit liegt man kaum über dem, was für schwarzarbeitende Putzhilfen gezahlt wird – zehn bis zwölf Euro sind dafür in Frankfurt fällig. Gemeinsam weisen die Unternehmer überdies darauf hin, dass man ein Fünftel der Kosten als Steuerermäßigung geltend machen könne.

          Nur jede 16. Putzfrau arbeitet legal

          Es laufe gut, heißt es bei den Gründern, ohne dass sie allerdings Zahlen nennen. Womöglich treffen sie tatsächlich einen Nerv der Zeit. Vor allem die bequeme Buchung übers Internet spricht für das Geschäftsmodell. Ob es auch einen Hoeneß-Effekt gibt, steht dahin. Immerhin kann jemand, der sich in abendlicher Runde über den Fußballmanager aufregt, rasch in die Defensive geraten, wenn man ihn fragt, wie es sich denn mit seiner Putzhilfe verhalte, die da vorhin leise das Haus verlassen habe. Nach einer von der Minijob-Zentrale in Bochum veröffentlichten Umfrage hat jeder Zehnte schon einmal eine Haushaltshilfe schwarz beschäftigt. Nur ungefähr jede 16. Putzfrau sei angemeldet, schätzt man in der Behörde, die eigentlich genau solche Arbeitsverhältnisse registrieren soll.

          Die neuen Unternehmen sind durchweg schlank aufgestellt, vorwiegend nur mit einer Zentrale und Regionalbeauftragten, die jedoch nur zum Beispiel dann in eine Stadt kommen, wenn Personal anzuwerben ist. Eine Kontrolle der Arbeit ist also nicht leicht möglich, man muss sich darauf verlassen, dass sich die Kunden ihrerseits melden, wenn etwas nicht stimmt, und ahnt schon, wie Fernsehjournalisten die Dienstleister von Helpling & Co. mit versteckten Kameras auf die Probe stellen. Aus der Branche wird denn auch bedeutet, dass nicht die Kundenakquise schwierig sei, sondern die Suche nach geeignetem Personal. Bei Helpling ist von einem dreistufigen Bewerbungsverfahren die Rede, man habe viele Beschäftigte aus dem Hotelgewerbe, Hausfrauen, einige Studenten.

          „Book A Tiger“ will in Frankfurt starten

          Am Ende winken bei Helpling 10,32 Euro die Stunde als Entgelt. Lohn wäre das falsche Wort, denn die Putzkräfte sind bei diesem Geschäftsmodell selbständig und müssen einen Gewerbeschein vorweisen. Damit umgeht Helpling zugleich die Frage nach der Mehrwertsteuer. Sie werde gar nicht fällig, erläutert Unternehmensgründer Benedikt Franke, weil die meisten Putzkräfte weniger als 17.500 Euro im Jahr verdienten. Dann fallen sie unter die Kleinunternehmer-Regelung des Umsatzsteuergesetzes und sind von der Zahlung befreit.

          Bei den Zollbehörden, die seit einigen Jahren auch für die Eindämmung der Schwarzarbeit zuständig sind, müssten die neuen Unternehmer auf Beifall stoßen, doch sagt ein Beamter hinter vorgehaltener Hand, man habe wahrlich Wichtigeres zu tun, als Putzfrauen nachzustellen. Ein Beamter verweist zudem darauf, dass die Behörde zwar das Recht habe, Geschäftsräume zu betreten, für eine Wohnung aber einen Durchsuchungsbeschluss der Staatsanwaltschaft benötige. Dort werde man jedoch vermutlich ausgelacht, wenn man das fordere, weil jemand unversteuert Fenster putze.

          Helpling bietet seine Dienste seit einigen Wochen in Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt an, Book A Tiger will in Kürze in Frankfurt starten. Bei den anderen Unternehmen muss man sich erkundigen, welche Stadt bedient wird. Die Stimmung jedenfalls ist bestens. Wer Claude Ritter, Mitgründer von Book A Tiger, fragt, wie man denn auf diesen Namen kam, muss auf eine Antwort nicht lange warten. Da könne man eben in Mails an die Kollegen schreiben: „Hi, Tigers!“

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