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Leerstand in Frankfurt : Aldi und Hifi-Profis ziehen ins alte Helberger-Haus

Neue Fassade, neue Mieter und mehr Luft nach hinten: Das Helberger-Haus wird durchsaniert Bild:

Ein hässlicher Leerstand in Frankfurt verschwindet: Das alte Helberger-Haus nahe der Konstablerwache wird teils abgerissen, teils saniert. Aldi und Hifi-Profis ziehen ein.

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          Die Mitte der Großen Friedberger Straße bietet Frankfurter Innenstadtbesuchern kein schönes Bild. Seit mehr als drei Jahren ist das ehemalige Nobel-Möbelhaus Helberger geschlossen. Die Fassade ist schmuddelig, die Schaufenster sind verklebt. Der Anblick will so gar nicht zur edlen Transparenz des benachbarten Möbelhauses Leptien passen, und auch die Einzelhändler der anderen benachbarten Geschäfte, die hier noch weitgehend inhabergeführt sind, wie etwa Lelefant Kinderwelt oder Alpin Sport, dürften sich so manches Mal über die Handelsbrache in der Nachbarschaft geärgert haben.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Keine Frage, das ehemalige Helberger-Haus ist in die Jahre gekommen. Nicht zuletzt deshalb hatte Geschäftsführer Peter Helberger entschieden, das traditionsreiche Familienunternehmen im Februar 2007 nach 178 Jahren Firmengeschichte zu schließen. Ein geeigneter Nachfolger fehlte, mit dem Helberger, wie er seinerzeit erläuterte, die dringend notwendige Investitionen hätte in Angriff nehmen können. Das Gebäude wurde an den Immobilienkonzern Orco verkauft. Von diesem wiederum erwarb die Dietz AG, Investor und Projektentwickler aus Bensheim, im Februar dieses Jahres die Liegenschaft mit der Ankündigung, das Haus und den Standort voranzubringen. „Redevelopment“ heißt das in der Investorensprache.

          Aldi mit neuem Konzept

          Nun ist es soweit. Der Bauantrag ist eingereicht. „Wir rechnen mit einer Genehmigung in zwei bis drei Wochen“, sagt Wolfgang Dietz, Vorstand der AG. Nach den Plänen werden die rückwärtigen Gebäude des Komplexes, das 9000 Quadratmeter Büro- und Handelsfläche umfasst, abgerissen und auch nicht komplett ersetzt. Dadurch gebe es mehr Luft im Quartier. Der Gebäudeteil zur Straße hin soll saniert werden. Vorgesehen ist eine Fassade aus Sandstein. Dietz bestätigt dieser Zeitung, worüber in der Nachbarschaft schon seit längerer Zeit gemunkelt wird: Der Discounter Aldi wird im Erdgeschoss des Gebäudes eine Filiale eröffnen. Es ist die erste in Frankfurt in so zentraler Innenstadtlage. Bisher hat sich Aldi nur bis in Eins-B-Lagen wie Berger Straße oder Schweizer Straße gewagt. Wie man hört, soll der Discounter in Frankfurt erstmals ein ganz neues Konzept ausprobieren mit einem Sortiment an Fertiggerichten, das auf die Bedürfnisse von Büromenschen abgestimmt ist.

          Anfang 2007: Räumungsverkauf bei Helberger

          Auch den zweiten Mieter für die zusammen knapp 3000 Quadratmeter Verkaufsfläche hat Dietz schon unter Dach und Fach: Das sind die Hifi-Profis, Fachhändler für Unterhaltungselektronik, von denen bekannt ist, dass sie schon länger einen Ersatz-Standort für ihr Hauptgeschäft im ehemaligen Bayer-Haus am Eschenheimer Tor suchen. Der Vermieter, das Fleming‘s Hotel, hat den Vertrag nicht verlängert. Das Hotel brauche mehr Platz für Konferenzräume und Küche, sagt Ernst Schmid, Geschäftsführer der Hifi-Profis. Man habe lange nach einem geeigneten und bezahlbaren Standort gesucht. „Das Problem ist, unsere Branche ist relativ margenschwach, gleichzeitig brauchen wir aber viel Fläche.“ Mit dem alten Helberger-Haus sei man sehr glücklich, zumal sich auch Architekt Adi Goldmann in der Nähe engagiere. „Das wird eine ganz spannende Gegend dort“, sagt Schmid. Die Hifi-Profis selbst wollen an der Großen Friedberger Unterhaltungselektronik „in allen Facetten bieten“ – vom günstigen bis zum hochpreisigen Produkt. „So etwas gibt es in dieser Konzentration in Deutschland noch nicht.“

          Flachbildschirme unterm Tonnendach

          Grundsätzlich sind Aldi und die Hifi-Anbieter nicht die Geschäfte, die man von Angebot und Ausrichtung her in einer Liga spielen. Der Lebensmitteldiscounter setzt auf Billig und wenig Service, die Hifi-Profis GmbH hat sich im Rhein-Main-Gebiet über gute Beratung und ein hochwertiges Sortiment einen Ruf in der Branche geschaffen. In jedem Fall dürfte Aldi – der Drogeriediscounter dm hat schon den Anfang gemacht – mehr Frequenz in die Seitenstraße zur Konstablerwache bringen.

          Unter einem sogenannten Tonnendach werden die Profi-Elektroniker in Zukunft Flachbildschirme und Musikanlagen verkaufen. Projektentwickler Dietz ist überzeugt: „Das wird eine ansprechende, hochwertige Geschichte, die die Straße deutlich aufwerten wird“. Natürlich könne man aus einem „Ackergaul kein Rennpferd“ machen, sagt der Investor weiter, aber ein „veritables Reitpferd wird es werden“. Sobald die Genehmigung vorliegt, soll es losgehen. Die Schaufenster sind schon freigelegt. Die Eröffnung ist für September 2011 ins Auge gefasst. Die hessische Staatsanwaltschaft, Hauptmieter des Gebäudes, wird laut Dietz während der Bauzeit in den Büros bleiben können.

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